Ich wusste es.
Schon als ich losgefahren bin und meine Mutter mir dieses zufriedene Lächeln geschenkt hat, hatte ich ein ungutes Gefühl. Irgendetwas stimmte nicht. Und trotzdem bin ich hier. Habe mich darauf eingelassen. Habe dem Ganzen eine Chance gegeben. Und jetzt stehe ich vor dem endgültigen Beweis, dass ich auf keinen Fall auf diese Universität gehen werde.
Vor mir steht niemand anderes als Jack.
Sein Grinsen ist genauso breit wie unverschämt, und am liebsten würde ich es ihm aus dem Gesicht wischen. Mein Herz schlägt schneller – aus Wut, aus Überraschung, aus einer Mischung, die ich nicht einordnen will. Aber ich zwinge mich zur Ruhe. Tief durchatmen. Haltung bewahren.„
Was machst du hier?", frage ich und versuche meine Missgunst nicht zu zeigen.
„Das könnte ich dich ebenfalls fragen." Er holt sich eine Zigarette aus seiner Hosentasche und zündet sie an. „Ich habe zuerst gefragt."
„Wie du willst. Ich habe noch ein paar Sachen erledigt und mich schon einmal für den Tennis Club eingeschrieben." Jack zieht an seiner Zigarette und bläst den Rauch in die andere Richtung, um mich nicht zu belästigen. Dennoch ist es eine Angewohnheit, welche ich schon damals abgelehnt habe.
„Schön für dich. Willst du immer noch Anwalt werden?", frage ich mit leichter Neugier.
„Ja, daran hat sich nichts geändert. Also das letzte Mal, dass wir uns unterhalten haben, hattest du nicht vor dich hier einzuschreiben. Meinung geändert?"
Ich rolle mit den Augen. „Nein. Sagen wir es so: Ich habe einen Deal mit meiner Mutter gemacht."
Er hebt neugierig die Augenbraue hoch. „Die wäre?"
„Ich schaue mich hier um. Vielleicht gefällt es mir hier so gut, dass ich mich doch noch kurzfristig einschreibe."
„Und wenn es dir nicht gefällt?"
„Dann gehe ich, wie ich es geplant habe, nach Harvard", sage ich mit Stolz.
Er schaut mich beeindruckend an. Seine blauen Augen funkeln. „Harvard," wiederholt er langsam und wirft seine Zigarette auf den Boden, zertritt sie mit der Schuhspitze. „Also hast du es tatsächlich geschafft."
„Hättest du wohl nicht gedacht, oder?"
„Doch, natürlich." Er hebt abwehrend die Hände. „Ich wusste immer, dass du es kannst. Ich meine, wieso solltest du es nicht schaffen? Du bist die klügste und ehrgeizigste Person, die ich kenne."
Seine Stimme ist sanft, ehrlich und es ist falsch, dass es mich berührt. Ich will nicht, dass es mich berührt. Und doch steigt mir die Hitze in die Wangen.
Er grinst. „Wow. Du errötest. Habe ich ja ewig nicht mehr gesehen."
Ich verziehe das Gesicht. „Halt den Mund."
Er lacht leise. „Wie wäre es, wenn ich dich ein bisschen herumführe?"
Ich zögere. Die Vorstellung, die Uni mit ihm zu erkunden, gefällt mir nicht – aber es könnte meine Tarnung aufrechterhalten. Je weniger ich auffalle, desto besser.
„Na gut. Aber ich will heute Abend wieder zu Hause sein."
„Verstanden." Jack zwinkert mir zu und deutet mit dem Kopf in eine Richtung. „Komm mit."
Wir laufen nebeneinander, doch mit jedem Schritt rückt er mir ein Stück näher. Ich tue so, als würde es mich nicht stören, höre ihm zu, versuche, mir die Umgebung einzuprägen. Ab und zu kommen uns Professoren entgegen, ihre Blicke schweifen über uns – wahrscheinlich denken sie an ihre eigene Studienzeit zurück.
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
