KAPITEL 24

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Die Semesterferien haben endlich begonnen. Wochenlang habe ich in der Bibliothek verbracht, mich durch unzählige Bücher gewälzt und an Essays gearbeitet. Jetzt kann ich mich endlich entspannen und mich voll und ganz auf Aiden konzentrieren. Keine Vorlesungen, keine Abgabetermine – zumindest für eine Weile muss ich nicht mehr zwischen Studium und ihm jonglieren.

Mein Handy klingelt und reißt mich aus meinen Gedanken. Ich werfe einen Blick auf das Display und nehme den Anruf entgegen.

„Hallo, Schatz! Wie geht es dir?" Die vertraute Stimme meiner Mutter hallt durch den Hörer.

„Hey, Mama. Mir geht es gut", antworte ich und lasse meinen Blick durch das Zimmer schweifen. Aiden schläft noch tief und fest. Seine ruhigen Atemzüge sind das einzige Geräusch im Raum. Seine Beine zucken im Schlaf – vielleicht träumt er von langen Ausritten mit seinem Bruder.

„Ich dachte, du könntest die Ferien zu Hause verbringen. Wir haben uns ewig nicht gesehen. Außerdem findet hier ein Fest statt. Es wäre schön, wenn du dabei wärst."

Ich beiße mir auf die Lippe. Nach Hause zu fahren klingt verlockend. Die vertrauten Straßen, mein altes Zimmer – ein bisschen Normalität wäre gar nicht so schlecht. Außerdem könnte Aiden meine Mutter kennenlernen. Vielleicht würde sie dann endlich aufhören, von Jack zu reden, und mir damit nicht mehr auf die Nerven gehen.

„Ich komme gern. Stört es dich, wenn ich jemanden mitbringe?"

Am anderen Ende der Leitung herrscht für einen Moment Stille. „Hast du etwa jemanden kennengelernt?"

„Ja, könnte man so sagen." Ich versuche, so neutral wie möglich zu klingen. Sie soll nicht gleich merken, dass ich Gefühle für ihn habe.

„Und wer ist dieser junge Mann?"

„Ein Freund von mir. Wir haben uns auf dem Campus kennengelernt."

„Oh, ich bin so froh, dass du jemanden gefunden hast!"

„Mama, wir sind nur Freunde", versuche ich klarzustellen.

„Ach, das sagen sie alle. So fängt doch jede Liebesgeschichte an."

Ich verdrehe die Augen. „Wir kommen in den nächsten Tagen an."

„Ich freue mich auf dich, mein Schatz."

Nachdem das Telefonat beendet ist, atme ich tief durch und blicke wieder zu Aiden. Seine Krone liegt ordentlich auf seinem alten Gewand. Schon seit Tagen bin ich neugierig. Ich wollte sie immer mal in die Hand nehmen, mir aus der Nähe ansehen.

Zögerlich schleiche ich mich zu seinen Sachen, nehme die Krone vorsichtig in die Hände und drehe sie im Licht hin und her. Feine goldene Verzierungen schlängeln sich um das filigrane Metall. Die Diamanten, die in die Krone eingelassen sind, glitzern im Sonnenlicht wie ein Regenbogen. Ich kann meinen Blick nicht davon abwenden – sie ist wunderschön.

Langsam hebe ich sie über meinen Kopf und setze sie auf. Ich trete zum Spiegel meines Schranks und mustere mich. Die Krone ist zu groß, rutscht mir über die Stirn, aber für einen Moment sehe ich aus wie eine Königin.

„Sie steht dir", ertönt plötzlich eine Stimme hinter mir.

Erschrocken drehe ich mich um. Aiden sitzt grinsend am Bettrand.

„Ich könnte mir dich gut auf einem Thron vorstellen. Ein Kleid aus den feinsten Stoffen würde deine Schönheit noch mehr unterstreichen."

Hastig nehme ich die Krone ab und halte sie ihm hin. „Tut mir leid. Ich war neugierig."

„Du musst dich nicht entschuldigen", sagt er sanft und nimmt sie entgegen. „Ich hätte sie dir auch angeboten."

Ich räuspere mich und versuche, das Thema zu wechseln. „Meine Mutter hat mich eingeladen, die Ferien zu Hause zu verbringen. Ich habe zugesagt – mit dem Hinweis, dass du mitkommst."

Enchanted by youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt