Chrollo hatte das Hotel verlassen. Ihm dröhnte der Kopf. Hatte es gerade wirklich etwas gebracht, Neon Nostrade zu ermorden?
Naja, er hatte das irgendwie gebraucht. Um wieder größtenteils zu Verstand zu kommen. Außerdem, alles was jetzt zählte, war, wo sich Hisoka aufhielt. Würde Chrollo ihn nicht besiegen, würde er seinen Verstand niemals mehr vollständig zurückerlangen.
Hisoka musste büßen.
Chrollo stapfte durch die Straßen, mit den Händen in den Manteltaschen.
Er sah Leichen und Bewusstlose, aber viel zu viele.
Besiegte Mafia-Soldaten.
Chrollo runzelte die Stirn. Hier auf den Straßen musste die Hölle los gewesen sein.
Er lief weiter. Auch durch die Gassen.
Irgendwann blieb er wie angewurzelt stehen.
In einer dunklen, schimmligen Gasse mit einer einzigen Wäscheleine, die die beiden Hauswände, die diese Gasse bildeten, verband, und mit einem ekelerregenden Geruch.
Chrollo blickte auf den Boden.
Er sah Blut. Er sah die Leichen seiner Freunde, Franklin und Bonolenov.
Noch mehr Wut stieg in ihm auf. Wut auf sich selbst.
Während er in diesem Hotel fast grundlos ein Massaker angerichtet hatte, hätten seine Freunde Hilfe gebraucht.
Klar war diese Mission ein Kampf auf Leben und Tod, aber retten hätte er sie trotzdem können.
Mit einem leeren, aber dennoch völlig gefährlichen Blick verließ er die Gasse.
Er suchte weiter nach Hisoka.
Irgendwo musste er ja sein.
Chrollo machte sich auf, in Richtung der Berge. Vielleicht war Hisoka ja dort.
Doch er musste feststellen, dass das hier Nobunagas Bühne gewesen war. Und diesen fand er da liegen, leblos im Sand.
Chrollo ging es noch schlechter. Seine Augen wurden noch leerer.
Moment, leblos?
Chrollo schlenderte mit schweren Schritten über den sandigen, staubigen Boden, hin zu Nobunaga.
Dieser öffnete die Augen, aber mit größter Mühe.
Es schien wohl noch ein Fünkchen Leben in ihm zu stecken.
„Danchou....", grinste er, „ich hab den... Kettennutzer besiegt..."
Chrollo drehte den Kopf in eine Richtung, in die Nobunaga zu deuten versuchte.
Kurapika lag noch lebloser im Sand.
Er war längst tot.
Es erleichterte Chrollo ein Wenig.
Aber nur ein Wenig.
Er setzte sich auf den Boden und wendete sich wieder zu Nobunaga.
„Franklin und Bonolenov sind tot....", meinte Chrollo ganz direkt heraus, starrend in den dunklen Sand.
„Dann musst du Hisoka ganz schnell finden, Danchou... lass ihn nicht damit davonkommen....", brachte Nobunaga heraus.
„Ich suche nach ihm. Die ganze Zeit schon. Aber ich habe diese Zeit auch verschwendet... Anstatt Franklin und Bonolenov zu retten...", erklärte Chrollo und richtete den Blick gen Himmel, „Sag mal, Nobunaga, denkst du, ich habe als Anführer versagt?"
Stille.
Irgend qnn lächelte Nobunaga.
„Unsere Lebensweise ist doch, zu tun was wir wollen, nicht wahr...? Und du hast getan, was du wolltest, auch wenn es vielleicht nicht richtig war... Aber sag mir, warum solltest du versagt haben...?", meinte Nobunaga und musste husten, „Selbst wenn du versagt haben solltest, keiner hätte es besser gemacht, als du..."
Er hustete weiter, stärker, mit Blut.
„Übernimm dich nicht", sagte Chrollo und hielt Nobunaga fest.
„Es ist doch sowieso gleich vorbei...", keuchte er.
Chrollo krallte die Finger in den Sand.
Er wusste längst, dass es für Nobunaga keine Rettung mehr gab, aber er wollte es einfach nicht wahrhaben.
„Danchou... weißt du eigentlich, was mit Phinks, Shizuku und Feitan passiert ist? Ob es sie auch erwischt hat? Illumi und Hisoka laufen da draußen ja noch herum...", fragte Nobunaga nach.
„Ich habe sie noch nicht gesehen, aber ich glaube, sie waren ganz nach Süden gerannt. Ich versuche es später herauszufinden", antwortete Chrollo nachdenklich.
Eine angenehme, kühle Brise zog durch die Berge, und striff sanft an Nobunaga und Chrollo vorbei.
„Nobunaga", fing Chrollo an.
„Ja?", kam es zurück.
„Was denkst du, warum war das Schicksal so falsch? Warum haben die Verse gelogen?", stellte Chrollo seine Frage.
