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Milans Haushälterin ist mir bis in mein Zimmer gefolgt, während ich noch immer wie betäubt versuche zu begreifen, was da unten gerade passiert ist. Meine Gedanken überschlagen sich, doch gleichzeitig fühlt sich alles seltsam leer an.
Wie soll ich mich jetzt fühlen?
Ist es falsch, dass es mich nicht glücklich macht?
„Marta, richtig?"
Sie steht hinter mir und beginnt damit, meine Haare zu frisieren. Ihre Bewegungen sind geübt, präzise, fast schon mechanisch.
„Ja. Bitte stillhalten", sagt sie streng, ohne mir im Spiegel wirklich in die Augen zu sehen.
Ich schlucke und versuche, mich auf etwas anderes zu konzentrieren.
„Wie lange arbeitest du schon für diese Familie?"
Ein leises Seufzen entweicht ihr, während sie eine Strähne sorgfältig abteilt.
„Zu lange", murmelt sie schließlich. „Ein ganzes Leben."
Ich runzle leicht die Stirn.
„Dann kennst du Milans Eltern?"
Diesmal nickt sie, ohne zu zögern, und fährt mit der Bürste durch mein Haar.
„Ja. Maia und Eliano waren großartige Eltern. Sie hätten es nicht ertragen, ihn heute so zu sehen."
Ihre Bewegungen werden für einen Moment fester, fast grob, als würde sie mehr fühlen, als sie zeigen will.
„Wie war sein Vater?" frage ich leise.
„Miss." Ihre Stimme ist eine Warnung.
Doch dann atmet sie tief ein, greift nach dem Haarspray und hüllt mich in eine feine Wolke, während sie doch antwortet:
„Er war wie Milan. Dickköpfig, impulsiv... und ständig im Konflikt mit seinem Onkel Xavier. Er wollte Milan immer an seiner Seite haben."
Ich reiße leicht die Augen auf und muss husten.
„Also ist Xavier... sein Großonkel?"
„Ja."
Meine Gedanken beginnen sofort zu rasen.
Ist es möglich, dass Xavier etwas mit dem Tod seiner Eltern zu tun hat?
Wie sind sie überhaupt gestorben?
Zu viele Fragen.
Und ich weiß jetzt schon, dass Marta mir keine davon beantworten wird.
Stattdessen reicht sie mir ein Kleid und hilft mir hinein. Es ist anders als die anderen - eleganter, stilvoller. Der weinrote Stoff schmiegt sich an meinen Körper, Spitze zieht sich dezent über den Stoff, und obwohl es schlicht ist, wirkt es... besonders.
Ich betrachte mich im Spiegel und lächle Marta dankbar an.
Mit einem nervösen Kribbeln im Bauch gehe ich nach unten.
Wie immer wirkt es, als würde hier jeden Tag eine Party stattfinden. Stimmen, Gelächter, Musik - alles vermischt sich zu einem einzigen, lauten Hintergrundrauschen.
„Was zu trinken, Miss?"
Eine junge Frau im Diener-Outfit hält mir ein Tablett hin.
„Ich nehme lieber Saft."
Sie nickt und reicht mir ein Glas Orangensaft.
Alkohol ist heute keine gute Idee. Ganz sicher nicht.
Ich lehne mich leicht an das Geländer der Treppe und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen. Tom entdecke ich sofort; er unterhält sich mit einem Paar. Neben ihnen steht ein Junge in meinem Alter, den ich noch nie gesehen habe.
„Lucy, komm her. Ich möchte dir jemanden vorstellen."
Mist.
Ich gehe zu ihnen, kaue nervös auf meiner Lippe herum und hoffe, dass mein Lippenstift noch halbwegs sitzt.
„Das ist Lucy", sagt Tom. „Lucy, das sind Dave und Elisa - und ihr Sohn Levin."
Ich will ihnen gerade die Hand geben, doch Elisa kommt mir zuvor und zieht mich einfach in eine Umarmung.
„Du armes Ding", sagt sie mitfühlend. „Ich hoffe, sie behandeln dich besser als Maia damals."
Dave räuspert sich leise, doch sie winkt nur ab und mustert mich.
