39. Show-Diebstahl

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„Ob dieser Blonde was mit dem Typen vom Armdrücken zu tun hat?", fragte Machi, nachdem Chrollo von dem Typen erzählt hatte, dem er vorhin begegnet war. Die Spinnen waren gerade dabei, den Tresor, den Chrollo den Mafia-Leuten entrissen hatte, leerzuräumen, um die wertvollen Sachen, die da drin waren, dann in ihr Versteck zu bringen. Das andere Zeug von der Auktion hatten sie bereits abgelagert.
„Kann durchaus sein. Wenn die beide so ne starke Aura hatten, könnten sie vielleicht zusammen gehören", antwortete Chrollo nachdenklich.
„Wer weiß, vielleicht jagen sie uns ja", lachte Hisoka auf seine geheimnisvolle Weise.
„Wenn das so ist, und sie zur Mafia gehören, müssen wir vorsichtiger sein. Ihr wisst, wie groß die Southernpiece-Auktion ist. Und ihr dürft auf gar keinen Fall vom Plan abweichen, bei den nächsten paar Auktionen", forderte Chrollo. Er klang ernst. Die anderen nickten. „Aber sicher doch, Danchou", meinte Hisoka.

Sie hatten das ganze Zeug in ihrem Versteck also sicher verstaut und hatten jetzt wieder etwas Zeit, bis zur Southernpiece-Untergrundauktion am Abend des nächsten Tages, den 2. September.
„Ich hab den Joker gezogen....", murmelte Shalnark vor sich hin, als er seine Karten betrachtete. Machi, Shizuku, Kortopi, Franklin und er vertrieben sich die Zeit eben mit Kartenspielen. Er schaute auf und rief: „Feitan, willst du sicher nicht auch mitmachen? Wir haben ja jetzt viel Zeit."
„Keine Lust", meinte Feitan bloß und widmete sich Phinks. „Hast du auch so ein komisches Gefühl?", fragte er diesen. Phinks antwortete: „Eindeutig. Obwohl ich nicht Machi bin." Dabei lachte er ein bisschen. Der Raub war zwar nicht so herausfordernd, wie damals in der Pyramide, aber ein seltsames, nichts Gutes verheißendes Gefühl wollte einfach nicht aufhören, die Spinnen zu plagen. Kein Gefühl von Angst, aber eins, das beunruhigend war. Und es stachelte Feitans Mordlust an.
„Ach scheiß drauf. Bevor noch irgendwas in den nächsten Tagen passiert, spiel ich doch mal mit", änderte Feitan seine Meinung, als er seine Mordlust wieder in den Griff bekam. Er setzte sich neben Shalnark. „Endlich", lachte dieser.
„Jap, aber ich werde gewinnen", grinste Feitan.
„Ach ja, Franklin, lass uns nachher ne Münze werfen, wer morgen bei der Auktion den Sensenmann spielen darf", fügte er hinzu.

Stunden vergingen, viele Stunden, in denen die Spinnen sich irgendwie die Zeit vertrieben hatten, mit Kartenspielen, oder kleinen Diebstählen und Betrügereien, bis dann endlich der Abend des 2. Septembers, der Southernpiece-Auktion gekommen war.
Chrollo schlich wieder zum Tresor. Doch er musste feststellen, dass der Tresor dieses Mal von etwa doppelt so vielen Mafia-Soldaten bewacht wurde. Nur weil die von gestern Nacht spurlos verschwunden waren? Shizuku hatte sie ja alle aufgesaugt. Und die gestohlenen Dinge hatte Kortopi durch Kopien ersetzt. Es war also eher unwahrscheinlich, dass die Mafia-Leute glaubten, dass es Feinde gab. Warum wurde der Tresor dann auf einmal so stark bewacht?
Chrollo fand darauf keine Antwort und widmete sich erst einmal dem Raub. Auch die doppelte Menge an Mafia-Soldaten stellte für ihn kein Problem da, nur ein paar lästige Bewegungen mehr.
Als er alle erledigt hatte, stellte er sich vor den Tresor, um ihn zu öffnen. Wieder war etwas anders, als es gestern gewesen war. Er war noch viel sicherer verriegelt. Allmählich machten Chrollo diese Veränderungen stutzig, doch keine der Zahlenkombinationen hielt ihn auf. Entweder knackte er sie, oder er knackte direkt eine Tresortür mit seinem Nen, es gab nämlich mehrere Schichten dieser Türen. Gestern war es nur eine gewesen.
Als würde jemand wissen, was sie taten, und sie irgendwie aufhalten wollen. ,Uns kann man aber nicht aufhalten', dachte Chrollo, leicht verärgert.
Er rückte die Krawatte seines Anzugs zurecht, fuhr sich durch die strubbeligen Haare und trat kräftig die letzte Tresortür ein. Seine Mission war erst einmal erledigt. Wie gesagt, man konnte sie nicht aufhalten.

„Guten Abend, meine Damen und Herren", sagte der Auktionator und versuchte dabei, so edel wie nur möglich zu klingen. Diesmal war es keiner aus der Truppe, sondern einfach nur irgendein zufälliger Auktionator.
Die Menge war an diesem Tag noch unruhiger als am Vorabend. Der Auktionator versuchte also, sie zu beruhigen: „Es ist alles in Ordnung, Leute. Die Halle ist komplett abgesichert, draußen und drinnen. Für das gestrige Verschwinden der Leute muss es eine Erklärung geben."
„Und was, wenn sie alle entführt wurden? Oder ermordert?!", brüllte Einer aus den hinteren Reihen der Tribüne.
„Wer sollte denn in der Lage sein, so viele Menschen auf einmal verschwinden zu lassen?", fragte der Auktionator gelassen.
Es hatte seit gestern Abend schon die Runden gemacht, dass alle Leute aus dem Auktionssaal einfach verschwunden waren. Die Mafia fand das natürlich verdächtig, und rief Einiges an Verstärkung dazu, aber das eigentlich nur für die Auktion selbst, also war das mit dem Tresor immer noch nicht geklärt.
„Sie wissen genau, wer dazu Imstande wäre! Die, die wir am Meisten hassen...!" rief der Typ aus den hinteren Reihen zurück.
„Beruhigen sie sich doch. Wieso sollten die hier sein? Wieso sollten die von der Auktion hier wissen? Selbst wenn, der Saal ist abgesichert wie eine Militärbasis", antwortete der Auktionator.
Langsam legte sich die Spannung im Publikum. Mit der Antwort schienen sie sich zufrieden zu geben.

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