Da saß ich nun, auf dem kalten Betonboden und weinte. Mir tat alles weh, sogar das sitzen schmerzte. Noch nie hatte ich einen so starken Drang zu weinen verspürt wie in diesem Moment. Doch es war eine Art von weinen die dich erleichtert. Die alles aus dir raus kommen lässt und die Sorgen und den Kummer wegspült. Ich fühlte mich endlich frei, die Ketten um mein Herz wurden lockerer und ich hatte das Gefühl wieder atmen zu können. Kujtim nahm mir die Hände vom Gesicht, sanft hob er mein Kinn an. Er nahm mein Gesicht zwischen die Hände und sah mir tief in die Augen.
"Es ist vorbei... Es ist alles vorbei." sagte er. Ja, das war es. Ich nickte kaum merklich und versuchte aufzustehen, doch ich war zu schwach. Meine Beine gaben nach und ich sackte zu Boden. Er griff unter meine Knie und hob mich hoch. Ich legte die Arme um seinen Hals und ließ mich tragen. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, ich war zu schwach. Außerdem gab er mir ein Gefühl von Realität. Wenn ich ihn berührte, wusste ich das es echt war. Es war kein Traum. Es passierte wirklich. Also schloss ich die Augen und ließ mich nach oben tragen. Das Licht tat mir weh, auch wenn ich nichts sah. Vorsichtig machte ich die Augen auf. Ich blickte zu ihm rauf, sein Blick war stur nach vorne gerichtet und auf seiner Stirn zeichnete sich wieder seine Zornesfalte ab. Er strahlte eine unglaubliche Stärke aus, man sah ihm die Erleichterung an, trotzdem hielt er seine "harte Schale" aufrecht. Ein Polizeiauto parkte neben dem Krankenwagen. Er trug mich hinein und legte mich vorsichtig auf die Trage. Dann streichelte er sanft über mein Gesicht und lächelte. Dieses Lächeln das mich schwach werden ließ. Tränen glänzten in seinen Augen, und doch verlor er nicht die Fassung.
"Danke.." flüsterte ich kaum hörbar während ich ihm in die Augen sah. Er nickte nur kaum merklich und küsste meine Stirn.
"Du wirst jetzt ins Krankenhaus gebracht zemer, ich komme sofort nach."
Ich war zu müde um etwas zu erwidern, also nickte ich nur. Er gab mir noch einen Kuss auf die Stirn ehe er verschwand.
2 Stunden später...
Ich wurde versorgt und dann in ein Einzelzimmer gebracht. Ich konnte das, was gerade passiert war überhaupt nicht wahr haben. Ich realisierte es noch nicht. Es war noch nicht bei mir angekommen. Ich starrte aus dem Fenster und beobachtete den Frühling. Bis meine Lieder so schwer wurden, dass ich nicht mehr gegen die Müdigkeit ankämpfen konnte. Ich fiel in einen tiefen und traumlosen schlaf.
Langsam öffnete ich die Augen und sah mich um. Für eine Sekunde wusste ich nicht was passiert war, doch dann fiel es mir wieder ein. Mein Vater sitzt hinter Gittern. Ich bin endlich frei! Frei von ihm! Ein schwaches Lächeln zeichnete sich auf meinen Lippen ab.
"Na, gut geschlafen?" ich erschrak, doch als ich mich zur Seite drehte sah ich den Mann den ich liebte, und der mich befreit hatte. Meine Mundwinkel hoben sich automatisch nach oben und meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich beugte mich zu ihm rüber und umarmte ihn, so fest ich konnte.
"Danke.. " schluchzte ich.
"Ich habe es versprochen Liri.."
Vorsichtig löste ich mich von ihm und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.
"Du hast mir mein Leben gerettet." antwortete ich.
"Du hast dich selbst gerettet Liri, ich hab nur meinen Job gemacht."
"Nein... Wärst du nicht in mein Leben getreten hätte ich niemals was unternommen." Und das war die pure Wahrheit.
"Wieso hast du jetzt was unternommen?"
Ich sah ihm in die Augen und schwieg eine weile.
"Weil ich mich verliebt habe.." gab ich ehrlich zu.
Auf seinem ernsten Gesichtsausdruck breitete sich ein Grinsen aus. Seine Augen funkelten, wie ein Kind, das gerade Süßigkeiten bekommen hatte.
Und auch ich könnte mir mein Lachen nicht verkneifen.
Er zog mich in die Arme und küsste mich auf den Kopf.
"Jetzt wird alles wieder gut, ich werde dich glücklich machen, ich versprech's Liridona..."
Ich schloss die Augen und atmete seinen Duft ein. Diesen vertrauten Geruch von Sicherheit. Von Zuneigung und Liebe. Er benebelte all meine Sinne.
Vorsichtig löste ich mich von ihm. Langsam näherte ich mich an sein Gesicht.
Als ich seine weichen Lippen berührte, explodierte sein Feuerwerk der Gefühle in mir. Alle Last fiel von mir ab. Jeder Schmerz, jede Sorge, jede Angst verflog. Es gab nur ihn, mich und diesen Moment. Diesen Kuss der meinen Körper zum Beben brachte. In meinem Bauch schwirrten unzählige Schmetterlinge herum, meine Knie fühlten sich schwach an und mein Verstand funktionierte nicht mehr. Es fühlte sich an, als würde ich fliegen. Als wäre ich all meinen Dämonen endlich entkommen. Als hätte er mich gerettet...
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How he saved me...
RomanceGeschlagen, missbraucht, hintergangen, vergewaltigt... Ich könnte noch viel mehr Punkte aufzählen die mir in meinem Jungen aber erbärmlichen Leben widerfahren sind. Irgendwann kommst du an einen Punkt im Leben, wo dir alles egal ist. Du suchst nicht...
