Verwirrung breitet sich auf meinem Gesicht aus. Ich dachte, dass der König über die Dörfer regiert. Oder habe ich mich geirrt?
„Verhalte dich ruhig", flüstert Aiden mir zu. "Ich erkläre dir später was du wissen musst."
Der Weg verändert sich und aus dem rauen Kies werden weiße Pflastersteine, die sich weiter ihren Weg durch die Stadt bahnen. Wir reiten durch einen Torbogen voller weißer Pfingstrosen. Ich spüre wie ein angenehmer Duft auf uns herabfällt und sich auf unserer Haut verbreitet.
Wie der Weg sich auch verändert, so fallen mir die Änderungen der Häuser auf. Aus den kleinen Holzhütten werden Steinhäuser und große Tavernen mit ausgelassenen Menschen. Mehrstöckige Häuser, die perfekt verputzt sind. Zwischendurch tauchen kleinere Wiesen mit Bäumen auf, auf denen Kinder spielen während die Mütter unter den Bäumen zusammen sitzen.
Wir reiten über einen großen Platz, welcher anscheinend der Marktplatz ist. Überall stehen Stände mit frischem Obst und Gemüse, knusprigem Brot, Gewürzen in den schillernden Farbtönen, Blumen welche ich noch nie in meinem Leben gesehen habe und einen Stand mit kleinen Elixieren.
Als wir daran vorbeireiten, streife ich den Blick mit den Besitzer. Er verbeugt sich vor mir, sodass seine dunkle Kapuze tiefer in sein Gesicht fällt und ich die Person darunter nicht erkenne. Verwundert schaue ich ihm hinter her. Selbst als er schon längst nicht mehr zu sehen ist und die Stadt immer kleiner wird.
„Thalia." Aiden versucht meine Aufmerksamkeit zu erlangen. "wir sind angekommen. Schau nach vorn, dann siehst du es besser."
Vor mir erstreckt sich ein gigantisches Schloss. Grau-weiße Mauern türmen sich vor uns auf und lassen so manchen Feind abschrecken. Ich schaue den Mauern empor und sehe Wachen mit Pfeil und Bogen bereit stehen. Sie beobachten jeder unserer Bewegungen. Einer von ihnen ruft etwas hinab und kurz darauf wird eine Zugbrücke mit goldenen Verzierungen heruntergelassen.
Wir reiten langsam über die Brücke. Mein Blick schweift von den Mauern auf den Bach unter uns. Schneeweise Schwäne, welche im Licht der Sonne zu schimmern scheinen, schwimmen unter uns. Hinter ihnen paddelt der Nachwuchs hinterher. Das Wasser ist so klar, dass ich die Fische von vorher wieder sehe.
Wir reiten durch das Tor durch und werden langsamer. Aiden springt von seinem Pferd ab und nimmt dessen Zügel in die Hand. Fynn macht es ihm nach.
Ein älterer Mann und eine Horde von Jungs kommen auf uns zu. Sie nehmen ihm das Pferd ab. Der ältere Mann begrüßt Aiden. „Eure Hoheit. Schön, dass Ihr wieder zurückgekehrt seid."
Aiden überreicht ihm sein Pferd. „Es tut gut wieder zurück zu sein."
Er wendet sich mir zu und hilft mir vom Pferd. Seine Hände legen sich sanft um meine Hüfte und ziehen mich zu ihm herunter. Ich merke nicht, wie mein Atem stockt. Für einen Bruchteil einer Sekunde sind wir uns so nah wie auf der Lichtung. Dann ist der Moment vorbei.
„Arto, ich möchte dich mit Thalia bekannt machen." Er deutet zu mir. "Sie wird mein Gast, für eine ungewisse Zeit lang, sein."
Der ältere Mann schenkt mir ein Lächeln. „Wenn Sie ausreiten möchten, bitte zögern Sie nicht mich anzusprechen."
„Dankeschön", antworte ich und lächle.
„Thalia, Arto ist unser Stallmeister. Nebenbei trainiert er die Knappen.", Aiden zeigt auf die Jungs.
Fynn gesellt sich zu uns und beugt sich zu Aiden. "Euer Vater wartet auf euch", teilt er ihm mit.
Aiden nickt und ich spüre, wie sich seine Hand auf meinen Rücken legt und mich sanft Richtung des Eingangs schiebt. Zu dritt laufen wir die Stufen zum Eingang des Schlosses herauf. Zwei Diener öffnen uns die Tür. Sie verbeugen sich vor Aiden.
