Wir haben unsere Inhaltsrichtlinien aktualisiert.
Sieh dir die neuesten Richtlinien an, um weiterhin sicher Geschichten zu teilen.

Kapitel 81

236 9 28
                                        

"...Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Hat jemand noch Fragen?", warf Mint einen aufmerksamen Blick durch ihre Klasse. Schweigen. Die meisten ihrer Mitschüler sahen aus dem Fenster oder malten auf ihren Blöcken. Bereits während ihres Vortags war ihr aufgefallen, dass niemand sich so wirklich für ihr Thema interessiert. Jedes Kind sollte einen Vortrag über seine Hobbys oder seinen späteren Berufswunsch halten, während die meisten Fußball, Tierpfleger, Reiten, Tänzerin oder ähnliches nannten, hatte sie einen kleinen Lautsprecher mit gebracht und von ihrem Wunsch erzählt, später einmal Tontechnikerin zu werden... ein merkwüriger Berufswunsch und Interesse für ein Kind in ihrem Alter, womit sie ständig auf Unverständnis stößt. "Hat denn niemand eine Frage an Mint?", wiederholte ihre Lehrerin. Für einen kurzen Moment wartete sie auf ein Reaktion, bevor sie sich bei Mint bedankte, "Ein wirklich sehr ausführlicher und guter Vortag." "Danke.", lächelte das rothaarige Mädchen, nahm ihren Lautsprecher und ihr Plakat und ging zurück auf ihren Platz. Ein kleiner Einzeltisch in der Mitte vom Raum. Ihre Klasse wies eine ungrade Anzahl an Schüler auf, daher musste ein Kind alleine sitzen und da neben ihr niemand sitzen wollte, hatte sie diesen Platz bekommen. Wenigsten konnte sie dadurch niemand vom Unterricht abhalten. "So eine Streberin." "Heult sich immer bei ihrem Bruder aus." "Mehr Freunde als diesen blöden Lautsprecher hat, die doch eh nicht.", tuschelten ihre Mitschüler um sie herum. Ignorieren. Einfach ignorieren. Die sind nur neidisch auf... Gute Frage. Sicher nicht auf ihr technisches Wissen oder darauf, dass sie einen Einzeltisch hat oder keine Freunde hat. Trotzdem einfach ignorieren. "Bis nächste Woche bereitete ihr euren Vortrag bitte nochmal als kleinen Aufsatz vor. Dieser wird, dann auch benotet und mit der Note vom Vortag zusammengerechnet. Maximal vier Seiten bitte.", schrieb ihre Lehrerin die genauen Informationen an die Tafel, welche Mint sofort in ihr Heft übernahm. "Keinen Roman schreiben, du Langweilerin.", warf ein Junge vom Tisch hinter ihr einen kleinen Papierball an den Kopf. Trauig seufzte sie. Was ist so falsch daran einen Traum zu haben, der anders ist und nicht der Norm entspricht. Weshalb wird man immer gleich ausgegrenzt, wenn man nicht ist wie breite Masse. Sie tut doch niemand weh durch ihr Verhalten. Durchs klingeln der Glocke wurden ihre Gedanken unterbrochen und sie räumte ihre Sachen in ihren Rucksack, da sie nach der Pause eine Doppelstunde ihren Wahlkurs Technik hatte. Ihr absolutes Lieblingsfach, wäre sie nicht das einzige Mädchen zwischen all den Jungs. Ansonsten mochte neben Technik noch Mathe, Informatik und Musik sehr gerne. Dienstags Nachmittags besuchte sie in regelmäßigen Abständen sogar immer eine Gitarre/ Klavier AG... wofür genauso sehr wie für den Besuch ihres Technik Wahlkurs von ihren Mitschülern geärgert wurde, so verschwand des öfteren ihre Notenblätter oder Technik Projekte aus ihrem Fach, welches jedes Kind hinten in der Klasse besaß. Beschweren tat sie sich deshalb nicht bei ihrer Lehrerin, die anderen Schüler sollten nicht mitbekommen, dass sie ihr damit weh tun. Irgendwann werden sie bestimmt aufhören und den Spaß daran verlieren sie zu ärgern.

