10. Noch mehr Beine

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Kaum einer war so gut darin, auf Meteors schmutzigen Straßen die Oberhand zu gewinnen, wie Chrollo, Nobunaga und Uvogin.
Zusammen gelangten sie an noch bessere Beute, was ihr Leben einfacher machte. Langsam erfüllte sich, was Chrollo sich von jenem Tag an gewünscht hatte: Kameraden, mit denen er gemeinsam stärker war, als alles andere.
Die Brüder respektierten Chrollo, obwohl sie 3 Jahre älter als er waren, aber sie respektierten seine Fähigkeiten als Anführer. Denn beinahe jeder seiner Pläne ging auf und sie waren besser dran, als bevor sie ihn trafen.

Es war nur ein paar Tage her, als die drei bereits von einem sehr zufriedenstellenden Raubzug zurück zu ihrem Unterschlupf gekehrt waren. Ein stickiges, und etwas unangenehm riechendes Loch, aber genug, um darin vorübergehend zu hausen.
Die Luft war unsäglich heiß, als sie ankamen und ein ein blondes Mädchen, im selben Alter wie Nobunaga und Uvogin, entdeckten. Sie saß in sich zusammengesunken da und schaute, als wäre sie die Verzweiflung selbst, die Hand in Hand mit dem Hass ging.
Als das Mädchen die drei Jungs erblickt hatte, sagte sie mit zittriger Stimme: „Darf ich bei euch mitmachen....? Ich bin Pakunoda.. Ich hab mich da hinten versteckt", sie deutete auf einen Berg aus Müll,  „und euch manchmal reden hören, wenn ihr rauskamt...Ihr wollt doch starke Leute. Ich bin zwar nicht die Stärkste, aber ich weiß, wie man jemanden umbringt... bitte... ich kann nirgends mehr hin... als ich euch gesehen habe, dachte ich, ihr würdet mich vielleicht zu euer Kameradin machen.. Ich will nicht mehr, dass diese Leute mir wehtun..."
Pakunoda weinte nicht, sie hatte sich in den Kopf gesetzt, es nie wieder zu tun. Sie wollte keine Schwäche mehr zeigen.
„Dann erzähl uns mal, was dir passiert ist", forderte Chrollo.

Nachdem sie die Geschichte dieses heruntergekommenen Mädchens gehört hatten, waren sie sich einig, es könne nicht schaden, sie mitzunehmen. Eine Knarre hatte sie ja auch, sogar eine geladene. Und sie schien kein Problem zu haben, diese gegen andere einzusetzen.
Somit sammelte Chrollo ein weiteres Spinnenbein und Pakunoda bekam ein neues zu Hause. Dafür war sie Chrollo unglaublich dankbar.

Etwas anders wurde auch Franklin zu einem der Spinnenbeine. Die vier wurden auf ihn aufmerksam, als er mit seinen Fingerpistolen, die sie wirklich interessant fanden, ein paar Kleinkriminelle bedrohte, um ihr Eigentum an sich zu nehmen.
Je mehr sie waren, desto besser konnten sie sich durchschlagen, das stand fest. Daher versuchten sie den anfangs verwirrten Franklin zu überzeugen, mit ihnen mitzugehen. Er verstand nicht ganz, warum sie sich so darum bemühten, da er in der Schule, in der er kurz war, von den anderen ja verstoßen wurde.
Doch er sah ein, warum sie ihn dabei haben wollten, als sie erzählten, wie sie hier gelandet waren. Jeder von ihnen war verdorben.
Und wenn Franklin schon mal die Chance hatte, Freunde zu finden, denen er, wie sich die nächste Zeit ergeben sollte, wirklich wichtig war, dann ergriff er sie auch. Es fühlte sich gut an, bei ihnen dazuzugehören.

Zu dieser Zeit war Chrollo als Anführer ironischerweise noch der jüngste in der Gruppe. Das sollte sich aber bald ändern.
Seit er Nobunaga und Uvogin gefunden hatte, waren 2 Monate vergangen, und nun wollten sie zum ersten Mal, worüber sich besonders Pakunoda freute, eine wohlhabende, aber nicht sehr einflussreiche Familie ausrauben. Man hätte sie daher später nicht verfolgt.
Eigentlich verlief auch alles nach Plan, die Familienmitglieder hatten sie alle außer Gefecht gesetzt und sich an deren Reichtümern, die im hintersten Teil des Familienanwesens lagen, vergriffen. Sie waren eben stark, damals schon.
Ein solcher Raub konnte aber nicht oft stattfinden, da solche Familien selten zu finden waren. Sie nutzten gerade also nur eine flüchtige Gelegenheit.
Als sie dann das Meiste, was zu finden war, entwendet hatten, und gerade dicht beieinander, um mögliche Alarmsignale nicht zu aktivieren, in Richtung der rostigen Hintertür schlichen, passierte genau das. Die Sirene des Alarms heulte mit einem beißenden Klang auf.
Drei Gestalten liefen auf die Diebe zu.Chrollo und die anderen machten sich kampfbereit. Doch sie bemerkten, dass die drei Gestalten in Wirklichkeit 3 Jungs, so alt wie Chrollo, waren, die auch noch miteinander stritten.
„Maaaan Phinks! Nur weil du noch die Pharaonenfigur aus dem Tresor nehmen musstest, wurde der Alarm ausgelöst! Wenn die was mit der Mafia zu tun haben, haben wir ein Problem!", wurde Phinks von Feitan angschnautzt. „Tut mir leid, dass die cool aussah und ich Pharaonen toll finde", motzte Phinks zurück. „Ich find Töten ja auch verlockend, aber grade war's echt ungünstig!", gab Feitan zurück.
Shalnark fand das ganze wohl lustig und lachte einfach nur. Auf seine süße Weise.