Nobunaga dachte nach, mit einem kleinen Lächeln, und meinte dann: „Wer weiß... Vielleicht wollte es das Schicksal einfach so, dass die Verse falsch sind... Vielleicht sollten wir ja alle unsere gerechten Strafen kriegen, für alles, was wir getan haben. Für mich fühlt es sich hier zumindest an, wie meine Strafe.. Wenigstens konnte ich noch meine Pflicht erledigen...Also Danchou...Chrollo....ich will, dass du weißt, dass ich zufrieden sterbe. Ich durfte Rache nehmen. Dafür bin ich dankbar. Und ich bin dir dankbar. Für alle diese Jahre. Für alles, was wir erlebt haben. Dafür, dass wir Freunde sind. Wir bleiben doch immer Freunde, nicht wahr?"
Er hustete.
Chrollo lächelte jetzt auch ein Wenig.
Endlich mal wieder.
„Wir bleiben immer Freunde", versprach er.
Nobunaga hustete noch mehr.
Es war an der Zeit.
„Ich kümmere mich um ihn. Ich verspreche es. Die Phantomtruppe wird nicht sterben. Und wenn ich am Ende alleine bin", gab Chrollo ein zweites Versprechen.
„Dann ist ja gut. Weißt du, obwohl das hier meine Strafe war, bereue ich keine einzige Sekunde meines Lebens. Ich würde dir auch jetzt noch bis ans Ende der Welt folgen", meinte Nobunaga zufrieden.
Chrollo erhob sich. Vielleicht lächelte er. Vielleicht auch nicht.
Nobunaga wollte unter diesem schwarz-blauen, aber leuchtenden Sternenhimmel sterben.
Also stand Chrollo auf und ging.
Nach ein paar Schritten hörte er Nobunags Stimme ein letztes Mal: „Ich weiß, du hast sie geliebt. Mehr, als er es jemals könnte. Also räche sie und uns alle.... Sayounara."
Chrollo lächelte, ließ winzige Tränen zu.
„Ja. Sayounara", verabschiedete er sich.
Nobunaga sagte nun nichts mehr.
„Ruhe in Frieden", flüsterte Chrollo, als er ging.
„Und du auch", als er Pakunodas Leiche in der Höhle hängen sah.
Warum war es Chrollo nie aufgefallen? Das riesige Penthouse in der Nähe der Berge.
Kein Licht erleuchtete es, weder von Innen, noch von Außen.
Wahrscheinlich war dort nicht einmal jemand mehr drin.
Wahrscheinlich hatte man die Menschen verjagt oder evakuiert.
Die perfekte Basis für Hisoka.
Chrollo steuerte dieses Penthouse direkt an.
Unten angekommen, trat er die Glastüren ein.
Er spürte sie sofort, als er drinnen war.
Hisokas Aura.
Doch sie musste von einem der obersten Stockwerke kommen.
Geduldig stieg Chrollo also die Treppen hinauf, Stufe für Stufe, stets hundertprozentig wachsam.
Seine Aura verbarg er aber nicht.
Hisoka tat es ja auch nicht.
Es sollte ein ebenbürtiger Kampf werden.
Ein Kampf der alles entscheiden würde.
Chrollo lief weiter, so geduldig, dass er keine Stufe übersprang.
Immer der Aura nach.
Und irgendwann kam er an.
Im obersten Stockwerk dieses Penthouses.
Die Luft war frisch, eines der riesigen Fenster stand offen. Chrollo stand direkt davor.
Es war, als würden das Mondlicht und die Dunkelheit der Nacht zugleich durch das Fenster einfallen.
Der Boden war schön glatt, und die Wände total sauber, kein bisschen Schimmel war da.
„Wie gefällt es dir in meinem kleinen Versteck?", hörte Chrollo auf einmal Hisokas Stimme.
Dieser saß auf einer Couch, die viele Meter gegenüber von Chrollo stand, unter einem kleineren Fenster.
Und obendrüber hing noch etwas.
Chrollo sah genauer hin.
Machi hing da.
Ihre Leiche.
Hisoka saß da, wie der König selbst, und blickte auf Chrollo herab.
Dieser meinte auf einmal: „Ich finde es hier gar nicht mal schlecht. Nur hast du einen schlechten Geschmack, wenn es darum geht, deine Wand zu dekorieren." Chrollo blickte wütend in Richtung Machi.
Sie hing da. Und doch war sie wunderschön.
„Ach wirklich? Ich dachte, du fändest es ganz hübsch. Aber naja. Auf diesen Kampf habe ich mich schon seit Ewigkeiten gefreut!", lachte Hisoka, und sprang von seiner Couch auf.
„Ich freue mich genauso", meinte Chrollo mit einem düsteren, gruseligen Blick.
Der Danchou der Gen'ei Ryodan und der Horrorclown der Mafia standen sich gegenüber.
Dieser finale Kampf würde wohl über Leben und Tod hinausgehen.
Wer sollte gewinnen?
Die Phantomtruppe, oder die Mafia?
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A Story about Thieves
FanfictionSie sind die Bösen. Verbrecher. Diebe. Mörder. Nennt sie wie ihr wollt. Aber warum sind sie die Bösen, warum tun sie, was sie tun? Vergesst niemals, auch die Bösen gehen auf Abenteuer. Auch die Bösen wissen, was Kameraden wert sind. Und sie sind unb...
