KAPITEL 14

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Es ist überwältigend. Marmorsäulen soweit das Augen reicht. Decken mit fein verziertem Stuck.  

Edel. Vornehm. 

Als würde ich einen Palast betreten. Nur langsam gehe ich weiter, während ich immer noch von dem Marmor und der Deckenverzierungen fasziniert bin.

Das Treppenhaus übertrifft die Eingangshalle um weiten. Ein funkelnder Kronleuchter. In den Ecken stehen Sessel, welche geradezu dazu einladen länger zu verweilen. 

Ich laufe weiter und finde mich in einem großen Saal wieder. Die dunkle Sternendecke scheint durch die zahlreichen Fenster in der Decke. Wie in einem Bann bewege ich mich nicht vom Fleck. 

Es fällt mir schwer mich von diesem magischen Anblick zu lösen. Doch ich muss mir auch den Rest der Bibliothek anschauen. Ich wandere ziellos durch die Gänge. Meine Freunde sind schon weit voraus gegangen. Ich lasse mich nicht hetzen. Im Gegenteil: Ich genieße es mit jedem Atemzug. 

Meine Finger gleiten über die alten Bücherrücken entlang. So viel Wissen steckt in all den Büchern. Man würde Jahre brauchen, um das ganze Sortiment zu lesen. 

Als ich weiter laufe, fällt mir ein Buch ins Auge. Es ist ungewöhnlich. Kleiner als die anderen. So, als würde es nicht hierher gehören. Vorsichtig ziehe ich es aus dem Regal heraus. Neugierig drehe ich es in meinen Händen. Ein feiner Goldrand ziert das Cover. In verschnörkelter Schrift stehen die Buchstaben "Die Geschichte der mysteriösen Kriegerin".

Der Ledereinband sieht neu aus. An den Seiten erkenne ich einen Goldschnitt, der um Dunklen fast aufblitzt. Ich kann es nicht aus der Hand nehmen. Es scheint so, als würde es mich magisch anziehen. Neugierig schlage die erste Seite auf und sehe, dass kein Bibliotheksstempel die Seite verunstaltet. 

Meine Vermutung wurde bestätigt: Es gehört nicht hier her. Womöglich hat es jemand vergessen. Doch solange es niemand vermisst, ergreife ich die Chance und werde es lesen. Danach werde ich es wieder an die Stelle zurücklegen. So wird niemand merken, dass das Buch fehlt. Zumindest hoffe ich es. 

Eine Stimme holt mich aus meinen Gedanken.

"Thalia!"

Ich drehe mich um und sehe Alice vor mir stehen. "Erschrecke uns nicht so. Wir haben nach dir gesucht." Ihre Miene ziert einen Hauch von Sorge. 

"Tut mir leid. Ich war nur so fasziniert von der Schönheit, da konnte ich nicht anders als alles genauer zu betrachten", sage ich und zeige um mich umher. "Ich dachte, ihr seid schon vorgelaufen."

Sie schüttelt den Kopf und seufzt auf. "Komm wir gehen zurück", sagt sie und nimmt sanft meinen Arm um mich zurück zum Hauptgang zu führen. "Es ist schon spät und morgen gehen die ersten Vorlesungen los." 

Ich kralle das Buch fest an mich und verstecke es unbemerkt unter meiner Jacke. Alice muss nicht wissen, dass ich ein herrenloses Buch mitgehen lasse. 

Draußen warten die anderen bereits auf uns. Als sie uns sehen, beginnen sie zu jubeln. So, als wäre ich seit einer langen Zeit verschollen.

"Da ist sie ja", ruft Cody und wirft seine Hände in die Luft.

Ich lächle verlegen. "Tut mir leid, dass ich euch Sorgen bereitet habe. "Die Bücher waren nur so faszinierend." 

"Das dachten wir uns", sagt Cody und winkt uns zu sich. "Komm, wir bringen dich zurück."

Als ich zurück in meinem Zimmer bin, atme ich tief aus. So viele neue Leute kennen zu lernen hat mich Kraft und Mut gekostet. Sie benehmen sich schon wie Erwachsene, sind jedoch nur ein paar Jahre älter als ich. Ich frage mich, ob studieren alt macht. Der Stress wird mir neue Hürden setzten, so viel steht fest.

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