Der junge Prinz führt uns durch die prächtige Eingangshalle. Marmortreppen verlaufen wie eine Spirale über unsere Köpfe und geben einen Blick auf die oberen Etagen frei. Ein Kronleuchter voller Kristalle hängt imposant von der stuckverzierten Decke. Je weiter wir durch de Halle laufen, desto mehr Bilder erscheinen an den Wänden. Gemälde von Vorfahren der Königsfamilie. Alles scheint mir so wie in dem Buch zu sein.
Vor staunen bleibt mein Mund offen, als wir zum Ende des Saals gelangen. Ich bin immer noch überwältigt von dem Anblick, den ich hier sehe.
Fynn räuspert sich und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. „Du scheinst überwältigt zu sein. Dabei haben wir den Thronsaal noch nicht erreicht", sagt er und sieht wissend zu Aiden.
Aiden schaut von der Seite zu mir. „Versuch deine Begeisterung zu verstecken. Es wird schwierig genug sein, meinen Vater zu erklären, warum du nur in einem Hemd bekleidet bist." Anspannung breitet sich in seiner Stimme aus. Ich schaue zu ihm und sehe die verhärteten Gesichtszüge. Seine Lippen sind zu einer schmalen Linie geformt. Diesen Ausdruck kenne ich nicht von ihm. Anscheinend ist mit dem König nicht zu spaßen.
Wir bleiben vor einer riesigen Tür stehen.
„Thalia, ich bitte dich hinter mir zu bleiben. Sprich nur, wenn du dazu aufgefordert wirst. Es sollte nichts schlimmes passieren", sagt Aiden.
Ehe ich eine Antwort parat habe, wird die gigantische Tür geöffnet.
Aiden atmet tief ein, ehe er durch die Tür in den Thronsaal eintritt. Fynn und ich warten einen Augenblick, ehe wir ihm folgen. Fynn hat nicht gelogen. Der Saal ist prunkvoller als die Eingangshalle.
Unauffällig schaue ich mich um. Der Saal wird von großen Fenstern mit Licht durchflutet. An jeder Ecke stehen Wachen mit Schwertern. Durch die Sonne werden die Kristalle im Kronleuchter reflektiert und lassen den Saal in Regenbogenfarben erstrahlen.
Mein Blick schweift nach vorn. Auf einer erhöhten Plattform sitzt Aidens Vater auf einem goldenen Thron. Neben ihm, auf einem kleineren Thron, sitzt ein junges Mädchen. Die blonden Haare fallen ihr über die Schulter und ihre zierlichen Hände sind auf ihrem Schloss verschränkt. Sie wirkt jung. Sie kann nicht älter sein als ich. Vielleicht ein zwei Jahre jünger.
Unsere Blicke streifen sich für einen Bruchteil, und ich kann den Hauch eines Lächelns auf ihrem Gesicht sehen, ehe sie wieder eine neutrale Haltung annimmt.
Aus dem Augenwinkel erkenne ich, wie Aiden sich verbeugt. Schnell ahme ich ihn nach und senke meinen Kopf.
Die tiefe Stimme des Königs ertönt: „Sohn, wie erfreut dich wiederzusehen. Ich habe gehört, dass du einen Gast in den Palast eingeladen hast."
Aiden hebt den Kopf. „Eure Majestät, Vater, eure Ohren haben euch nicht betrogen. Sie ist ein ganz besonderer Gast." Er tritt beiseite und nun stehe ich direkt vor dem König. „Thalia Newton. Sie ist von der Anderswelt."
Die Augen des Königs werden groß wie Teller und sein Mund weitet sich. Das Mädchen, es muss Aidens Schwester sein, hält sich erschrocken die Hand vor den Mund und gibt einen kleinen Aufschrei von sich.
„Kann es wirklich möglich sein?", fragt der König. Es wirkt, als wolle er sich selbst von seiner eigenen Frage überzeugen.
„Es ist in der Tat möglich. Ich war selbst dort", verkündet Aiden.
Jetzt ist es so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Der König steht auf und geht auf seinen Sohn zu. „Wie hast du das geschafft was bis jetzt noch kein anderen gelungen ist, mein Junge?", fragt er und legt eine Hand auf Aidens Schulter.
Aiden senkt den Kopf. "Ich habe es mir gewünscht."
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
