15. Indoor-Fish

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Machen wir einen Schritt zurück in der Zeit. Keinen großen Schritt, nur etwa 20 Minuten. Einen Schritt zu dem Zeitpunkt, an dem die Phantom-Truppe sich  in 2 Gruppen geteilt und gerade die beiden Gänge gestürmt hatte.
Der Gang, den Chrollos Gruppe betreten hatte, war wie erwartet ebenso vollgestellt mit Mafia-Soldaten.
„Was fällt euch ein?!" hörten sie die Männer schreien. „Was uns einfällt?" fragte Phinks zurück. Er beantwortete seine Frage selbst: „Naja also... Eigentlich wollen wir uns ja nur für das, was ihr getan habt, revanchieren.. Wegen euch gings einigen von uns nämlich ziemlich scheiße. Aber wenn wir schon mal dabei sind, kann ich meine neuen Fähigkeiten auch gleich mal testen.. Hehehe."
Chrollo und die anderen ließen Phinks den Vortritt. Er fing an, seinen Arm zu kurbeln. „Ihr seid doch noch schlimmer als wir!" schrien die Soldaten.
„Mag sein. Aber wir sind stärker. Für euch muss ich nämlich.. lasst mich rechnen.. Genau! Bei euch reicht es, meinen Arm 2 Mal zu kurbeln!" antwortete Phinks und tat, wie er gesagt hatte.
Als er mit dem Kurbeln fertig war, umgab seine Faust ein grelles Leuchten, und mit dieser kraftvollen Faust zerschmetterte er die einzelnen Soldaten, ohne Ausmahme.
Und verdammt schnell.
„Je mehr ich meinen Arm kurble, desto stärker wird mein Schlag! Das Nen-Training war also ziemlich produktiv!", rief er. „Wobei ich euch auch ohne Nen hätte umbringen können."

Die Gruppe bewegte sich weiter durch den Gang, bis sie in die Nähe des Büros des Mafia-Vorsitzenden aus Meteor kamen. Ihre Aufgabe bestand darin, diesen auszuschalten, während die andere Gruppe den Tresor leerräumen sollte.
Aber was auch sonst, vor diesem Büro befand sich eine ganze Horde von Soldaten. Die Gruppe stürmte auf sie zu.
Nobunaga zog ein rostiges Schwert aus der an seinem Gürtel befestigten Schwertscheide, aktivierte sein Nen und erledigte einen großen Haufen der Soldaten. Die Art, wie er sein Schwert dabei führte, war wirklich elegant. Und niemand, der ihm zu Nahe trat, überlebte es.
„Fei, lass uns wetten, wer mehr von denen umbringt!", rief Phinks aufgeregt, was den Mafia-Soldaten einen wahrlichen Angstschub verpasste.
„Geht klar", antwortete Feitan kühl, und zog einen dunkelroten Regenschirm unter seiner langen, schwarzen Kleidung hervor.
„Ein Regenschirm? Das ist ja süß! Und noch dazu bist du so klein! Was will ein kleiner Junge mit einem Regenschirm denn ausrichten?", spotteten Soldaten in Feitans Nähe.
„Die finden auch, dass du ziemlich klein bist, Fei! Hattest eben nie nen richtigen Wachstumsschub!" rief Phinks Feitan zu und lachte los. „Halt die Klappe!" rief dieser zurück, aber lächelte dabei auch ein Wenig.
Er öffnete den Regeschirm. Und zum Entsetzen der Soldaten entpuppte sich der Regenschirm als ein dünnes, aber ziemlich scharfes Schwert.
Feitan schien der Schnellste in der Gruppe, denn, ähnlich wie mit seinen Krallen, dauerte es bloß Millisekunden, bis er die ca 30 Soldaten um ihn herum geköpft hatte.
„Ich hätte sie eigentlich gerne noch gequält", murmelte Feitan niedergeschlagen. Seine Mordlust war noch bei den restlichen Soldaten zu spüren. „Passt auf, macht Feitan lieber nicht wütend, sonst setzt er noch sein Pain Packer ein, und dann sind wir alle tot!", versuchte Phinks den Soldaten Angst einzujagen, erfolgreich.
„Pain Packer ist viel zu viel für die.. Selbst wenn ich wütend bin", antwortete Feitan mit einem düsterem Grinsen. Er und Phinks erledigten den Rest der Soldaten.

