Wir räumen unsere Ausrüstung zusammen und reiten zurück zum Schloss. Die Wachen lassen uns passieren, doch kaum sind wir im Inneren, fällt das Tor krachend hinter uns ins Schloss. Mein Magen zieht sich zusammen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das Tor war immer offen – bis jetzt.
„Die Stimmung ist bedrückender als je zuvor", murmelt Kian. Er sieht zu den Türmen hoch, wo Soldaten mit gespannten Bögen Wache stehen. „Ich werde vorgehen. Bringt die Pferde zurück und kommt dann nach."
Er verlässt uns, und Aiden und ich bleiben im Stall zurück. Schweigend lösen wir das Zaumzeug.
„Glaubst du, er wird angreifen?" frage ich leise.
Aiden nickt langsam. „Ich kann es mir vorstellen. Schließlich geht sein Plan nicht auf."
Ich spüre, wie meine Kehle sich zuschnürt. „Ich habe Angst."
Er hebt den Kopf und sieht mich ernst an. Dann legt er die Arme um mich und zieht mich an seine Brust. „Du brauchst dich nicht zu fürchten. Kian und ich sind bei dir. Mit uns bist du sicher."
Er wiegt mich sanft hin und her, bis sich meine Anspannung löst. Ich hebe den Blick.
„Darauf habe ich lange gewartet", flüstere ich. "Danke, dass du mein Freund bist und die Sache mit Kian und mir verstehst.
Er streicht mit den Fingern über meine Wange. „Wir sind erwachsen. Menschen verlieben sich und man kann nichts ändern. Ich werde es schon schaffen, dass mein Herz wieder frei wird."
Ich schlucke. „Wir sollten zurückgehen. Nicht, dass dein Bruder uns suchen muss."
Zu dritt laufen wir durch die langen Flure bis zum Thronsaal. Die Tür schwingt auf – und sofort trifft mich die angespannte Stille. Alle blicken uns mit ernster Miene entgegen.
„Was ist passiert?" frage ich.
Der König hält einen Brief in den Händen. „Hel und Carden haben uns den Krieg erklärt. Sie fordern Lady Arwen – lebendig und unbeschadet." Sein Blick ruht auf mir. „Carden will dich zurück."
Mein Herz bleibt stehen. „Er... er würde keine Unschuldigen töten. Das hat er mir gesagt."
„Deshalb fordert er dich. Als seine Braut."
Mir wird schwarz vor Augen. Die Worte hallen in mir wider, schneiden durch meine Gedanken. Meine Knie geben nach, und ich breche zusammen.
„Nein!" Ein lauter Schrei entfährt mir, ein Schluchzen folgt. „Ich kann nicht zurück! Das überlebe ich nicht!"
Immer wieder wiederhole ich diese Worte. Sie klingen wie ein Gebet – oder mein Todesurteil.
Starke Arme umschließen mich. Kian hält mich fest, seine Hand streicht beruhigend über meinen Rücken. „Du wirst nicht zurückgehen. Wir finden eine andere Lösung." Seine Stimme ist fest. „Ich lasse nicht zu, dass du gehst. Nicht noch einmal."
Meine Schultern beben. „Ich habe es geahnt... Innerlich habe ich es gespürt..."
Er hebt mein Gesicht an, zwingt mich, ihn anzusehen. „Du bist nicht allein. Ich bin bei dir. Wir beide sind es. Weißt du noch, als ich dich fragte, auf wessen Seite du stehst?"
Ich blinzle ihn an. „Auf der Insel?"
Er nickt.
„Ich habe gesagt, dass ich an deiner Seite kämpfen werde."
„Und genau das werde ich tun", sagt Kian ruhig. „Ich werde auf dich Acht geben."
Der König räuspert sich. „Wir müssen uns vorbereiten. Alenja, Kendra – ihr werdet in Sicherheit gebracht."
„Zu den Magiern", sagt Kian. „Das ist der sicherste Ort im gesamten Königreich."
„Zwei Wachen werden euch begleiten. Ihr müsst sofort aufbrechen."
Alenja und Kendra nicken. Alenja tritt an ihren Vater heran und umarmt ihn. „Pass auf dich auf."
Er drückt sie an sich und küsst ihre Stirn. „Leb wohl."
Aiden zieht mich sanft mit sich, doch Alenja hält mich noch einmal fest. Ihre Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern: „Bitte überlebe."
Dann löst sie sich und verlässt mit Kendra den Saal.
Ich stehe auf dem Balkon, der Wind zerrt an meiner Kleidung. Mein Blick schweift über die dunkle Landschaft. Die Wolken ziehen sich bedrohlich zusammen.
Ein Sturm kommt. Nicht nur ein Wetterumschwung, sondern ein Sturm aus Blut und Feuer.
Noch nie habe ich einen Krieg miterlebt. Ich habe darüber gelesen – in alten Chroniken, in Geschichten. Doch jetzt bin ich mittendrin.
Wenn ich hier sterbe, dann war es das. Ich werde nie wieder nach Hause kommen. Nie wieder meine Mutter oder meine Freunde sehen.
Mein Körper steckt in einer silbernen Rüstung. Der Helm liegt unbenutzt auf einem Tisch. Ich mag es nicht, wenn er meine Sicht einschränkt. Außerdem – es wäre eine Schande, die aufwendige Frisur zu ruinieren. Die Strähnen sind kunstvoll gedreht und geflochten, verziert mit feinen Glasperlen.
Trotzdem zittern meine Hände. Mein Herz schlägt bis zum Hals. Die Angst kriecht in meine Glieder.
Werde ich im Kampf bestehen? Kann ich töten, um mich selbst zu retten?
Ich weiß es nicht.
Doch wenn der Moment kommt, wenn das Schwert an meiner Kehle liegt – dann werde ich kämpfen.
Ich werde überleben.
Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich zucke zusammen, doch als ich mich umdrehe, sehe ich Kian.
„Du solltest nicht allein sein", sagt er leise.
Ich will etwas erwidern, doch meine Stimme versagt. Er steht neben mir, sieht in die Ferne, dorthin, wo sich dunkle Reiter am Horizont abzeichnen.
„Sie kommen", flüstere ich.
Er nickt. „Ja."
Einen Moment lang stehen wir einfach nur da, während die Welt unter uns stillzustehen scheint. Doch in mir tobt bereits die Schlacht.
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Enchanted by you
FantasiFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
