Wir standen wieder an der U-Bahn Station und warteten. Wir sagten nichts, fragten nichts... Wir schwiegen. Wir schweigen und sahen ins leere. Er hatte meine Hand genommen und den ganzen Weg über fest gehalten. Er machte keine Anstalten sie loszulassen. Sein Griff war fest, er gab mir Sicherheit. Er hielt mich auf dieser Welt. Er hielt meine Beine aufrecht. Seine Hand gab mir Hoffnung. Sie gab mir Kraft. Ich kann mir nicht erklären wieso, aber sie gab mir das Gefühl von Wichtigkeit. Nach Jahren fühlte icu mich wieder wichtig. Die Bahn kam vorgefahren, er zog mich in den Zug hinein. Die U-Bahn war menschenleer.. Zumindest fast. Wir gingen bis ganz nach hinten und setzten uns auf die durchgehende Bank. Immer noch hielt er meine Hand. Ich starrte auf unsere verschränkten Finger und meine Mundwinkel hoben sich. In dieser Nacht wollte ich vergessen. Ich wollte meine bevorstehende Bestrafung und auch meinen Vater vergessen. Doch wie? Ich müsste gleich nach Hause... Wir stiegen aus und gingen wieder zur Polizeistation. Dann blieb er stehen. Er musterte mich und sah mir tief in die Augen. Seine glänzten, er war den Tränen nahe.. Und auch meine Augen wurden feucht. Er biss sich auf die Lippe und schüttelte den Kopf. Streichle über meine Haare.
'Sei stark Liridona, sei stark!'
"Ich flehe dich an, tu das nicht! Dein Leben ist viel zu wertvoll um es zu beenden. Ich werde dich nicht mehr bedrängen Liri, ich werde dich nicht mehr unter Druck setzten, ich schwöre es, aber bitte.. Zu mir das nicht an..." seine Stimme brach. Wieder flossen Tränen. Was sollte ich antworten? Ich wusste es nicht. Also ging ich auf die Zehenspitzen und umarmte ihn.
"Ich werd es nicht machen.." flüsterte ich und klammerte mich an seinen Hals.
"Ich versprech's..." Er atmete aus sein Körper entspannte sich. Das konnte ich spüren.
"Warum bist du so aufgebracht?" fragte ich vorsichtig.
Er löste sich von mir und schlug die Hände vors Gesicht. Er setzte sich auf die Treppe, die zum Eingang der Polizeiwache führte und fing an zu weinen. Was sollte ich nur tun.. Es fühlte sich an als würde ich lebendig begraben, wenn ich ihn so sah. Ich kniete vor ihm und nahm vorsichtig seine Hände weg. Vorsichtig wischte ich ihm die Tränen weg.
"Du musst nicht darüber reden." sagte ich. Nein, das musste er nicht. Er soll nur aufhören zu leiden. Das ist alles was ich wollte. Ich wusste wie es war, wenn man zu etwas gedrängt wurde, was man nicht wollte. Ich wusste wie es sich anfühlte.. Und ich wusste auch, das man nicht über alles reden wollte oder konnte. Ich sah ihm den Schmerz an, auch ohne das er sprach. Ich sah in seine Augen und da brannte das unbezwingbare Leid, das ihn von innen nach außen zerfetzte. Man konnte spüren wie sehr er litt, man spürte seinen Schmerz. Ich brauchte keinen Grund um für ihn da zu sein. Doch ich sollte ihn erfahren.
"Mein Vater... er hat sich erhängt..."
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How he saved me...
Roman d'amourGeschlagen, missbraucht, hintergangen, vergewaltigt... Ich könnte noch viel mehr Punkte aufzählen die mir in meinem Jungen aber erbärmlichen Leben widerfahren sind. Irgendwann kommst du an einen Punkt im Leben, wo dir alles egal ist. Du suchst nicht...