„Ich mag deinen Lippenstift." Sie tippt mir gegen den Arm und tut so, als hätte sie sich verbrannt. „Tzz... heiß."
Ich blinzle irritiert.
„Ich glaube, sie hatte schon ein bisschen zu viel", sagt Dave entschuldigend und reicht mir die Hand. „Freut mich, dich kennenzulernen."
Ich erwidere den Händedruck, doch in diesem Moment versteift er sich plötzlich - und ich weiß sofort, warum.
Milan steht hinter mir.
Dave löst sich und umarmt ihn freundschaftlich.
„Ich kann's kaum glauben, Milan. Wir haben uns so gefreut, von der Hochzeit zu hören. Herzlichen Glückwunsch."
Elisa schließt sich an.
„Sie wären so stolz auf dich."
Ich wedle mit der Hand vor meiner Nase.
„Und betrunken, wenn sie dich riechen könnten."
Milan rollt nur mit den Augen, greift dann nach mir und zieht mich näher. Ich versuche, mich zu entziehen, doch er ignoriert es komplett und wischt mir mit dem Daumen über die Lippen.
„Dein Lippenstift ist verschmiert", murmelt er. Dann beugt er sich leicht zu mir. „Wir wissen beide, wann er verschmiert sein darf."
Ich spüre sofort, wie mir die Hitze ins Gesicht schießt.
„Wofür flüstere ich eigentlich", setzt er leise nach, „wenn dein roter Kopf sowieso alles verrät?"
Ich schlage ihm leicht gegen die Brust.
„Hast du nichts Besseres zu tun? Wo ist deine Frau? Und müsste Drogo nicht auch hier sein?" Ich tue so, als würde ich ihn suchen.
„Sie ist noch nicht meine Frau", erwidert er kühl. „Und ich habe auf den ganzen Mist hier keine Lust. Du bleibst bei mir."
„Oh, ihr seid also kein Paar?" fragt Elisa überrascht.
„Denkt ihr, ich wäre dann noch einigermaßen nüchtern?" murmelt Milan trocken.
„Katharina ist seine Frau", wirft Tom ein.
„Danke, Tom", seufzt Milan genervt und greift sich ein Glas.
„Nicht die Katharina...", setzt Elisa an, runzelt die Stirn. „Milan, sag mir nicht, du tust das für deinen Onkel?"
Milan hebt nur sein Glas und verschwindet wortlos.
„Ich überlege mir das mit dem Nüchternbleiben nochmal", murmelt er im Gehen. „Lucy, bleib in meiner Nähe."
Ich zeige ihm demonstrativ den Mittelfinger.
Ein Klirren lenkt meine Aufmerksamkeit auf Pablo, der gerade eine Rede beginnt. Xavier sitzt unweit von Kackarina und beobachtet alles mit diesem selbstzufriedenen Blick.
„Miss... die ist für Sie."
Ein kleiner Junge zupft an meinem Kleid und reicht mir eine Rose mit einem Zettel.
Ich öffne ihn.
Der einzige Konkurrent in diesem Raum ist diese Rose. Du siehst zauberhaft aus. - D
Langsam hebe ich den Blick - direkt zu Drogo, der oben sitzt und mir zuzwinkert.
Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, während ich die blutrote Rose betrachte.
„Armer Milan", murmelt Elisa neben mir und schüttelt den Kopf, bevor Dave sie sanft mit nach draußen zieht.
Als Pablo endlich fertig ist, übernimmt Xavier das Wort. Er redet voller Stolz, versucht Milan einzubeziehen-
doch der ist längst verschwunden.
„Die Jugend von heute denkt nur noch an Geschäfte", lacht Xavier.
„Oder daran, wie scheiße ihr seid", murmele ich leise.
Stille.
Ups.
Xavier hat es gehört.
Mit einem gezwungenen Lachen beendet er seine Rede und verlässt die Bühne.
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Milan
RomantiekLucy wird entführt - ohne Vorwarnung, ohne Erklärung, aus einem Leben, das ohnehin nie wirklich ihr eigenes war. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort, an dem Regeln nicht mehr gelten und Menschen weniger wert sind als Geheimnisse. Gefangen in ei...
