Carden drückt mir einen sanften Kuss auf die Stirn, doch seine Worte verderben die Geste sofort. „Zieh dir etwas an. Ich möchte nicht, dass jeder Diener, der dich anstarrt, eine Lektion erteilt bekommt." Seine Stimme klingt rau, und am Ende seiner Worte grollt ein leises Knurren.
Mein Körper spannt sich an. „Wirst du sie bestrafen?"
„Nein," erwidert er gelassen. „Aber ich werde sie daran erinnern, dass es Konsequenzen hat, wenn sie ihre Augen nicht von dir lassen können."
Ein Frösteln läuft über meine Haut. „Also darf mich niemand ansehen?"
Sein Blick wird weicher, doch seine Worte klingen nicht weniger besitzergreifend. „Nur ich habe das Recht dazu. Du gehörst zu mir."
Ich verschränke die Arme. „Ich bin kein Gegenstand, Carden."
Er lächelt, als hätte ich etwas Naives gesagt. „Du bist meine Königin. Und eine Königin gehört zu ihrem König."
Mein Herz rast. Ich will mich nicht von seinen schönen Worten täuschen lassen. Ich weiß, was ich tun muss. Mein Körper spannt sich, als ich mich aus seinem Griff befreie und zur Tür gehe. „Und was hält mich davon ab, diese Tür zu öffnen und einfach zu fliehen?"
Carden zuckt mit den Schultern. „Versuch es. Aber du wirst spätestens in ein paar Stunden freiwillig zurückkehren. Oder dich verirren. Am Ende führt dein Weg ohnehin zu mir zurück."
Ich starre ihn an, wütend über seine Selbstgefälligkeit. „Was macht dich so sicher?"
„Dieses Schloss ist riesig. Die verwinkelten Korridore und versteckten Türen werden dich in die Irre führen. Und falls du es doch hinausschaffst – hast du die Kreaturen gesehen, die dort lauern?"
Meine Finger umklammern die Klinke, meine Entschlossenheit schwankt. „Wirst du mich bestrafen, wenn ich es versuche?"
Carden schüttelt den Kopf. „Nein. Ich lasse dich deine Illusion von Freiheit ausleben. Deine Hoffnung wird von allein schwinden, bis du freiwillig zu mir zurückkehrst."
Diese Worte sind der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich reiße die Tür auf und renne los. Mein Atem geht schnell, meine Schritte hallen durch die dunklen Korridore. Ich muss hier raus.
Tür um Tür reiße ich auf, doch keine bietet mir einen Fluchtweg. Dann entdecke ich eine geöffnete. Ich stürze hinein – und halte abrupt an. Der Raum ist leer. Keine Fenster, keine Möbel. Nur Wände, die mich zu verspotten scheinen.
Fluchend drehe ich mich um. Ich brauche eine Treppe. Treppen führen irgendwohin – nach unten, nach draußen. Ich renne weiter.
Dann sehe ich sie: eine Bedienstete. Sie vermeidet meinen Blick, senkt hastig den Kopf.
Ich packe ihren Arm. „Weißt du, wo die Treppe ist?"
Sie bleibt stumm.
„Bitte," flehe ich. „Hilf mir."
Ein Zögern. Dann ein leises Flüstern. „Die Küche... im Keller. Dort gibt es eine kleine Tür. Sie wird dich hinausführen. Die Treppe ist am Ende des Ganges."
„Danke," hauche ich und lasse sie los.
Ich renne weiter, folge der Anweisung. Dann sehe ich das Geländer. Mit klopfendem Herzen haste ich die Stufen hinunter. Die Wände sind gesäumt mit Porträts, doch ich beachte sie nicht.
Als ich die Eingangshalle erreiche, sehe ich die Wachen. Sie starren geradeaus, wagen es nicht, mich anzusehen. Das ist meine Chance. Ich könnte einfach durch den Haupteingang laufen.
Aber genau das ist es, was Carden erwarten würde. Nein. Ich muss klüger sein. Ich renne weiter.
Dann stockt mein Atem. Ein Schrein. Eine Frau mit dunklem Haar und blauen Augen lächelt mir entgegen. Ihre Gesichtszüge... sie sind Arwen wie aus dem Gesicht geschnitten.
Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Ihre Mutter.
Schritte hinter mir. Ich reiße mich los, sprinte weiter.
Die Küche. Der Duft von Brot und Gewürzen liegt in der Luft, aber ich habe keine Zeit. Dort ist die Tür. Mein Weg in die Freiheit. Ich reiße sie auf. Der kalte Wind trifft mich wie eine Ohrfeige.
Ich bin draußen.
Ich presse die Hand auf meine Brust, versuche, den stürmischen Herzschlag zu beruhigen. Ich bin frei. Aber ich bin auch allein.
Wie komme ich zu Kian? Ich kann nicht nach den Ställen suchen. Ich muss einfach laufen. Jeder Schritt ist eine Qual. Meine bloßen Füße sind zerkratzt von Steinen und Ästen. Aber ich darf nicht aufhören.
Kian. Ich muss zu ihm. Aiden steht womöglich immer noch unter dem Liebestrank.
Nach einer gefühlten Ewigkeit lasse ich mich erschöpft zu Boden sinken, beiße in den Apfel, den ich aus der Küche mitgenommen habe. Zum ersten Mal blicke ich zurück. Das Schloss ist nur noch eine Silhouette. Die Türme ragen in den Himmel, doch es fühlt sich weit entfernt an. Der Wind pfeift durch die Bäume, kühlt meine brennende Haut. Ich bibbere, aber ich kann mir keine Pause leisten.
Ich muss weiter. Für Aiden. Für das Königreich. Für Kian.
Ich scanne die Dunkelheit, suche nach einem Zeichen. Dann entdecke ich es: ein Licht. Die Laterne beim Steg. Mein Herz macht einen Sprung. Ich bin nah dran.
Meine Beine zittern, aber ich zwinge mich vorwärts. Schritt für Schritt. Dann bleibt mir der Atem weg. Auf dem Steg steht eine Gestalt. Groß. Dunkel. Unnachgiebig.
Carden.
Sein Lächeln ist siegessicher. Sein Blick sagt mir alles.
„Ich habe es dir doch gesagt."
Mein Körper erstarrt.
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Enchanted by you
FantasíaFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