Machi und Chrollo waren währenddessen etwas weiter zur Tür des Vorsitzendenraumes vorgestoßen. Machi aktivierte ihr Nen und wandelte es in Fäden um, welche stark genug waren, die Soldaten wie Marionetten zu halten, um sich gegenseitig zu erledigen.
Außerdem waren diese Nen-Fäden so scharf, dass sie den Männern auch ganz einfach die Kehle durchschneiden konnten.
Chrollo übernahm Soldaten aus einer anderen Richtung. Er brauchte nicht mal sein Messer zu benutzen, denn die Wucht seiner Schläge genügte. Man könnte sagen, er beherrschte das Nen am allerbesten aus der Phantomtruppe. Er führte seine düstere, unermessliche Aura wie ein Künstler seinen Pinsel.
„Wow.. Du bist echt kaum wiederzuerkennen, Danchou... Du bist noch viel stärker als damals", meinte Machi mit beeindruckter Miene, und Machi ließ sich wirklich selten beeindrucken. Chrollo dankte ihr und lächelte sie an.
Doch im selben Moment erschien hinter Machi ein länglicher, knöcherner, riesiger Fisch.
Machi bemerkte ihn etwas spät, erst kurz bevor der Fisch ihr ein Stück ihrer Haut an ihrem Arm weggebissen hatte. Es wäre wohl der ganze Arm gewesen, hätte sie nicht solch bemerkenswerte Reflexe.
„Du solltest besser aufpassen", lachte Chrollo. Musste Chrollo sie dafür wirklich ärgern?
Wobei, sie hätte es genauso getan. Machi wich zu ihm zurück.
Vor ihnen schwammen zwei dieser großen Knochenfische umher. Und zwischen diesen stand der Vorsitzende der Meteor-Mafia.
„Der ist stärker als die anderen. Aber seine Fähigkeit gefällt mir", sagte er zu Machi und den anderen, die gerade wieder zu den beiden aufgeschlossen hatten.
Der wütende Vorsitzende ließ die beiden Fische auf die Gruppe los, doch die Diebe waren zu schnell, um sich von den Fischen anknabbern zu lassen.
„Was ist das für eine Fähigkeit?" fragte Chrollo den Vorsitzenden gut gelaunt.
„Diese Fähigkeit nennt man Indoor Fish. Sie bestehen aus Nen, fressen menschliches Fleisch und verschwinden erst, wenn der Raum, in dem sie sich befinden, nicht mehr geschlossen ist. Ach ja, man stirbt oder blutet nicht, noch hat man Schmerzen, wenn man durch ihn verletzt wird, erst dann, wenn der Indoor Fish verschwindet. Das Lachen wird dir also bald vergehen" erklärte der Vorsitzende siegessicher.
Da bemerkte auch Machi, dass aus der Wunde an ihrem Arm kein Blut tropfte. Die Ränder leuchteten nur weiß, genau wie der Fisch.
„Ich bring euch um! Ihr könnt hier nicht einfach rein und ein Massaker anrichten!", schrie der Vorsitzende.
Die Mitglieder der Truppe wussten genau, was Chrollo vorhatte. Endlich würde sein Buch zum Einsatz kommen.
Furchtlos wich Chrollo den Fischen aus und trat auf den Vorsitzenden zu, der es doch langsam mit der Angst zu tun bekam. Sein Lächeln verging also. Chrollo ergriff das Handgelenk des Vorsitzenden, der nicht einmal versucht hatte, auszuweichen, nachdem er gesehen hatte, wie Chrollo seine Fische einfach mit einem Messer abwehrte.
„Warte was..", stammelte er.
Chrollo hörte ihm nicht zu und presste die Handfläche des Vorsitzenden auf sein Buch. „Was ist das für ein Teufelsbuch?!", schrie dieser verzweifelt, kurz bevor Chrollo dessen Handfläche vom Buch löste und ihn gnadenlos zur Strecke brachte.
„Der sah doch nur stärker aus als er war", sagte Chrollo lässig zu seinen Kameraden, die sichtlich stolz auf ihn waren. „Das ist unser Anführer", jubelte Phinks. „Ich werde die Fähigkeit besser nutzen", fügte Chrollo hinzu. Und damit hatte er mit seinem Buch die erste Fähigkeit gestohlen. Denn dazu war das Buch da. Das hatte er in den 3 Jahren gelernt, und gelernt, es anzuwenden. Er war sogar stark genug, die Fähigkeit nach dem Tod des Vorsitzenden zu behalten, eigentlich hätte er sie verlieren müssen.

