Aiden zieht meinen Stuhl zurück, bevor er selbst Platz nimmt. Höflich, wie es sich für einen Prinzen gehört. Ich werfe einen kurzen Blick durch das Restaurant. Verliebte Paare halten Händchen und flüstern sich süße Worte zu, während Familien versuchen, das Chaos ihrer Kinder unter Kontrolle zu halten. Und dann gibt es uns – zwei Menschen, die sich erst vor wenigen Stunden kennengelernt haben.
Aiden sieht sich mit leuchtenden Augen um. „Was essen die Leute hier? Solche Speisen habe ich noch nie gesehen!" Er greift nach der Speisekarte und studiert sie mit größter Neugier, als wäre es eine königliche Landkarte. Ich muss mir ein Lachen verkneifen.
„Die typischsten Gerichte beim Italiener sind Spaghetti Bolognese, Pizza oder Lasagne", erkläre ich.
„Das klingt alles so exotisch und köstlich! Am liebsten würde ich alles probieren." Er schaut von der Karte auf. „Hast du dich schon entschieden?"
„Ich nehme meistens Spaghetti Bolognese oder Pizza Hawaii."
Ein Kellner tritt an unseren Tisch. „Ich hätte gern eine Cola und einen Teller Spaghetti Bolognese", sage ich und warte, bis Aiden seine Wahl trifft.
Er mustert mich kurz, dann nickt er. „Ich nehme dasselbe Getränk wie sie und eine Pizza Hawaii."
Als der Kellner sich entfernt, lehnt sich Aiden zurück und beobachtet die anderen Gäste weiter mit unverhohlener Faszination.
Nach wenigen Minuten kehrt der Kellner mit unseren Getränken zurück. Aiden betrachtet sein Glas, als sei es ein Artefakt aus einer anderen Welt. „Stoßen wir an!", verkündet er enthusiastisch.
Ich hebe mein Glas und lache. „Und auf was?"
Er überlegt kurz, bevor er strahlend antwortet: „Auf unsere neu gewonnene Freundschaft!"
Grinsend stoßen wir an, und ich nehme einen Schluck. Aiden hingegen kippt fast das ganze Glas in einem Zug herunter. Seine Augen weiten sich. „Wie köstlich! So etwas habe ich noch nie getrunken! Ich fühle mich voller Energie!"
Jetzt kann ich mich nicht mehr zurückhalten und pruste los.
Aiden sieht mich verwirrt an. „Habe ich etwas Falsches gesagt?"
„Nein, nein!", lache ich. „Ich finde es nur lustig, wie begeistert du von Cola bist. Trink aber nicht zu viel, sonst kannst du später nicht schlafen."
Er nimmt sich meine Worte zu Herzen und greift nach dem Wasser auf dem Tisch. „Dann werde ich abwechselnd Wasser trinken."
Wenig später serviert uns der Kellner unser Essen. Ich bedanke mich mit einem Lächeln und nehme mir meinen Teller. Bevor er geht, stellt er ein schmales Glas mit einer roten Würze auf den Tisch.
Aiden mustert es neugierig. „Wie schön es aussieht! Was ist das?"
„Chili. Ein Gewürz aus Indien. Es ist sehr scharf, wenn man nicht auf die Menge achtet."
Er öffnet das Glas, schnuppert daran und streut großzügig Chili auf seine Pizza.
Ich beobachte ihn gespannt. Innerlich rechne ich schon die Sekunden herunter.
Er schneidet ein Stück ab, führt es zum Mund und beißt herzhaft hinein. Für einen Moment ist alles still. Dann gefriert sein Gesichtsausdruck. Seine Augen weiten sich, seine Hände zittern.
„Was ist das?! Es brennt!", keucht er, während er hektisch mit den Armen fuchtelt.
Er greift nach seinem Wasserglas und trinkt es in einem Zug leer. Doch das hilft natürlich nicht – im Gegenteil, das Brennen scheint noch schlimmer zu werden.
Ich winke hektisch nach einem Kellner, der die Situation sofort erfasst. Kurze Zeit später stellt er ein Glas Milch und ein paar Scheiben Brot auf den Tisch. Aiden greift dankbar danach und leert die Milch in wenigen Zügen.
Ich beuge mich leicht vor. „Geht es dir besser?"
Er nickt langsam, seine Wangen noch gerötet. „Ich hätte auf dich hören sollen..."
Mit einem kritischen Blick kratzt er den restlichen Chili von seiner Pizza und isst den nächsten Bissen deutlich vorsichtiger. Ich muss mir ein weiteres Grinsen verkneifen.
Später am Abend sitzen wir auf meinem Bett. Nach dem Vorfall in der Pizzeria haben wir beschlossen, den restlichen Abend entspannt in meinem Zimmer ausklingen zu lassen. Die Ausgangssperre tritt bald in Kraft, und für Aiden war es ohnehin ein aufregender Tag. Morgen können wir weitere Dinge entdecken. Aber für heute reicht es.
Um mein Versprechen einzulösen, zeige ich ihm etwas völlig Neues.
„Dieses Internet ist eine Sensation!", ruft Aiden begeistert und klickt sich durch die Webseiten. „Wie lange hat es wohl gedauert, so etwas zu erschaffen? Es offenbart mir unendliches Wissen! Informationen so viel ich möchte und das in kürzester Zeit!"
„Es hat sich über viele Jahre entwickelt", erkläre ich und öffne einen Streaming-Dienst. „Wollen wir uns einen Film ansehen?"
Aiden nickt eifrig. „Ja! Wie heißt es doch gleich... Film?"
„Genau." Ich scrolle durch die Auswahl, bis mir eine Idee kommt.
„Narnia?", liest er den Titel neugierig.
„Das ist eine Geschichte von vier Geschwistern, die durch einen Kleiderschrank eine andere Welt entdecken", erkläre ich ihm kurz die Handlung.
Seine Augen leuchten auf. „Das klingt aufregend!"
Während der Film läuft, schiele ich immer wieder zu ihm hinüber. Aiden sitzt aufrecht, die Augen gebannt auf den Bildschirm gerichtet. Er sieht aus wie ein Kind an Weihnachten, das zum ersten Mal Schnee sieht.
Als der Abspann über den Bildschirm flimmert, reibe ich mir müde die Augen. Es war ein langer Tag, und ich kann es kaum erwarten, mich in meine Bettdecke zu kuscheln.
Aiden hingegen sieht keinen Funken Müdigkeit aus. „Gibt es noch mehr über dieses faszinierende Königreich mit sprechenden Tieren zu erfahren?"
Ich strecke mich und schmunzle. „Es gibt noch zwei weitere Filme und sieben Bücher. Wenn du willst, kann ich dir die Bücher geben."
Ich klappe den Laptop zu und stelle ihn auf meinen Schreibtisch. „Aber das können wir an einem anderen Tag machen. Jetzt ist es zu spät."
Aiden legt sich ins freie Bett und dreht sich zu mir um.
„Gibt es in deinem Reich auch sprechende Tiere?", frage ich im Halbschlaf.
Er grinst. „Nein, aber Drachen, Magier und ein Meervolk."
Ich gähne. „Fabelwesen gibt es nur in Märchen..."
Er sieht mich verschmitzt an. „Wenn du möchtest, kann ich sie dir zeigen."
Ich schließe die Augen und murmle: „Darüber können wir reden, wenn ich Semesterferien habe..."
Mit diesem Gedanken gleite ich langsam in den Schlaf – und frage mich, was für ein Abenteuer mich wohl morgen erwartet.
DU LIEST GERADE
Enchanted by you
FantezieFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