Ihren Apfel auf dem Pausenhof gegessen, beobachtet Mint von einer Bank eine kleinere Gruppe von ihren Mitschülern beim verstecken spielen. Noch nie wurde sie gefragt ob sie mitspielen will und jedesmal wenn sie fragen, wurde sehr schnell und eindeutig mit 'Nein' geantwortet. Dennoch gab sie nicht auf, bis sie eines Tages ihre Meinung vielleicht ändern. Mit ihrem kleinen Lautsprecher in der Hand, den sie nur ungerne alleine lassen wollte, stand sie auf und ging auf die Gruppe zu. "Ich will euch nicht stören aber, kann ich vielleicht eine Runde mitspielen? Bitte, ich würde auch suchen.", nervös trat sie von einen Fuß auf den anderen und blickte die anderen Kinder mit einem vorsichtigen Lächeln an. "Nein. Wir spielen nicht mit Strebern. Geh weg.", maulte ein blonder Junge sofort zurück. Vorsichtig nickte das rothaarige Mädchen und senkte enttäuscht ihren Kopf. "Was hast du da eigentlich für ein hässliches Ding?", griff ein anderer Junge nach dem Lautsprecher in ihrer Hand. "Kann ich bitte meine Lautsprecher wieder haben?", fragte ihre Stimme leise. "Hol ihn dir doch.", begannen die Kinder damit ihren Lautsprecher im Kreis herum zu werfen, während Mint verzweifelt versuchte ihn zu fangen. Hätte sie bloß nicht gefragt. Wie kam sie nur auf diese bescheuerte Idee. "Bitte, geb ihn mir zurück. Ich lass euch, dann auch in Ruhe. Bitte. Den hab ich mit meinen Opa zus..." Ein kleiner Knall und ihr Lautsprecher fiel auf den Boden, wo er in tausend Teile zersprang. Tränen schossen ihr in die Augen, "Nein.", kniete sie sich auf den Boden um die vielen einzelnen Teile einzusammeln. Das kleine Geräte bedeutete ihr mehr, wie jeder ahnte. Es war ihr ersten Lautsprecher den sie mit der Hilfe ihres Opas eigenständig repariert hatte. Und jetzt war er kaputt... nur weil sie dazu gehören wollte. Weined steckte sie die aufgesammelten Kleinteile in ihre Hosentasche, bevor sie das größte Teil nahm und an ihre Brust drückte. Vielleicht könnte sie im Technik Unterricht gleich versuchen ihn wieder zusammenzubauen. Allerdings sahen seine Prognosen nicht gut aus. "Muss das kleine Baby jetzt weinen, weil es seinen einzigen Freund verloren hat. Armes Baby.", lachten die Stimmen um sie herum laut, "Heul leise du Hexe und hau ab." "Tut... tut mir leid.", flüsterte sie leise, stand auf und rannte schnell zurück zu der Bank wo noch ihr Rucksack stand, dessen Inhalt jemand auf den Boden verteilt hatte. Auch diese Art von Streichen gehören zu ihrem Alltag dazu. In jeder Klasse muss es wohl eine Person geben auf die jeder draufhauen kann. Für was genau hatte sie sich eigentlich entschuldigen... die haben doch ihre Sachen beschädigt. Vorher jedoch hat sie, sie belästigt. Hätte sie nicht gefragt, ob sie mitspielen darf wäre das alles nicht passiert. Das ihr Lautsprecher jetzt kaputt ist, ist somit allein ihre Schuld, weil sie deren 'Nein' nicht akzeptiert hat. Kinder wie sie sind eben nicht gut genug für andere Kinder... für einen Freundeskreis. Manche Menschen sind dafür gemacht alleine durchs Leben zu gehen. Ohne Freunde. Zum Glück verstand sie sich mit ihren Geschwister, sodass sie wenigstens Zuhause jemanden zum verstecken oder Karten spielen hatte. Erneut in die hocke gegangen, sammelte sie ihre Schulsachen ein und steckte sie zurück in ihren Rucksack. Den Dreck und Staub vom Boden klopfte sie zuvor ordentlich ab. Sie hasst es, wenn ihre Sachen dreckig oder unordentlich sind. "Pass auf, dass du nicht fällst.", schrie eine Stimme gehässig. Ehe sie reagieren konnte schuppste sie jemand zu Boden. Mit ihrer Nase voran fiel sie in Richtung der Bank in den Kies. "Autsch.", murmelte sie leise und drückte sich mit ihren Handflächen vom Boden auf. Kleinere Kratzer und Schrammen zierten ihre Haut, sowie feine Steinchen. Vorsichtig entfernte sie die Steine aus ihrer Hand und wischte sie an ihrer Jacke ab. "Wie soll ich das Oma erklären.", seufzte das rothaarige Mädchen und stand auf. Schmerzhaft verzog sie ihr Gesicht. Durch die frische Luft begann ihre Wunden zu brennen. Noch mehr als ihre Handfläche schmerzten ihre Knien. Ein Blick nach unten, zeigte zwei deutliche Löcher in ihrer Hose, unter denen ihre Beine bluteten. Die beiden Wunden ebenfalls mit Steinen und Dreck verschmutzt, sahen diese schlimm aus. Wenn sie noch schnell ist, schafft sie es ihre Knie vor dem Ende der Pause noch auf der Toilette zu reinigen, damit sich keine Entzündung entwickelt und ihre Schmerzen länger bleiben wie nötig.

seventeen daysGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt