81.Kapitel

39.2K 1.7K 356
                                        

"Schatz, wir sind gleich da.",rief mir Dylan zu. Mein Herz zitterte, als er "Schatz" sagte.

Die Straßen um uns herum sind leerer geworden, dafür aber edler. Allee durch Allee strichen wir und ich wünschte mir die Fahrt würde nie aufhören.

Es ist gerade so perfekt, ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Überraschung es noch toppen könnte.

Dylan's Hand strich über mein Knie, dann höher meinen Oberschenkel lang. Er fuhr die Rillen meiner Jeans nach, ohne hinzusehen.

Seine Hand wärmte mein kaltes Bein und mir lief ein angenehmer Schauer über Rücken.

Plötzlich wurden wir langsamer und Dylan zog die Handbremse.

Verwirrt schaute ich mich um. Draußen sah alles normal aus. Nichts besonderes.

Sind wir da?

Dylan drehte sich mit seinem kompletten Körper zu mir:"Ab hier muss ich dir leider das Augenlicht nehmen."

Er griff unter den Fahrersitz und zog ein schwarzes Bandana hervor.

Ich verstand und drehte mich so, dass er es an meinem Kopf befestigen konnte. Nun sah ich nur noch schwarz.

Mein Leben ist ein ganzes Klischee. Jede Kleinigkeit baut sich zu einem riesigem Klischee auf und endet als meine Welt.

Was ich davon halte?

Nichts, solange ich dabei glücklich bin.

Dylan schnallte mich an und startete den Wagen. Ich spürte wie der Motor hinter mir zu brummen begann. Ich konnte schon ahnen wie die Bäume an uns vorbei flogen , weil Dylan so schnell fuhr.

Es störte mich komischer Weise nicht, doch wenn man die Augen zu gebunden hat, ist es etwas ganz anderes.

Meine Hände verkrampften sich und ich trampelte auf meinen eigenen Füßen herum.

Ich spürte Dylans große Hand, die über meinen Kopf strich und dann eine Haarsträhne von meiner Stirn entfernte.

"Hey Schonnenschein, alles ist gut."

Seine Stimme ließ mich kurz entspannen, doch der das laute Motorgeräusch erschütterte meine Adern kurz danach.

Ich vertraue ihm.

Er kann gut Auto fahren.

Er selber würde nicht zulassen, dass er einen Unfall baut.

Dabei würde er seine zwei meist geliebtesten Dinge verlieren. Mich und sein Auto.

Konkurriere ich wirklich mit diesem Haufen Blech?

Gott.

Die letzten 5 Minuten kamen mir wie 30 Stunden vor, aber nun hatte ich sie geschafft.

Dylan bremste und ich hörte wie er ausstieg. Meine Tür klickte und eine warme Briese Vormittags Luft kam mir entgegen. Obwohl es so warm war, stellten sich meine Armhaare auf.

"Warte, ich helfe dir raus.", kam seine Stimme von oben.

Zwei starke Arme hoben mich hoch, bis ich Boden unter meinen Füßen spürte.

Ich wollte die Augenverdeckung entfernen, doch Dylan hielt mich auf:"Ich mach das. Bist du bereit?"

Aufgeregt nickte ich.

Ich habe absolut keine Ahnung was mich erwartet. Meine Adern pulsierten, als würde mein Herz Gift durch sie pumpen und stoßen.

Das Bandana hörte auf gegen meinen Kopf zu drücken und meine Augen schnappten Licht auf.

Ich verzog das Gesicht und blinzelte geschätzte 1000 Male bevor ich etwas sah.

Vor mir erstreckte sich ein grauer, langer Kies weg. Rechts und links von mir standen große Brunnen. Auf ihnen standen kleine Engel mit Pfeilen.

Oh.

Verstanden.

Am Ende des Weges stand ein gigantisches, weißes Haus. Nein, es war ein Schloss. Vor mir stand wirklich ein Schloss. Es schmückte ein paar Türmchen, aber hatte auch das Aussehen einer Villa.

Meine Knie wurden weich und ich wankte. Dylan fing mich auf, bevor ich hinfalle.

Ich wollte mich abertausend male bei ihm bedanken, und sagen, dass er verrückt sei, aber er hielt meine Handgelenke fest:"Wenn du dich jetzt bedankst, lasse ich dich fallen."

Ach, ja das Versprechen.

Verdammt.

Mein Hals füllte sich mit Helium-artigem Stoff und ließ mich quietschen.

Dann atmete ich langsam aus.

Dylan grinste und nahm meine Hand, um sich auf den Weg zu machen. In seiner anderen Hand balancierte er die beiden Koffer.

Ich schaute auf unsere Hände. Er ging vor mir und zog mich mit sich. Ich umschloss seine Hand mit beiden meiner Hände und steckte so viel Liebe und Druck in meine Hände, um mich so bei ihm zu bedanken. Sonst halte ich es nicht aus. Zu viel Glück für mich alleine. Ich muss mich bedanken. Es teilen. Dadurch wird es zwar nicht weniger, aber ich fühle mich besser.

Alles schoss durch meinen Körper in meine Hände. Ein Regenbogen fiel und sprang in meinen Fingerspitzen wieder auf.

Dylan drehte sich erschrocken um und starrte auf unsere Hände.

"Was zum?" Er erschrickte, als ein Stoß durch meinen Arm ging und sich auf ihn übertrug.

"Was hast du gemacht? Wie hast du das gemacht?", seine Augen wurden groß.

Meine Augen flogen zu dem Schloss. Dann zuckte ich mit den Schultern.

Meine Mundwinkel zogen sich unbemerkbar nach oben und ich drückte ihn weiter den Weg zu gehen.

"Liebe.",murmelte ich zu mir selber.

"Was hast du gesagt?",fragte Dylan aufdringlich. Er hatte es nicht verstanden.

Mit Liebe habe ich es gemacht.

Ganz einfach, oder?




No normal Badboy!  #Wattys2015Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt