Es ist offiziell. Ich bin kein High-School-Schüler mehr. Mit einem breiten Lächeln werfe ich meine Kappe in die Luft. Für einen Moment scheint sie in der Zeit eingefroren zu sein – eine von Hunderten, die wie ein Schwarm dunkler Vögel über uns kreisen. Dann beginnt der freie Fall, und sie regnen um uns herum nieder.
Um mich herum fallen sich alle in die Arme, lachen, weinen, rufen vor Freude. Ich stehe mitten in der Menge – allein. Aber das macht mir nichts aus. Ich habe mein Diplom in der Hand, und mein Blick ist auf die Zukunft gerichtet. Auf Harvard. Auf ein neues Leben.
Dann beginnt das große Wiedersehen. Eltern stürmen auf das Spielfeld, um ihre Kinder in die Arme zu schließen. Auch meine Mutter entdeckt mich schnell. In der einen Hand hält sie ihr Handy, in der anderen einen Notizblock. Ich seufze innerlich. Natürlich konnte sie es nicht lassen und hat während der Zeremonie gearbeitet. Typisch für sie. Nicht einmal an meinem großen Tag kann sie sich davon lösen. Ich versuche, es zu ignorieren. Heute will ich keinen Streit – nicht, während ich noch das Adrenalin dieses Moments spüre.
Mit einem herzlichen Lächeln zieht sie mich in eine Umarmung. „Ich bin so stolz auf dich, mein Schatz."
Ich drücke sie fester an mich. Atme ihren vertrauten Duft ein, als würde ich mir diesen Moment einprägen wollen. Die Zeit mit ihr ist begrenzt – bald werde ich weg sein, und unser Alltag wird sich für immer verändern. Doch viel zu schnell löst sie sich von mir, und das kleine Gefühl der Vollkommenheit schwindet.
Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sie plötzlich winkt. Ich folge ihrem Blick – und mein Herz setzt einen Schlag aus.
Jack.
Mit einem strahlenden Lächeln kommt er auf uns zu. So, als wäre nichts gewesen. Als hätte er mein Herz nie in tausend Teile gerissen. Ohne eine Sekunde zu zögern, zieht er meine Mutter in eine Umarmung, und sie überschüttet ihn förmlich mit Glückwünschen.
„Ich möchte unbedingt ein Foto von euch beiden", verkündet sie dann plötzlich. „Stellt euch zusammen!"
Mein Magen verkrampft sich. Sie will was?
„Mum, das ist nicht–"
„Bitte, Thalia. Nur eins." Sie lächelt mich eindringlich an.
Jack zögert keine Sekunde, legt selbstverständlich eine Hand auf meine Hüfte und zieht mich näher. Zu nah. Ich versteife mich augenblicklich. Kein Blatt Papier würde mehr zwischen uns passen, und allein seine Berührung bringt meine Emotionen ins Chaos. Doch ich zwinge mich zu einem Lächeln – für sie.
Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass Jack keine Probleme mit dieser Nähe hat. Ganz im Gegenteil. Er genießt es.
Meine Mutter macht mindestens zwanzig Bilder. Ich kann förmlich hören, wie sie sich in Gedanken schon das perfekte Foto aussucht. Endlich ist sie zufrieden. Ich nutze die Gelegenheit, um mich hastig aus Jacks Griff zu befreien und so viel Abstand wie möglich zwischen uns zu bringen.
Sie verzieht das Gesicht, als würde ihr meine Reaktion missfallen, aber ich werfe ihr einen warnenden Blick zu. Mit einem Seufzen wendet sie sich stattdessen ihren Bildern zu. „Schaut euch das an!", schwärmt sie. „So hinreißend. Jack, hast du noch Thalias Nummer?"
Mein Kopf schnellt herum. Nein.
Jack zückt sein Handy. „Die habe ich natürlich noch. Auch wenn es zwischen uns nicht mehr gefunkt hat", sagt er, während er mich mit diesem herausfordernden Lächeln ansieht. „Aber für den Fall, dass sie jemanden zum Reden braucht ..."
Mein Kiefer spannt sich an.
„Schatz, würdest du ihm die Bilder schicken? Ich habe sie dir weitergeleitet."
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
