Aiden zieht mich eine Treppe hinunter. Durch meinen inneren Konflikt habe ich ganz vergessen, wo wir langgelaufen. Ein starker Duft von Geflügel breitet sich in der Luft aus. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
Aiden öffnet die Tür und zum Vorschein kommt eine große Küche. In der Mitte stehen viele Herde mit brodelnden Töpfen und zischenden Pfannen. Köche die Gewürze in eine der vielen Behälter reinwerfen. Andere schneiden das Fleisch zurecht. Wiederum andere wuseln durch die Gänge und rufen Anweisungen aus.
„Ich präsentiere dir die Küche. Einer meiner Lieblingsorte."
Ich kann verstehen warum das einer seiner Lieblingsorte ist. Wer würde nicht den ganzen Tag lang Köstlichkeiten probieren?
Ein pummeliger, kleiner Mann mit roten Haaren sieht Aiden und kommt mit einem breiten Lächeln auf uns zu. Er verbeugt sich. „Eure Hoheit, wie erfreut, dass ihr uns beehr. Wer ist diese reizende Person neben euch?", fragt er und richtet seinen Blick auf mich.
„Ich bin Thalia." Versuche ich mich vorzustellen.
Aiden hilft mir aus der Patsche. „Sie ist besonderer Gast."
„Wie erfreut!" Der Koch, womöglich der Chefkoch, holt eine Schüssel von der nebenstehenden Arbeitstheke. „Möchtet Ihr probieren?"
Aidens Augen leuchten auf. Anscheinend probiert er öfters die Leckereien in der Küche. „Ist es die Schoko-Nuss Creme?", fragt er.
Der Koch nickt. „Nur zu."
Das lässt sich Aiden nicht zweimal sagen und taucht einen Finger in die Creme. Danach steckt er ihn wieder in den Mund. Ein zufriedenes Brummen verlässt seinen Mund. „Wie immer ist diese Creme ein Meisterwerk. Thalia, du musst probieren!"
Nur zögerlich tunke ich einen Finger rein und stecke ihn mir in den Mund. Ein süßlicher Geschmack breitet sich auf meiner Zunge aus. Die intensive Schokolade gemischt mit dem herzlichen Nussaroma ist eine gelungene Kombination.
„Thalia muss euch unbedingt eine Kreation zeigen, welche es hier noch nicht gibt", sagt Aiden.
„Die wäre?", fragt der Koch neugierig nach.
„Popcorn", antworte ich.
„Popcorn? Das ist mir fremd. Doch ich bin schon gespannt wie es hergestellt wird."
„Wir werden sicherlich einen ruhigen Moment finden. Doch jetzt müssen wir weiter", schreitet Aiden ein und wie verabschieden uns von ihm.
Als wir wieder in der Eingangshalle sind, fängt Aiden an zu erzählen. „Belenus arbeitet schon lange bei uns in der Küche. Ich kann mir eine so große Küche nicht ohne ihn vorstellen. Er kommt aus der Askon Region. Eine Insel, nicht weit von hier. Sie besitzt Wälder und ein paar Berge. Eine schöne Gegend. Vor der Küste liegt das Reich der Meerjungfrauen. Sie werden vom Korallenriff geschützt."
Ich schaue ihn faszinierend an.
„Die Königin der Meerjungfrauen möchte schon seit einiger Zeit, dass mein Vater sie besucht, doch er weigert sich. Sagt, dass er keine Zeit hat. Ich kenne ihr Königreich nicht. Als Kind hatte mir eine der Gouvernante aus den Büchern vorgelesen und ich habe einige Bilder des Königreiches gesehen. Das Reich sieht anders aus, als die Gegend hier."
„Vielleicht können wir Askon und die Meerjungfrauen besuchen. Als Abgesandte des Königs?", frage ich nach, da ich unbedingt das Reich der Meerjungfrauen mit meinen eigenen Augen sehen möchte.
„Das ist eine fantastische Idee!", antwortet Aiden und führt mich durch die Gemächer des Generals, Trachen, sowie seines Vertrauten den Herzog Oreon.
