Kapitel 55

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Cassandra

So verharre ich einige Minuten in der Stille und das Rascheln der Blätter und die wenigen Grillen, die ihr Leben genießen, beruhigen mich immens.

Mir wird Stunde für Stunde bewusster, dass sich durch diese Nacht mein Leben ein weiteres Mal um 180 Grad drehen wird.

Sowieso befindet sich gerade bei mir Zuhause ein pures Chaos, weshalb ich mich langsam auf die Rückfahrt begeben sollte. Denn Frank wird toben und ich hoffe inständig, dass er noch nicht irgendwelche Spezialeinsatztruppen nach mir losgeschickt hat.

Ich nehme noch einmal einen kräftigen Atmezug der kühlen Nachtluft, das mich von innen belebt und fahre mir mit meinen Händen über meine Arme. Obwohl mir der Mond absurder Weise Wärme spendet, wird mir doch langsam kalt, da de Temperatur sich sehr nah am Nullpunkt annähert.

Ich rapple mich schließlich auf und betrete wieder das heruntergekommene Einfamilienhaus. Zum Glück habe ich diese Verwandlung nicht zu Hause durchlebt, ansonsten würde Frank mir tausend Fragen stellen wollen. Natürlich ist das gerade auch er Fall, aber eine Lüge zu finden wird definitiv einfacher sein, wenn er nicht so viel von der Wirkung meines Gesangs mitbekommt.

Hinter mir schließe ich die Terassentür mit einem Schlüssel ab, das nur schwer ins Loch geht und ich verabschiede mich innerlich vom Mond, da ich mich wieder der Realität stellen muss.

Mein Gesang und alles, was damit verbunden ist, hat sich wie der schönste Kurzurlaub überhaupt angefühlt, trotz den negativen Aspekten und deutlich ruhiger als vorher ziehe ich mir meine Jacke an. Danach packe ich mein restliches Zeug wieder ein wie zum Beispiel die letzten Krümmel des Siegels meiner Familie.

Aber eine Sache fällt mir wieder ein: Wieso konnte ich nichts hören?
Klar, jetzt weiß ich, dass diese Veränderung durch die Brandung und durch meine Krönung ausgelöst wurde, aber trotzdem ist es sehr merkwürdig.

Eigentlich nicht, widerspricht mir Via und ich gewähre ihr den Eintritt in den Vordergrund meiner Gedanken. Deine Wahrnehmung der äußeren Geräusche wurde unterbrochen, damit du dich voll und ganz auf die Aufgabe konzentrieren kannst.

,Welche Aufgabe?, frage ich nach.

Na, das Singen, denn es dient ja auch zu einem Zweck und da bringt es nichts, wenn du dabei nicht völlig von Geräuschen aus dem Konzept gebracht wirst. Ich weiß nicht, was bei so einem Fall passieren würde, aber wir wollen das auch nicht erfahren, vertrau mir.

Nachdenklich ziehe ich mir meine Mütze und den schwarze Schal über und schließe die Tür in der Dunkelheit auf.

Sofort schlägt mir ein kühler Windzug ins Gesicht und ich trete hinaus in meine ungewisse Zukunft.

Nachdem ich die Tür abgeschlossen habe, schmeiße ich meine Tasche auf den Beifahrersitz und starte den Motor. Danach verriegle ich sofort die Türen, denn man kann nie wissen.

Ich schnalle mich an, bevor ich aus der kleinen Stadt rausfahre und meinen Weg nach New York nehme. Der Mond strahlt über mich in der  Höhe und scheint mich auf dem ganzen Weg zu beschützen wollen.

Mit peinlicher Genauigkeit wage ich es nicht die Geschwindigkeitsbegrenzung zu überschreiten um nicht angehalten zu werden. Ansonsten wäre ich am Arsch und die Polizei hier es sich gerne, ohne wirklichen Grund die Leute anzuhalten. Zumindest ist das schon einmal mir passiert, als ich bei einer Freundin im Auto mitgefahren bin und das war nicht wirklich ein Spaß, den ich noch einmal erleben möchte.

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