Und erst dann bemerkten sie Chrollo und seine Freunde, welche das Trio fassungslos anstarrten. „Ernsthaft jetzt...", flüsterte Nobunaga leicht wütend, da ihr Plan wegen so etwas zu Nichte gemacht wurde. „Hast du was gesagt?!", fragte Phinks mit einer streitsuchenden Miene, und Nobunaga wollte ihn schon angreifen. Doch beide sahen wie Chrollo einfach nur lachte. Er hatte eben mehr Sinn für Humor.
Bevor noch irgendjemand etwas sagen konnte, tauchten plötzlich die drei Bodyguards der Familie um alle 8 Diebe herum auf, da ja der Alarm aktiviert war.
„Ich bring euch dreckiges Straßenpack um!", schrie einer der Bodyguards mit hasserfüllter Stimme, als diese auf die Diebe losstürmten.
Doch die waren keine ernstzunehmenden Gegner für sie, denn sie waren ja alle nicht ganz normal.
Feitan hielt seine Mordlust nicht länger zurück, ergriff sein Messer und schlitzte einem Bodyguard erst Arme und Beine auf, dann den Kopf ab. Auf seine Art eben Mal wieder. Phinks brach einem anderen Bodyguard das Genick und Chrollo schlitzte den dritten auf. Die Art und Weise, wie er das tat, wurde von seinen Kameraden, inklusive Phinks, Feitan und Shalnark bewundert.
Denn während er das tat, strahlte er eine Aura aus, die, wie manche sagen würden, der des Teufels gleich war. Sie war gefährlich. Und das war genau, weswegen sie Chrollo als Anführer als würdig befanden.
Nobunaga und die anderen kümmerten sich während des Kampfes um das Verfrachten des Diebesgutes und um die durch den Krach erwachten Familienmitglieder, und trotzdem bekamen sie Chrollos unheimliche Aura mit jeder Faser ihrer Körper zu spüren.

Als sie ihre Arbeit sauber erledigt hatten,
sammelten sich die 8 Diebe draußen, auf dem alten Hinterhof des Gebäudes.
Und auf einmal machte es bei Chrollo *Klick*.
Ihm fiel auf, dass er Feitan doch eigentlich kannte...
„Moment Mal, bist du nicht der, der mich damals gerettet hat?! Du weißt schon, vor den Typen in der Gasse!", sprach Chrollo ihn aufgeregt an. „Ah die, die ich nen Kopf kürzer gemacht hab? Lange ists her", erinnerte sich Feitan, während sich auf seinem Mund ein  böses Grinsen breitmachte. „Mittlerweile sollten dich die Leute wohl auch fürchten."
„Aber hast du nicht eigentlich deine Fingernägel mit Nen zu Krallen geformt, wenn ich mich richtig erinnere? Warum benutzt du dann jetzt ein Messer?", fragte Chrollo neugierig.
„hmm", überlegte Feitan, „stimmt schon, aber fühlt sich irgendwie unangenehm in den Fingerspitzen an. Mit nem Messer kann ich ja auch Köpfe rollen lassen." Er lachte, Chrollo tat es ihm gleich.
Die anderen wirkten verblüfft, wussten aber längst, was Chrollo vorhatte. Er hatte Phinks und Feitan kämpfen gesehen. Sie kämpften gut. Shalnark genauso.
Also bot er ihnen an, ihm zu folgen und Spinnenbeine zu werden. Immerhin hatten sie schon Seite an Seite einen Kampf bestritten.
Und das Trio war überzeugt von Chrollo. Seine Aura allein sagte alles. Außerdem war er der geborene Anführer, wie ihnen erzählt wurde.
Und jeder einzelne der 8 Diebe, auch Nobunaga, der anfangs Phinks und Feitan nicht abkonnte, wusste, gemeinsam waren sie besser dran. „Solange du uns nicht zu sehr herumkommandierst", willigten Shalnark, Phinks und Feitan, sicher, noch mehr Gleichgesinnte gefunden zu haben, ein, besonders, nach dem kurz darauf jeder von seiner Vergangenheit erzählte. Endlich, mit diesen Freunden könnten sie sich aus dem Dreck herauskämpfen.

Schon bald wuchs die Kameradschaft innerhalb der Spinne, auch die drei Neuen fanden schnell Anschluss. Die Spinne war wie ein zu Hause für all die Verkommenen, die keinen anderen Ort hatten, nicht in die Gesellschaft passten und ein tiefschwarz  gefärbtes Herz hatten. Jeder akzeptierte hier jeden.
Die Außenwelt wäre niemals Kindern aus Meteor wie ihnen zu Hilfe gekommen, da sie alle noch Etwas gemeinsam hatten: Keine Identität.

Und falls ihr euch fragt, warum sie auf der Müllhalde nicht einfach nahmen, was sie brauchten, dann hat diese Frage die simple Antwort: Sie würden sich dort auseinander leben, schwächer werden und mit hoher Wahrscheinlichkeit auf irgendeine Art und Weise in die Fänge der Mafia geraten. Und mit der waren sie ja sowieso alle schon verfeindet.

A Story about ThievesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt