Mit schnellen Schritten eile ich in die Schlossküche. Alles ist still, nur das leise Knistern des letzten erlöschenden Herdfeuers begleitet meine Bewegungen. Perfekter Moment. Niemand darf mich sehen.
Ich ziehe ein kleines Fläschchen aus einem der Regale und lege die gesammelten Zutaten vorsichtig vor mir ab. Zittrig gieße ich das magische Quellwasser hinein, dann tupfe ich vorsichtig den Blütenstaub in die Flüssigkeit. Kaum berühren sich die beiden, schimmert das Wasser in einem goldenen Licht – als würde die Magie selbst darin tanzen. Ein ehrfürchtiges Schaudern läuft mir über den Rücken.
Ich füge die Träne hinzu und dann passiert etwas unglaubliches. Die Flüssigkeit leuchtet auf. Der Trank ist fertig. Aiden kann gerettet werden.
Ich atme tief durch und schleiche mich die Treppe hinauf zu Kians Gemach. Mein Herz schlägt wild, als ich leise anklopfe. Die Tür öffnet sich einen Spalt und Kian erscheint. Seine Miene ist angespannt, doch als er mich mit dem Fläschchen in der Hand sieht, huscht ein erleichtertes Lächeln über seine Lippen.
„Du hast es geschafft?" Seine Stimme ist ein leises Raunen.
Ich nicke.
„Dann los." Er tritt auf den Gang und schließt die Tür hinter sich.
Unsere Schritte sind kaum zu hören, als wir zu Aidens Zimmer schleichen. Vor der Tür halte ich inne. „Denkst du, sie ist bei ihm?" Meine Stimme ist nur ein Flüstern.
Kian presst die Lippen aufeinander. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch."
Er drückt die Klinke herunter.
Aiden liegt auf dem Bett, die Augen geschlossen, der Atem ruhig. Doch kaum betreten wir den Raum, öffnet sich die Tür zum angrenzenden Badezimmer. Arwen tritt heraus, ihr Blick trifft meinen – und weitet sich vor Entsetzen.
„Wie kann das sein? Wie bist du hierhergekommen? Ich dachte..." Ihre Stimme bricht ab.
„Da hast du dich geirrt." Meine Stimme ist ruhig, aber fest.
Arwen blitzt mich an. „Ihr dürft nicht hier sein!" Sie tritt vor und versperrt den Weg zum Bett.
„Geh beiseite." Kian tritt neben mich, seine Stimme ist gefährlich ruhig.
Arwen hebt das Kinn. „Oder was?"
Kian hat keine Geduld für Diskussionen. Mit einer schnellen Bewegung packt er sie am Arm und zieht sie zur Seite. Sie windet sich, zappelt, doch er hält sie mühelos fest.
„Beeil dich, Thalia!" Seine Stimme ist angespannt.
Ich eile zum Bett, knie mich neben Aiden. Seine Wimpern zucken. Schlafend? Oder nur halb wach? Ich lege eine Hand an seine Wange, rüttle ihn sanft.
„Aiden, wach auf", flüstere ich.
Seine Augen öffnen sich langsam. Sie sind trüb, fremd. Doch er erkennt mich.
„Thalia?" Seine Stimme ist belegt. Er versucht sich aufzusetzen, doch ich halte ihn zurück.
„Du musst das trinken." Ich halte das Fläschchen vor sein Gesicht.
Er blinzelt. „Warum?"
„Bitte, vertrau mir."
Er zögert. „Ich trinke nichts, das ich nicht kenne. Vielleicht willst du mich vergiften."
Mein Herz verkrampft sich. „Ich würde dich niemals vergiften." Meine Stimme ist rau. „Du kennst mich!"
Sein Blick gleitet über mein Gesicht.
„Tut mir leid. Aber ich liebe nur Arwen."
Mir wird kalt. „Das ist nicht wahr. Du hattest mich einst geliebt", flüstere ich. Das ich ihn nicht mehr liebe, kann ich ihn später erklären.
Im Hintergrund kreischt Arwen wütend.
Aiden richtet sich auf. „Warum haltet ihr sie fest?"
„Weil sie dich verzaubert hat." Kians Stimme ist hart.
„Unsinn! Arwen würde das nie tun. Sie liebt mich!"
„Sie empfindet keine Liebe für dich", sage ich.
„Genug." Aidens Blick verhärtet sich. „Wenn du nicht gehst, rufe ich die Wachen."
Mein Herz bricht. Aber ich kann nicht aufgeben.
„Es tut mir leid." Ich packe sein Gesicht, halte ihm die Nase zu. Nach wenigen Sekunden öffnet er instinktiv den Mund, und ich gieße den Trank hinein. Er würgt, schluckt reflexartig.
Dann küsse ich ihn. Meine Lippen legen sich auf seine, voller Verzweiflung. Die Welt verschwimmt, existiert nicht mehr. Nur dieser eine Moment, dieser letzte Versuch, ihn zurückzuholen.
Seine Lippen sind warm, vertraut – doch keine Regung. Mein Herz zieht sich zusammen. Vielleicht war es zu spät. Vielleicht hat Arwens Zauber ihn vollständig verschlungen.
Dann, ein Zittern.
Aiden zuckt zusammen, stößt einen heiseren Laut aus und packt sich an den Kopf. Er stöhnt auf.
Ich löse mich von ihm. „Aiden?"
Er blinzelt, sein Blick klärt sich. „Was... was ist passiert?"
Mein Herz hämmert. „Du erinnerst dich nicht?"
Er fährt sich durch die Haare. „Nur verschwommen. Ich trank Tee... dann... nichts mehr."
„Sie hat dich verzaubert", sagt Kian.
Aiden dreht sich um und sieht Arwen an. Sein Blick wird eiskalt. „Stimmt das?"
Arwen hebt ihr Kinn. „Es hätte alles funktioniert... wenn sie nicht aufgetaucht wäre."
Aiden steht auf. Seine Haltung ist steif, sein Blick voller Enttäuschung. „Bruder. Bring sie in den Kerker."
Kian grinst. „Mit Vergnügen."
Er zerrt Arwen zur Tür hinaus.
Plötzlich ist es still. Ich stehe da, unfähig, mich zu bewegen. Nur Aiden und ich.
Er sieht mich an. Lange. „Thalia..."
Mein Magen zieht sich zusammen.
„Warum weinst du?" Seine Stimme ist leise.
Ich wische mir schnell die Tränen von der Wange. „Es ist nichts."
„Hat dir jemand wehgetan?"
„Nein. Ich bin nur... glücklich."
Er macht einen Schritt auf mich zu. Doch ich weiche zurück.
„Ich bin müde", murmele ich. „Wir reden später, ja?"
Aiden nickt langsam. Doch ich sehe, dass er noch Fragen hat.
Ich drehe mich zur Tür, doch bevor ich sie erreiche, steht Kian dort. Seine Augen treffen meine. Sein Blick ist intensiv.
Er tritt näher, beugt sich leicht vor. „Du hast ihm das Leben gerettet", murmelt er.
Ich atme tief durch. „Das war alles, was zählte."
„War es das wirklich?" Seine Stimme ist rau.
Mein Herz stolpert.
Doch ich antworte nicht. Stattdessen schiebe ich mich an ihm vorbei und verlasse den Raum – mit viel mehr Chaos in meinem Herzen, als ich gekommen bin.
DU LIEST GERADE
Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