Auf dem Weg zurück zum Tresorraum riss Chrollo ein Stück aus seinem weißen Shirt, welches noch nicht ganz so zerfleddert war, wie seine restlichen Kleider. Die Kleider der anderen Gruppenmitglieder waren genauso heruntergekommen, sie lebten ja auch in Meteor City.
Chrollo nahm das Stück und wickelte es sorgfältig um Machis Verletzung. „Ich könnte das auch mit meinen Fäden heilen", sagte sie, doch Chrollo erwiderte: „Musst du nicht. Außerdem will ich, dass es meinen Kameraden gut geht."
Er blickte noch einmal in ihre tiefblauen Augen, bevor sie zum Tresorraum kamen.
Davor stand auch schon die andere Gruppe bereit. Sie raubten den Tresor dann eben doch alle gemeinsam aus. Es war leicht, die tonnenschwere Tür zu öffnen, sie waren ja auch nicht nur irgendwelche Diebe. Sie waren die Phantomtruppe.
Aus dem Tresorraum nahmen sie alles, was für sie wertvoll war. Geld, teure Sachen und frische Kleider. Der Raum war reichlich gefüllt.
Der erste große Raubzug. Und sie badeten beinahe in Gold.

Zufrieden machten sie sich mit all ihrem Diebesgut auf die Suche nach Nummer 4. Er war nämlich noch nicht zurückgekehrt, seit er der Quelle der gewaltigen Aura auf den Grund gegangen war.
Sie kamen zu einem einzigen Raum, der am Ende des Ganges, aus dem die Aura gekommen war, lag. Doch was sie dort erwartete, hätten sie sich nicht einmal erträumt.
Es war grauenvoll. Ein verdammter Rückschlag. Ein Verlust.
Es stank schon am Eingang nach Blut. Sie betraten den Raum und fanden Nummer 4. Er war tot.
Seine Leiche lehnte an der Wand. Seine Kehle war senkrecht aufgeschlitzt, und diese Wunde zog sich noch über seinen gesamten Bauch. Überallhin war sein Blut verspritzt.
Keiner von ihnen sagte etwas.
Für sie war die Brutalität kein schlimmer Anblick, aber die Tatsache, einen teuren Kameraden verloren zu haben, erschütterte sie. Sie waren wütend. Sie alle.
In der Ecke saß eine zusammengekauerte Putzfrau. Sie hatte sich wahrscheinlich schon mehrere Male, aufgrund dessen, was sie gesehen hatte, übergeben, und war starr vor Angst.
Pakunoda legte ihre Hand auf ihre Schulter.
„Sie weiß nichts. Als sie hier reinkam, war Nummer 4 bereits tot. Den Mörder hat sie auch nicht gesehen", sagte Pakunoda irgendwann leise.
Das war ihre Fähigkeit, durch Berührung die unveränderbaren Erinnerungen einer Person ansehen zu können.
„Verstehe", murmelte Chrollo.
Von der gewaltigen Aura blieb keine Spur.
Wo war der Täter?
„Ich hätte ihn begleiten sollen", warf sich Uvogin vor, doch das führte jetzt zu nichts mehr.

Niedergeschlagen verließ die Gruppe den Mafia-Stützpunkt. Sie hatten, was sie wollten, aber hatten einen hohen Preis gezahlt. Doch das hielt sie nicht ab, ihre Pläne fortzuführen. Nein, es spornte sie sogar noch dazu an.
„Lasst uns jetzt diese Drecksstadt verlassen, und die Welt das Fürchten lehren. Solange die Truppe bestehen bleibt, ist alles gut", sagte Chrollo entschlossen, auch wenn ihn der Verlust belastete.
Sie verdrängten ihre Gedanken an Nummer 4 und stimmten Chrollo zu.
Unter neuer Motivation machten sich die Diebe auf den Weg an die Spitze.

A Story about ThievesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt