S.69

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Das mit Tom liegt mir quer im Magen.
„Xavier hat ihm eine verdammte Gehirnwäsche verpasst", rege ich mich auf und kurble das Fenster runter.

„Das ist nicht dein Problem. Vergiss das einfach, Lucy."

Ich atme tief die frische Landluft ein. Um uns herum nur die Straße, ein paar vorbeiziehende Autos und das leise Summen des Motors. Im Radio läuft irgendein entspannter Song.

Die Sonne geht langsam unter und taucht alles in ein warmes, goldenes Licht.
Ich lehne mich zurück und sehe zu Milan.
Er wirkt konzentriert, den Blick fest auf die Straße gerichtet. Dann schaut er kurz zu mir - dieser eine ruhige, sanfte Blick.

Alles ist gut.
Mein Herz macht einen kleinen Sprung.
Verdammt.

Ich fühle mich wie ein naives Teenagermädchen.

„Schlaf ruhig", sagt er ruhig. „Es dauert noch, bis wir am Privatjet sind."
Ich muss lachen.

„Wie fühlt es sich eigentlich an, mit illegal verdientem Geld durch die Gegend zu fliegen?"

Er grinst leicht.

„Ganz gut. Und wie fühlt es sich an, endlich raus aus der Villa zu sein und nie wieder zurückzumüssen?"

Ich lehne den Kopf gegen die Scheibe.
„Schön."
Er lacht leise.

„Du siehst heute gut aus."
„Du Schleimer." Ich stoße ihm leicht gegen den Arm.

„Bin ich. Aber nur, weil du dann immer dieses Gesicht machst."

Ich schließe die Augen und höre dem Radio zu.

„Wohin fahren wir eigentlich?"
„Überraschung."

Ich schnaube leise.
Typisch.
Hoffentlich irgendwo wo es warm ist.

Vielleicht können wir wirklich alles hinter uns lassen. Neu anfangen. Uns neu kennenlernen.

Ich weiß viel über Milan.
Aber nicht genug, um ihn wirklich zu kennen.

Er weiß Dinge über mich, die kaum jemand weiß.

Aber weiß er überhaupt, wie alt ich bin?
Ich weiß ja nicht mal genau, wie alt er ist.
Oh Gott.

Was, wenn er eigentlich ein alter Typ ist und sich alles hat machen lassen?
... und was, wenn er gar nicht Milan ist, sondern-

Okay.
Jetzt dreh ich völlig durch.
Ich schlafe ein.

Als ich wieder wach werde, stehen wir auf einem kleinen Flugplatz.

Milan weckt mich vorsichtig, küsst mich sanft.

„Aufstehen, Kleines. Wir müssen los."
Ich murmele irgendwas Unverständliches. Mir ist kalt.

Er legt mir sofort seine Jacke um die Schultern.

Wir steigen in den Flieger.
Ich werfe noch einen letzten Blick zurück.
Ein komisches Gefühl.
Nervosität.

Die verfliegt allerdings schnell, als uns die Flugbegleiterin mit Snacks und Getränken versorgt.

„Bist du eigentlich traurig?" fragt Milan plötzlich.

Ich sehe ihn überrascht an und schiebe mir eine Erdbeere in den Mund.
„Hä? Wieso?"

„Du hast Familie. Freunde."
Ich schüttle den Kopf.

„Mir geht's gerade gut. Ich habe nicht das Gefühl, etwas zurückzulassen."
... außer vielleicht Ian.

Ich habe ihn gerade erst richtig kennengelernt. Gerade angefangen, ihm zu vertrauen.

„Du hast mehr aufgegeben als ich", sage ich leise.

Er sieht mich kurz an.
„Und mehr gewonnen."
Ich mustere ihn.
So kenne ich ihn gar nicht.
„Wer ficken will, muss freundlich sein, oder?" murmele ich grinsend.
Er nickt.

„Du kennst mich zu gut."
Trotzdem wirkt er angespannt.

Ich spreche es lieber nicht an.
Kurz darauf landen wir.

Alles geht schnell - wir werden direkt zu einem Wagen gebracht.
Hier ist alles fremd.
Aber warm.
Zum Glück.

Ich höre Milan mit seinen Leuten sprechen.
Eine Sprache, die ich nicht ganz einordnen kann.

Spanisch?
Mist. Hätte ich im Abi besser aufgepasst.
„Wo sind wir?" frage ich.

Er wuschelt mir durch die Haare.
Ich funkele ihn genervt an und richte meine Strähnen.

„Mein Tattoo wird fertig gestochen."
Ich blinzele.

„Dafür sind wir jetzt aber nicht extra hierhergeflogen, oder?"
Er seufzt.

„Sei nicht so neugierig."
Ich verdrehe die Augen.
Wie gemein.

„Oh, das war dein Ernst?"

Er nickt nur und nimmt meine Hand.
Die Sonnenbrille steht ihm verdammt gut.
Arrogant.
Selbstsicher.
Heiß.

„Schicke Brille."
„Danke. So kann ich in dein Ausschnitt gucken, ohne dass du es merkst."

Ich schnaube.

Im Studio läuft laute Rockmusik.
Eine junge Frau kommt auf uns zu und umarmt Milan zur Begrüßung.

„Zieh dich aus", sagt sie trocken.
„Jawohl, Domina."
„Halt die Klappe", erwidert sie grinsend.

Ich mustere die beiden.
Zu vertraut.
Gefällt mir nicht.

„Ich geb ihm eine Stunde, dann jammert er wieder rum", sagt sie zu mir und lehnt sich leicht zu ihm.

„Deine Perle ist aber still", murmelt sie - laut genug, dass ich es höre.
Milan schaut zu mir.
Beobachtet meine Reaktion.
Blödes Arschloch.

Sie muss ihn ja nicht gleich anfassen.
„Sie überlegt gerade, dir die Nadel in den Hals zu rammen", sagt er trocken.
Ich blinzle ertappt und senke kurz den Blick.

Die Tätowiererin lacht nicht.
Geht sogar einen kleinen Schritt zurück.
Sehr gut.

„Willst du auch eins?" fragt sie und deutet auf ein Skizzenbuch.

„Wie wär's mit ‚Sponsored by Milan'?" fügt er grinsend hinzu.

Ich strecke ihm den Mittelfinger entgegen und blättere durch die Seiten.
Nichts spricht mich wirklich an.
Aber Talent hat sie.

„Lucy, komm mal her."
Ich trete näher und beobachte, wie sie arbeitet.
Präzise.
Ruhig.

Fast schon faszinierend.
„Tut es weh?" frage ich.
Er nimmt meine Hand.

„Ist auszuhalten. Schwer zu beschreiben."
Nach einer Weile ist sie fertig, wischt die Stelle ab und deckt alles sorgfältig ab.

„Und? Schon was ausgesucht?" fragt er und sieht mich erwartungsvoll an.

„Ich will keins."
Er grinst schief.
„Ich meinte auch nicht für dich."
Ich runzle die Stirn.
„Sondern für mich."

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MilanGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt