Ich merke, wie sich die Angst in Müdigkeit verwandelt. Mein Körper ist erschöpft, meine Gedanken ein chaotisches Durcheinander. In den letzten vierundzwanzig Stunden ist einfach zu viel passiert. Zu viele erschütternde Wahrheiten, zu viele dunkle Vorhersagen.
Kian und ich haben herausgefunden, wer Arwen wirklich ist – und was sie vorhat. Wir haben entdeckt, dass sie mehr als nur eine Gegnerin ist. Sie ist eine Bedrohung für alles, was wir lieben. Ich hätte es Aiden sagen müssen. Hätte ihn warnen sollen. Doch stattdessen bin ich hier – entführt, gefangen, allein.
Ich weiß nicht, wo ich bin. Die Umgebung ist mir fremd, die Dunkelheit außerhalb dieser Mauern beängstigend. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich an Carden zu halten. Er ist der Einzige, der mich hier am Leben hält. Ohne ihn wäre ich leichte Beute für die Wölfe, die in diesem verfluchten Land umherstreifen.
Ich will nicht an die Zukunft denken, die mich hier erwartet. An das, was Carden von mir will.
Die Erschöpfung übermannt mich, und bevor ich es verhindern kann, lehne ich mich an ihn. Sein Mantel ist weich, wärmer, als ich erwartet hätte. Es sollte mich erschrecken, dass seine Nähe mir in diesem Moment Trost spendet. Doch ich bin zu müde, um mich dagegen zu wehren.
„Ruh dich aus", murmelt er. Ich spüre seinen Atem auf meiner Wange. „Es war ein langer Tag für dich."
Dann spüre ich seine Lippen auf meiner Haut – eine flüchtige Berührung, nicht fordernd, fast sanft. Ich sollte mich davon abgestoßen fühlen, doch mein Körper ist zu erschöpft, um zu protestieren. Mein Blick verschwimmt, meine Lider werden schwer.
Als ich aufwache, sitze ich kerzengerade auf. Mein Herz rast. Ich taste um mich, spüre das weiche Material unter meinen Fingern. Seide. Ich bin nicht mehr dort, wo ich eingeschlafen bin.
Langsam kehrt die Erinnerung zurück. Carden. Die Flucht, die mir nicht gelungen ist.
Ich werfe einen Blick neben mich. Niemand. Die Laken neben mir sind unberührt. Ich bin allein.
Das hier ist also mein Zimmer. Wahrscheinlich liegt es direkt neben seinem. Damit ich nicht fliehen kann. Damit ich in seinem Griff bleibe.
Ich lehne die Stirn gegen das kühle Glas. Draußen erstreckt sich eine trostlose Landschaft. Schwarze, verkohlte Baumstämme, kahle Sträucher, verbrannte Erde. Hier gibt es keine Zuflucht, keine Verstecke. Selbst wenn ich ein Pferd hätte – würde ich schnell genug sein? Ich habe gestern gesehen, wie schnell Carden ist. Kann ich ihn überhaupt überlisten?
Ich schlinge die Arme um meine Knie und drücke ein Kissen an mich. Ich muss fliehen.
Ein leises Geräusch hinter mir lässt mich zusammenzucken. Schritte. Die Tür wird geöffnet. Ich weiß, wer es ist, noch bevor er spricht.
„Was willst du, Carden?" Meine Stimme klingt kalt, doch in mir brodelt es.
„Das Frühstück ist angerichtet, meine Königin."
Ich schließe die Augen. „Ich habe keinen Hunger."
Sein Seufzen ist leise, aber ich höre es dennoch. Dann spüre ich seine Hände auf meinen Hüften. Er schlingt die Arme um mich, legt seinen Kopf auf meine Schulter. Ich bleibe regungslos sitzen. Ich habe keine Wahl.
„Du musst etwas essen", murmelt er. „Schließlich sollen unsere Kinder stark und gesund werden."
Kinder. Mein Magen verkrampft sich.
Ich wusste, dass dieses Thema irgendwann kommen würde. Carden will einen Erben. Einen Sohn, der seine Linie fortführt. Genauso wie Aiden. Doch Aiden würde mich nie zu etwas zwingen.
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
