Es war fast eine Woche vergangen, mir ging es schon besser aber ich war immer noch sehr schwach. Ich weiß nicht was der Polizist mit meinem Vater besprochen hat, ich weiß auch nicht was er jetzt machte, seit dem Tag hatte ich nichts von ihm gehört. Besser so, ich wollte gar nichts von ihm hören. Der Alltag im Krankenhaus war eintönig, ich fühlte mich einsam. Aber das war nichts Neues, das war ich gewohnt. 2 Wochen musste ich noch bleiben... Ich hatte viel Zeit zum nachdenken im Krankenhaus. Was anderes gab es nicht zu tun. Mikki, der mir einen Jonny hätte bringen können, ist spurlos verschwunden, und Loni erreichte ich nicht. Der machte eh was er wollte. Also begann ich zu grübeln. Ich malte mir jedes nur erdenkliche Gespräch vor, was hätte ablaufen können an dem Tag als Kujtim mich ausquetschen wollte. Doch es kam mir so absurd vor, so irreal. Würde ich ihm erzählen was wirklich los ist, würde er das Land verlassen. Aus Scham? Ja bei uns in der Kultur ist es Fremdscham. Denn ich bin eine geschändete, eine unreine... Ich bin keine Jungfrau... Meine Unschuld ist beschmutzt. Und dieses denken ist so ausgeprägt, dass bei uns nicht der Täter verurteilt, sondern das Opfer erniedrigt wird. Also wozu reden? Damit er überall herum erzählen konnte was ich doch für eine Hurentochter war, und dass ich sowieso kein Stück besser sei als meine Mutter? Nein danke. Allmählich würde es wärmer draußen. Mit jedem Tag der verging schmolz der Schnee immer mehr und die Sonne lies sich öfter mal blicken. Die Menschen hatten immer öfter gute Laune. Außer mir, meine Laune würde für immer die gleiche bleiben. Ein klopfen riss mich aus den Gedanken. Die Schwester war doch eben erst da? Ich sah zur Tür, die ganz langsam geöffnet wurde. Mein Herz machte einen Sprung als ich sah wer im Rahmen stand. Kujtim..
"Darf ich rein kommen?" fragte er und grinste.
Ich nickte kaum merklich, was anderes hätte ich nicht raus bekommen. Was macht er hier? Und wieso hat er keine Uniform an. Er ließ hinter sich die Tür ins Schloss fallen und kam vorsichtig auf mich zu. Ich sagte kein Wort, folgte nur seinem handeln. Immer wieder fragte ich mich 'Was macht er hier?'
Er setzte sich an meinen Bettrand und reichte mir die Hand. Was wird das denn jetzt? Zögernd ergriff ich sie und sah ihn schief an.
"Was machst du hier?" fragte ich schneller als mein Kopf denken konnte.
Seine Mundwinkel hoben sich, er drückte meine Hand und sagte:" Ja danke, mir geht's sehr gut. Und dir so?" Die Röte stieg mir ins Gesicht, wo sind deine Manieren Liri...
"Tut mir leid..." sagte ich kleinlaut und sah an ihm vorbei. Die Situation was sehr befremdlich. Er lies langsam meine Hand los. Ich spürte seinen Blick auf mir haften.
"Ich wollte nur nach dir sehen, letztes Mal ging es dir nicht so gut."
"Darf ich fragen wieso?"
"Einfach so. Wollte mich erkundigen. Was machen die Verletzungen?"
Instinktiv zog ich die Decke höher.
"Sind fast verheilt."
"Ja? Das freut mich. Wie lang musst du noch bleiben?"
"2 Wochen." ich sah ihn nicht an, ich antwortete nur das nötigste. Mir war so unwohl in seiner Nähe, irgendwie schämte ich mich. Denn er ahnte einen Teil meiner Geschichte, und das gefiel mir nicht. Ich wollte niemanden da mit rein ziehen. Ich wollte nur in Ruhe gelassen werden.
"Und dann gehst du nach Hause?" fragte er.
"Ja.." sagte ich. Ich sah aus dem Fenster, doch seine Augen musterten mich. Angefangen von der Platzwunde an meiner Augenbraue bis hin zu Fingerspitzen. Er inspizierte alles.
"Wo ist deine Uniform?" fragte ich, um die Stimmung ein bisschen zu lockern.
"Ich bin nicht im Dienst Liri.."
Liri? Ich hasste es wenn man mich so nannte.. Aber aus irgendeinem Grund störte es mich nicht bei ihm.
"Und was machst du dann hier?"
"Ich wollte dich sehen, wie gesagt."
"Und warum? Wir kennen uns nicht, warum besuchst du eine fremde?"
"Wir kennen uns jetzt nicht, vielleicht aber bald?"
Versuchte er gerade mit mir zu flirten? Junge Junge, du hast keine Ahnung mit was für einem Menschen du es zu tun hast...
"Außerdem gehe ich meinem Instinkt nach... Ich glaube bei dir stimmt etwas nicht.."
"Was sollte denn nicht stimmen?" fragte ich.
"Zum Beispiel die Tatsache das du Angst hast nach Hause zu gehen.." sagte er und durchbohrte mich mit seinem Blick.
"W-Was?" fragte ich.
"Du hast mich schon verstanden..."
Ich starrte ihn an, wie besessen starrte ich in seine haselnussbraunen Augen. Er hielt meinem Blick stand. Seine Halsschlagader war angeschwollen und wieder kam seine Zornesfalte zum Vorschein. Sackgasse. Was sollte ich tun? Weglaufen konnte ich nicht, lügen? Wozu? Er wusste was abging. Zumindest teilweise... Ich befreite mich aus der Trance und starrte wieder Richtung Fenster. Die Abendsonne kitzelte mein Gesicht.
Er sagte lange nichts. Er starrte mich nur an. Seine Nähe war bedrückend, sie war machte mich nervös. Er war in meine Komfortzone eingedrungen.
"Du brauchst keine Angst vor mir zu haben... Du brauchst auch vor der Polizei keine Angst zu haben.."
'Ich habe keine Angst vor euch... Wie lächerlich..' dachte ich mir.
"Und auch vor deinem Vater nicht Liri... Wir würden für deine Sicherheit sorgen...!" Fuhr er fort, als hätte er meine Gedanken gelesen..
"Kujtim.. bitte hör auf... Ihr könnt mir nicht helfen, ich kann mir nicht mal selbst helfen... Also bitte.. Hör einfach auf. Halte dich von mir fern, ich bin kein guter Umgang für dich. Ich bin für niemanden ein guter Umgang. Geh bitte, leb dein Leben weiter wie bisher und lass mich in Ruhe..."
"Ich kann nicht..." sagte er.
Ich sah ihn an und fragte warum.
"Ich kann nicht... Ich muss ständig an dich denken..."
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How he saved me...
RomansaGeschlagen, missbraucht, hintergangen, vergewaltigt... Ich könnte noch viel mehr Punkte aufzählen die mir in meinem Jungen aber erbärmlichen Leben widerfahren sind. Irgendwann kommst du an einen Punkt im Leben, wo dir alles egal ist. Du suchst nicht...
