Kapitel 51 - Jill

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Als ich am nächsten Morgen meine Augen aufschlug, sah ich die Welt auf eine völlig andere Art und Weise

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Als ich am nächsten Morgen meine Augen aufschlug, sah ich die Welt auf eine völlig andere Art und Weise. Die nächtliche Aussprache mit Fynn hatte meinem Körper einen Glückshormon-Vorrat für mindestens drei Jahre geliefert.

Ich hatte das Gefühl, überall das Gute zu sehen und konnte meine Mundwinkel nicht einmal mit Gewalt dazu bringen, auch nur einen Millimeter nach unten zu wandern. All die Zweifel und Bedrücktheit der letzten Tage waren während meines Traums vollständig verdampft und hinterließen stattdessen ein berauschendes Gefühl der Glückseligkeit.

Niemals hatte ich mich bei Matt derartig fallen lassen können. Für ihn wollte ich immer die perfekte Freundin sein und hatte ständig die an mir haftende Angst, er könne ein besseres Mädchen für sich finden.

Doch nun gab es nur Fynn und mich. Und ich hatte nicht vor, daran jemals etwas zu ändern. Mit ihm fühlte es sich richtig an. Richtig und komplett. Meine Verliebtheit brachte meinen Kopf dazu, sich vorzustellen, wie wir uns eines Tages treffen und später als altes, glückliches Pärchen gemeinsam zum Rentner-Bingo gehen würden. Alles, was ich mir wünschte, war eine friedliche und gemeinsame Zukunft mit ihm.

Doch fragte ich mich bereits im nächsten Moment, ob dies nicht etwas zu weit geplant war. Viele Jahre würden bis dahin vergehen und es konnten noch so einige unvorhersehbare Dinge passieren. Diese Vorstellung ließ mich kurz frösteln, doch so schnell wie er mir in den Sinn gekommen war, verwarf ich den Gedanken auch wieder.

Wir lebten schließlich im Hier und Jetzt. Und genau jetzt war alles einfach perfekt. Die Funkstille zwischen mir und meinen Freundinnen mal ausgeschlossen. Jedoch würden wir sicher auch diesen Streit bald beseitigen können, das war für mich so klar wie Kloßbrühe.

Ohne das Dauergrinsen zu verlieren, stand ich auf, um mich für den heutigen Schultag fertig zu machen. Ich schwebte förmlich über den Boden und summte ununterbrochen eine mir unbekannte Melodie vor mich hin. Da mein Fahrrad noch immer an Sams Hauswand stand, fuhr mich Henry netterweise zur Schule. Zumindest hoffte ich, dass mein Fahrrad noch immer am selben Fleck stand, da ich es gestern in all der Eile nicht angeschlossen hatte.

Während der kurzen Autofahrt starrte ich verträumt aus dem Fenster und beobachtete die Schönheit der Natur. Ich hatte das Gefühl, dass der Himmel förmlich rosa leuchtete und somit meine momentane Emotionslage sehr gut widerspiegelte. Erst jetzt merkte ich, wie viel Liebe es doch um mich herum gab.

Lächelnd beobachtete ich zwei kleine Grundschüler, welche händchenhaltend den Fußweg entlanggingen. Keine zehn Meter weiter schmusten eine Katze und ein Hund miteinander, was meinen Brustkorb mit einem warmen und glücklichen Gefühl füllte. Es kam mir so vor, als ob ich erst jetzt, wo ich selber die Liebe gefunden hatte, eine Art Radar dafür entwickelt hatte und nun überall in meiner Nähe sich liebende Wesen ausfindig machen könnte.

„Du bist heute ziemlich gut drauf", riss mich mein Bruder aus meinen kitschigen Gedanken.
„Ja, darf ich denn nicht gut gelaunt sein?", fragte ich ihn daraufhin zurück und musste schon wieder breit grinsen, als ich ein altes Ehepaar vor uns erblickte, welche im Schneckentempo und dennoch Hand in Hand über den Zebrastreifen liefen und uns somit warten ließen.

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