KAPITEL 22

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Hastig eile ich den Gang entlang. Die Vorlesung beginnt gleich, und wenn ich mich nicht beeile, werde ich zu spät kommen. Das darf nicht passieren – heute wird eine Anwesenheitsliste geführt. Aiden hat mir versprochen, im Zimmer zu bleiben. Um ihn zu beschäftigen und Langeweile zu vermeiden, habe ich ihm die gesamte Ausgabe der Narnia-Chroniken gegeben.

Doch während ich durch die Flure haste, bemerke ich die Blicke der anderen. Diesmal bin ich diejenige, die angestarrt wird. Die meisten Mädchen lassen enttäuscht den Blick hinter mir sinken, als sie feststellen, dass Aiden nicht an meiner Seite ist. Ich rolle mit den Augen. Sie haben ihn nur ein einziges Mal gesehen und sind offenbar schon schockverliebt.

Ich hoffe inständig, dass er sein Versprechen hält. Sonst habe ich ein gewaltiges Problem.

Die Vorlesung zieht sich endlos in die Länge. Ich werfe immer wieder nervöse Blicke auf die Uhr. Doch die Zeit vergeht quälend langsam. Versteht mich nicht falsch – ich liebe mein Studium –, aber die Angst, dass Aiden Unfug anstellt, wächst mit jeder Minute.

Kaum endet die Vorlesung, springe ich auf und laufe in Windeseile zurück. Mit klopfendem Herzen öffne ich die Tür. Mein schlimmster Albtraum wird wahr: Aiden ist nicht da. Panik steigt in mir auf. Wo kann er sein?

Das einzig Positive: Seine Krone und sein mittelalterliches Gewand liegen fein säuberlich auf dem Stuhl. Wenigstens wird er so nicht allzu sehr auffallen – solange er sich nicht wie ein Prinz verhält.

Ich eile ans Fenster und überblicke den Campus. Kein Zeichen von ihm. Ungeduldig laufe ich auf und ab. Meine Lippen sind aufgebissen. Was, wenn ihm etwas zugestoßen ist?

Gerade als ich kurz davor bin, mich auf die Suche nach ihm zu machen, öffnet sich die Tür. Aiden steht gut gelaunt im Rahmen, ein breites Lächeln auf den Lippen. In seinen Händen hält er zwei Becher und eine braune Papiertüte.

„Wo warst du?!" Ich höre mich selbst schreien, doch ich kann den Ärger nicht zurückhalten.

Unbeeindruckt tritt er ein und stellt die Sachen auf den Tisch. „In der Stadt", sagt er ruhig. „Ich dachte mir, dass du bestimmt Hunger hast. Also bin ich in ein Café gegangen und habe uns Tee und ... diese neuen Backwaren besorgt. Man nennt sie wohl ‚Bagels'."

Ich starre ihn fassungslos an. „Oh ... danke." Plötzlich fühle ich mich dumm. Jemanden anzuschreien, war noch nie eine gute Lösung. „Es tut mir leid. Ich hätte nicht so reagieren sollen."

Aiden winkt ab. „Du hast dir Sorgen gemacht. Das ist verständlich. Ich hätte dir eine Nachricht schreiben sollen." Er reicht mir meinen Tee und einen Bagel mit Schnittlauch und Frischkäse.

Ich beiße in mein Bagel und seufze genüsslich. „Haben wir heute Abend etwas vor?"

Er grinst. „Wir könnten zusammen dorthin gehen, wo sie die Filme auf großen Leinwänden zeigen. Ich habe so ein Gebäude auf dem Weg zum Café gesehen."

„Du meinst ein Kino?"

„Ja! Genau dorthin möchte ich gehen."

Ich schlucke und überlege kurz. „Ist das ... ein Date?"

Aiden neigt nachdenklich den Kopf. „Wenn es dir unangenehm ist, können wir einfach als Freunde gehen."

Ich schüttle hastig den Kopf. Ein kleines Grinsen stiehlt sich auf mein Gesicht. „Nein ... es kann ruhig eine Verabredung sein."

Seine Augen leuchten auf. „Das freut mich! Wirklich!"

Ich lache. „Ganz ruhig. Ich muss noch etwas für die Vorlesung machen und habe eine Besprechung wegen meiner Gruppenarbeit. Danach muss ich mich noch umziehen."

Enchanted by youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt