Er stand vom Boden auf und zog mich an meinen Handgelenken hoch. Da stand ich nun. Er betrachtete mich von allen Seiten und weinte still und leise vor sich hin. Dann stellte er sich vor mich und steckte die Hand aus. Ich zuckte zusammen... Als er bemerkte das ich Angst habe, legte er ganz sanft seine Finger auf eine Wunde an meinem Bauch. Vorsichtig zog er sie nach. Gänsehaut machte sich auf meinem Körper breit. Denn seit Jahren hatte meine Haut keine Zärtlichkeit gespürt. Keine Berührung voller Liebe. Immer wieder rannten Tränen über seine Wangen. Er litt. Für mich. Mit mir.
"Was hat er dir nur angetan..." flüsterte er kaum hörbar. Es war keine Frage.
Ich nahm sein Gesicht zwischen die Hände und zwang ihn mich anzusehen.
"Sag mir, bist du stark genug, um damit klar zu kommen?"
Er sah mich lange an.
"Ich werde nicht zulassen, das er dir noch einmal weh tut... Ich werde stark sein, für dich!"
"Nein Kujtim, ich habe gefragt ob du damit klar kommen kannst..."
Er nickte nur. Worte kamen nicht aus seinem Mund.
"Ich möchte, dass du mich jetzt nach Hause fährst."
Schockiert sah er mich an.
"Neein!" er wich von mir weg.
"Kujtim, fahr mich nach Hause."
"NEIN!" er brüllte mich an. Fasste sich durch die Haare und lief hin und her.
"Du hast gesagt, das du stark genug bist um damit klar zu kommen."
"Ich bin nicht stark genug um zu zusehen wie er dir weiterhin weh tut!"
"Du musst... Wenn du mich nicht verlieren willst, dann musst du."
Entsetzten stand ihm ins Gesicht geschrieben.
"Ich kann nicht zulassen, dass ich dich wieder zurück zu diesem Monster bringe!"
"Du hast mir was versprochen..."
"Was hab ich dir versprochen?"
"Das du mich nicht unter Druck setzten wirst."
"Liridona ich flehe dich an, tu mir das nicht an. Zwing mich nicht dich ins offene Messer laufen zu lassen."
Ich stellte mich vor ihn und zwang ihn stehen zu bleiben. Vorsichtig nahm ich seine zittrige Hand.
"Du kannst dich jetzt entscheiden. Du kannst dir überlegen ob du bei mir bleibst, oder ob du mich verlässt. Und ich rate dir zu letzterem. Denn ich möchte einem Menschen wie dir nicht das Herz brechen. Ich möchte nicht, dass du wegen mir leiden musst. Aber ich werde das nicht für dich entscheiden, dass musst du selber tun."
"Versprich mir, dass du mich sofort anrufst, wenn es wieder soweit ist.."
Ich legte den Kopf schief und setzte ein Lächeln auf.
"Lass mich frei und du wirst nicht leiden."
"Ich lasse dich nicht mehr allein! Ich lasse nicht zu, dass du weiterhin so etwas durchmachen musst!"
"Du musst..."
"Ich werde dich nach Hause fahren, aber ich werde diese Sachen nicht einfach vergessen!"
Ich sagte nichts mehr. Ich wusste, dass es keinen Zweck hatte.
Er parkte ein paar Straßen vor meinem Haus. Keiner von uns sagte etwas. Wir saßen nur da und starrten in die Nacht. Es war Zeit zu gehen, doch ich wollte nicht ausgehen. Auch wenn ich wusste, dass mein Vater nicht mehr zuhause war. Trotzdem öffnete ich die Tür, doch er hielt mich an der Hand zurück.
"Du bist nicht mehr allein... Vergiss das nicht." Ich drückte seine Hand und lächelte kurz. Dann stieg ich aus, mit einem Zettel in der Hand. Als ich die Straße lang lief, öffnete ich ihn. Eine Telefonnummer stand drin. Ich stopfte sie in meine Hosentasche, ich würde ihm schreiben wenn ich zuhause bin.
Ich überquerte die Straße und ging auf die Wohnung zu. Mein Blick ging nach oben, mein Herz jedoch rutschte in die Hose. Mit allem hatte ich gerechnet, nur damit nicht...
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How he saved me...
RomantikGeschlagen, missbraucht, hintergangen, vergewaltigt... Ich könnte noch viel mehr Punkte aufzählen die mir in meinem Jungen aber erbärmlichen Leben widerfahren sind. Irgendwann kommst du an einen Punkt im Leben, wo dir alles egal ist. Du suchst nicht...
