41. Hohe Gebote

52 6 1
                                        

Als Machi Chrollos skeptischen Blick sah, realisierte sie, dass nicht nur eine Problemperson im Publikum saß. Der Blonde da musste derjenige sein, von dem Chrollo erzählt hatte. Waren er und der Schwarzhaarige einfach nur irgendwelche Nen-Nutzer der Mafia, oder gab es einen besonderen Grund, dass sie ausgerechnet eine Auktion besuchen mussten, auf der die Spinnen waren? Vielleicht war es auch nur Zufall. Bestimmt war es nur Zufall.
Leute wie sie konnten die Spinnen gerade überhaupt nicht gebrauchen.
Und wenn es ganz schlimm kam, waren es sogar drei Problempersonen, wenn Hisoka wieder vom Plan abweichen sollte, nur um sich zu belustigen.

Nobunaga nickte Machi zu, um ihr zu symbolisieren, dass auch er Chrollos Blick verstanden hatte. Doch ihm war unwohl dabei, die Auktion unter solchen Umständen zu leiten. Würden sie zu früh enttarnt werden, würde die Mafia Nen-Verstärkung aus dem ganzen Kontinent herbeirufen. Die Phantomtruppe wollte diese Leute doch immer in einer Anzahl töten, sodass es gerade noch Spaß machte, aber wenn eine Armee aus Nen-Nutzern kommen würde? Der Sieg der Truppe wäre nicht mehr sicher.
Misstrauisch fingen die beiden also mit der Begrüßung an. Es war eigentlich nicht anders, als bisher, nur Eines störte die Spinnen gewaltig: Die durchdringenden Blicke von den beiden Nen-Nutzern im Publikum. Was hatten sie bloß so zu glotzen?
Doch dafür wurden die beiden Nen-Nutzer durchgehend von Chrollo beobachtet. Jede kleinste Bewegung wäre ihm sofort aufgefallen. Er würde nicht locker lassen, die Truppe an den Sieg zu führen. Er wollte seinen Kameraden da vorne aber auch zeigen, dass er diesen beiden im Publikum keine falsche Bewegung gewähren würde.
Etwas beruhigt ließ Machi sich also das erste Austellungsstück bringen. Pakunoda schritt hinein, das Erste mal war es so leise in dieser Halle, dass man das Klacken ihrer schwarzen Stöckelschuhe wohl noch vom obersten Balkon aus gehört hätte. Denn eine unnormale Spannung herrschte vor, sie floss zwischen den beiden im Publikum und den Spinnen direkt hin und zurück.

Das Versteigern der Kopien verlief dafür weniger spannend. Mit der Zeit regten sich beide Parteien wieder etwas ab, die Auktion konnte also ganz flüssig verlaufen. Doch es war eine Auktion, auf der Körperteile versteigert wurden. Alles hatten die Spinnen kopiert, von Haaren, über abgetrennte Gliedmaßen, bis hin zu Mumien. Die Spinnen hatten natürlich überhaupt kein Problem damit, das brachte eher Erinnerungen an die Pyramide zurück.
Stück für Stück versteigerten sie das Zeug und kassierten teures Geld für dieses gefakete Zeug ein. Dass die Leite sowas kauften? Naja, Feitan würde sowas wohl auch haben wollen. Aber er konnte es sich ja einfach holen.
Also, wie auch immer, alles ließ sich problemlos versteigern.
Und dann kamen die Augen.
Das letzte Austellungsstück. Pakunoda schob den Wagen mit der Ablage hin, zu Machi und Nobunaga.
Nobunaga griff nach dem Glas mit der Flüssigkeit und den beiden Augen darin. Scharlachrote Augen. ‚Die haben es ja auch hier her geschafft', dachte sich Nobunaga und lächelte dabei. Erinnerungen an das Kurta-Klan-Massaker.
„Gute alte Zeit", lächelte Machi ihm leise zu. Seit dem Massaker hatte sie sich ziemlich mit Nobunaga angefreundet, auch wenn es nicht sonderlich bemerkbar war.

Ja, diese Augen waren tatsächlich irgendwie hier gelandet, die roten Augen irgendeines zufälligen Kurta-Klan-Mitglieds, das die Spinnen damals umgelegt hatten. Nobunaga und Machi entspannten sich also richtig, es würde Spaß machen, diese Augen zu versteigern, während sie später die echte Version noch teurer verkaufen würden. Zum zweiten Mal.
Nobunaga hob die Augen hoch, in die Lüfte der Halle.
„Das hier", fing Machi dabei an, zu sprechen, laut, damit es jeder hören konnte, „Das sind die Augen eines Kurtas. Sie sind immer noch schön rot, wie Sie sehen, und wie Sie alle hoffentlich wissen, gilt dieses Rot als eine der schönsten Farben der Welt. Bieten Sie hoch, in heutigen Tagen sieht man solche Exemplare nur noch selten."
Ihre Stimme hatte richtig Schwung in sich, und Elan, sie musste die Leute ja überzeugen, hohe Beträge zu zahlen.
Und das taten sie auch. Sie fingen an zu bieten, höher und höher. Irgendwann kamen sie schon in die Millionenbeträge.
„Okay, dann sind 5 Millionen das höchste Gebot", meinte Machi, als niemand mehr höher bieten wollte. „Gut dann zum Ersten, zum Zwei-", fing sie an, doch eine laute Stimme unterbrach sie einfach.
„STOP! Ich biete 6 Millionen." Der Blonde. Machi blickte zu ihm. So viel Entschlossenheit hatte in seiner Stimme gelegen, und sein Blick sagte, er wollte diese Augen mehr, als alles andere.
„Ich biete 6 Millionen, ich wollte extra warten, damit ich weiß, wie viel die anderen Damen und Herren hier bezahlen würden", sagte er, irgendwie angespannt, aber auch irgendwie ruhig.

A Story about ThievesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt