Es war jetzt schon wieder etwas her, dass Kurapika sich Pakunoda geschnappt und in der Höhle in den Bergen versteckt hatte. Machen wir doch mal einen Zeitsprung zurück, und sehen uns an, wie das Verhör denn so verlaufen ist.
„So, und was jetzt? Inwiefern soll ich dir bitte nützlich sein?", fragte Pakunoda, entschlossen, keine seiner Fragen zu beantworten.
Kurapika hatte sie gerade in die dunkle, tropfende Höhle gebracht, in der er dann alles von ihr wissen wollte. Dort hatte er sie mit den Handgelenken an eine der Wände gekettet, mit seinen Nen-Ketten, natürlich.
„Na du wirst mir jetzt alles erzählen, was ich über euch wissen muss", antwortete Kurapika, es klang, als wäre es ein Befehl gewesen.
„Und was wenn nicht?", fragte Pakunoda bloß.
„Dann stirbst du eben. Aber langsam. Es wird wehtun, glaub mir", drohte der Kettennutzer mit gefährlichem Blick.
„Immernoch besser, als meine Kameraden zu verraten. Außerdem, du glaubst doch wohl nicht ernsthaft, dass du gut genug foltern kannst? Glaub mir, ich kenne da jemandem, der könnte damit ein Vermögen verdienen", meinte Pakunoda widerwillig.
„Das werden wir ja sehen, Spinne", zischte Kurapika.
Er musste die Spinnen wirklich abgrundtief hassen, dachte Pakunoda.
„Dann fangen wir mal an", sagte Kurapika und begann, Pakunoda seine Fragen zu stellen:
„Wo ist euer Danchou gerade?"
„Tch, als ob ich das genau weiß. Wir Spinnen bleiben nicht immer an einem Ort", antwortete Pakunoda kühl. Ihre sonst so nette, eher warme Seite, die sie meistens von den anderen unterschieden hatte, war wie in Luft aufgelöst.
Sie schaute einfach nur noch böse. Ihre Stimme klang böse.
„Dann sag mir, was du alles weißt", forderte der genervte Kurapika.
Pakunoda schwieg. Sie dachte gerade nur daran, dass sie diejenige gewesen war, die diesen Typen hatte laufen gelassen. Und dabei hatte sie damals noch gedacht, dass er doch sowieso nichts anrichten könnte.
‚Warum hab ich ihn nicht getötet?'
‚Warum hab ich bloß gezögert?'
‚Warum war ich damals für einen kurzen Moment gnädig?'
Diese Fragen irrten in ihrem Kopf herum, andauernd, es nahm kein Ende.
Sie konnte nicht aufhören, sich selbst dafür zu hasse , dass sie jetzt einen sehr gefährlichen Feind mehr hatten.
Sie hatte die gesamte Truppe in Gefahr gebracht. Wie würde wohl der Danchou reagieren, wenn er das wüsste? Ob er sie rauswerfen würde? Wahrscheinlich eher nicht, aber darüber konnte sie jetzt nicht nachdenken.
Kurapika fragte sie nocheinmal, was sie alles genau wusste. „Antworte mir endlich!", knurrte er.
„Niemals!", gab Pakunoda zurück.
Sie würde die Truppe nicht verraten. Vor allem nicht nach dem, was sie da angerichtet hatte.
Kurapika verpasste ihr einen harten Schlag ins Gesicht. Er sah ein Wenig aus, als wollte er das gar nicht, aber sein ganzer Hass verbarg das gleich wieder.
Pakunoda lief Blut aus der Nase, und von der Stirn. Doch sie sagte immernoch nichts. Wenn er das Folter nannte, hatte er wirklich noch einiges zu lernen.
Doch dann hörte Kurapika auf einmal mit der Befragung auf. Nobunaga und Uvogin waren da, machten den Deal und der Kampf entbrannte.
Pakunoda konnte leider nichts vom Kampf sehen, sie konnte nur mit aller Kraft hoffen, dass Uvogin es schaffte. Doch sie glaubte an ihn. Ihre Hoffnung kam zurück. Vielleicht könnte ihr Fehler von damals ja wieder gut gemacht werden.
Sie versuchte so zuversichtlich zu sein, wie sie nur konnte.
Es sollte aber einfach nicht so sein. Kurapika kam zurück, blutüberströmt, und erzählte von Uvogins Tod. Und damit sie ihm auch wirklich glaubte, ließ Kurapika sich kurz von ihr berühren, damit sie seine Erinnerungen sah.
Er hatte Recht.
Und ab diesem Moment ging alles bergab.
Ihre Hoffnung wurde binnen Sekunden zerstört. Es war ein Alptraum.
‚Uvogin ist tot. Uvogin ist tot. Uvogin ist tot.'
Die Gedanken in ihrem Kopf hörten nicht auf, diese Worte zu schreien.
‚Uvogin ist tot. Nur wegen dir. Weil du nicht den Mut hattest, diesen Jungen zu töten. Es ist alles deine Schuld', hallte es durch ihren Kopf.
Es machte sie wahnsinnig. Diese Schuldgefühle.
Sie klangen in ihrem Kopf wie schrille Töne, die ihre Ohren zum Bluten hätten bringen können.
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A Story about Thieves
FanfictionSie sind die Bösen. Verbrecher. Diebe. Mörder. Nennt sie wie ihr wollt. Aber warum sind sie die Bösen, warum tun sie, was sie tun? Vergesst niemals, auch die Bösen gehen auf Abenteuer. Auch die Bösen wissen, was Kameraden wert sind. Und sie sind unb...