Wir treten in das grelle Sonnenlicht hinaus in den Schlossgarten. Ein Ort, der von einem Barockschloss stammen könnte. Fein säuberliche und akkurat geschürte Büsche säumen den Weg aus hellen Steinen. Große Beete mit den schönsten Blumen verfolgen uns, auf dem Weg zu einem Brunnen mit goldenen Statuen. Ein kleiner Bär, welcher neben einer Frau sitzt. Sie ist wunderschön. Lange Haare, eine Tunika mit kleinen Verzierungen. Sie hält in der einen Hand ein Schwert. Die andere liegt auf dem Kopf des Tieres. Umrandet von einem Wasserbad mit Rosenblüten.
„Sie ist wunderschön", sage ich.
Er schaut zu mir, ehe er meinen Blick folgt. „Das ist Andastra, die große Göttin."
Meine Augen weiten sich. „Wie das Königreich."
„Ja, wir verehren sie", sagt er. "Sie erscheint gelegentlich als Bärin. Sie steht für den Sieg und laut einer Legende, kann sie die Zukunft vorhersagen. Es gibt ein Fest für Sie, welches in naher Zukunft stattfinden wird."
Seine Religion bestimmt eine Göttin. Es gibt bestimmt Abbildungen von ihr. Wahrscheinlich in einen der vielen, schweren Büchern in der Bibliothek.
„Lass mich dir die Ställe zeigen." Aiden nimmt erneut meine Hand und zieht mich weiter.
Wir laufen den Weg des Parks weiter, bis wir zu einem großen Gebäude kommen. Schon von weitem kann ich die Pferde sehen und hören. Einige Knappen laufen an uns vorbei, verbeugen sich kurz und gehen dann weiter. Arto steht neben einem Pferd und bürstet es sanft.
„Arto", sagt Aiden. Der ältere Mann sieht auf. „Eure Hoheit."
„Ich zeige Thalia die Ställe, ehe wir wieder zurück gehen", sagt Aiden und gemeinsam gehen wir in den Stall. Mehrere Pferde stehen darin. Manche stehen frei herum, während andere in ihren Kabinen. Jedes einzelne von ihnen ist wunderschön. Sie sehen stark und gesund aus. Das Fell glänzt und sieht mehr als nur gepflegt aus.
Ich trete an eine Stute heran, deren Fell beinahe cremefarben schimmert. Es gleicht der Farbe von Karamellbonbons. Vorsichtig strecke ich meine Hand aus und lass sie von der Stute beschnuppern. Als sie sich nicht von mir abwendet, traue ich mich sie zu streicheln. Weiches, glänzendes Fell. Ich spüre den ruhigen Puls und die beruhigende Aura, welche von ihr ausgeht.
„Sie sieht fantastisch aus", gebe ich von mir.
Aiden stellt sich zu mir. „Ich glaube Arto hat nichts dagegen, wenn du sie für den ein oder anderen Ausflug ausreitest."
„Das wäre wunderbar", sage ich und schaue zu Arto, welcher nickt.
„Natürlich", meint dieser. "Lady Thalia kann sie so oft ausreiten, wie sie möchte."
„Das ist sehr freundlich von Ihnen", antworte ich.
„Ich möchte nur, dass Sie ihren Aufenthalt genießen."
Wir verabschieden uns und laufen den Weg zurück zum Schloss. Die Sonne steht schon tief und wirft einen langen Schatten über das Schloss.
Mir fällt ein Gedanke ein, welchen ich vorhin gehabt habe. „Warum muss ich mich bedeckt halten?", platzt es aus mir heraus.
„Das erkläre ich dir, wenn wir im Schloss sind."
Wieder wird meine Frage nicht beantwortet. Er beantwortet mir sonst jeder meiner Fragen. Seltsam. Schweben wir etwa in Gefahr? Werden wir überwacht? Mir hallen die Worte von Fynn in den Ohren. „Wer weiß für wen die Bauern arbeiten."
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
