KAPITEL 39

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„Ich mache alles", stoße ich atemlos aus, meine Brust hebt und senkt sich heftig.

Aiden sieht mich intensiv an, ein Hauch von Unsicherheit in seinen Augen. Dann, fast flüsternd, sagt er: „Ein Kuss. Mehr nicht."

Ohne zu überlegen nicke ich.

Seine Hand gleitet von meiner Hüfte hoch zu meiner Wange, seine Finger berühren sanft meine Haut. Dann beugt er sich zu mir, sein Atem streift meine Lippen, bevor er sie vorsichtig auf meine legt. Hitze durchströmt mich. Ich habe seine Lippen so sehr vermisst.

Ich drücke mich näher an ihn, verschmelze mit ihm, und er zögert keinen Moment, den Kuss zu vertiefen. Seine Lippen bewegen sich synchron mit meinen, als wären wir füreinander bestimmt. Er löst meine Hände von seinem Griff, und sofort vergrabe ich meine Finger in seinen Haaren. Wir verlieren uns in der Berührung, geben uns diesem Moment vollkommen hin.

Ich versuche, die Oberhand zu gewinnen, ihn dazu zu bewegen, sich mit mir umzudrehen, doch anstatt die Kontrolle zu übernehmen, geraten wir ins Straucheln. Ehe ich realisiere, was passiert, rollen wir den kleinen Hügel hinunter. Wir lachen, stoßen kurz voneinander ab, nur um uns in der nächsten Drehung wieder aneinanderzuklammern. Gras und Blütenblätter umhüllen uns, während wir tiefer in die Wiese kullern.

Als wir zum Stillstand kommen, liege ich auf ihm. Meine Hände ruhen auf seiner Brust, sein Herz pocht wild unter meinen Fingern. Atemlos sehe ich ihn an, unsere Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt.

„So war das aber nicht geplant", murmelt er mit einem schiefen Lächeln.

„Aber so hat es viel mehr Spaß gemacht", flüstere ich, ein Lachen liegt auf meinen Lippen.

Seine grünen Augen sind voller Zuneigung. Keine Spur mehr von Sorgen oder Kummer. Nur wir. In diesem Moment.

Er streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und seufzt. „Ich wünschte, dieser Moment würde nie zu Ende gehen."

Ich öffne den Mund, um ihm zu antworten, doch ein lauter Ruf reißt uns auseinander. Aiden richtet sich auf, seine Arme um meine Taille, um mich zu stützen. Wir suchen nach der Quelle der Störung, und dann sehe ich ihn – Fynn. Er steht an unserem Picknickplatz, die Arme verschränkt, ein spöttisches Funkeln in den Augen.

„Ich glaube, wir müssen zurück", sagt Aiden leise und hilft mir auf die Beine. Er nimmt meine Hand, und gemeinsam eilen wir zurück.

Fynn mustert uns, hebt eine Braue und schüttelt den Kopf. „Ich habe euch überall gesucht", beginnt er, doch Aiden hebt nur eine Hand.

„Was gibt es so Dringendes, dass du unsere Abwesenheit nicht ertragen konntest?" Seine Stimme klingt neckend.

Fynn verschränkt die Arme. „Der Ball beginnt bald. Es wäre ratsam, wenn Ihr Euch vorbereitet."

„Dann packen wir zusammen", sagt Aiden und lässt meine Hand los.

Ich beeile mich, alles in den Korb zu legen, während Aiden die Decke zusammenfaltet. Als ich versuche, auf mein Pferd zu steigen, will es mir nicht gelingen. Plötzlich spüre ich warme Hände an meiner Taille. Aiden hebt mich mühelos in den Sattel. Ich sehe zu Fynn, der die Szene kommentarlos verfolgt.

Wir reiten los. Ich in der Mitte, geschützt zwischen den beiden Männern.

Dann sehe ich es. Ein weißer Schimmer zwischen den Bäumen. Nur für einen Moment, dann ist es verschwunden.

„Da war etwas", sage ich leise, deutend in die Richtung.

„Wahrscheinlich nur ein Tier", meint Fynn beiläufig, doch ich bin mir nicht sicher.

Ich lenke mein Pferd in Richtung Wald. Aiden folgt mir sofort. Fynn seufzt hörbar, doch letztendlich reitet auch er hinter uns her.

Nach einigen Metern erkenne ich es. Mein Herz schlägt schneller.

Zwischen den Bäumen, verborgen im sanften Licht der untergehenden Sonne, steht eine kleine Herde Einhörner.

Mir stockt der Atem. „Unglaublich", flüstere ich ehrfürchtig.

Aiden tritt neben mich, sein Blick auf die majestätischen Wesen gerichtet. „Sie sind wunderschön."

Ich nicke, unfähig, den Blick abzuwenden. „Du hattest recht", flüstere ich.

„Womit?"

„Einhörner existieren."

Er schmunzelt. „Warum sollte ich dich belügen?"

„Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen."

„Und jetzt?"

Ich beobachte, wie eines der Einhörner den Kopf hebt und uns mit seinen sanften, silbernen Augen mustert. „Jetzt glaube ich an Magie."

Ein Räuspern unterbricht uns. Fynn lehnt an einem Baum, sichtlich ungeduldig. „Ich unterbreche eure magische Offenbarung nur ungern, aber wir müssen los."

Ein leises Seufzen entweicht mir. „Wenn es sein muss..."

Grummelnd steige ich wieder auf mein Pferd, Aiden hilft mir erneut. Ein letzter Blick zu den Einhörnern, dann kehren wir um.

Lachend rennen Aiden und ich durch die Schlossgänge.

Nachdem wir den Picknickkorb zurückgebracht haben, hatte er mich mit einer Schüssel Teig in der Küche attackiert. Jetzt habe ich klebrige Teigreste in meinen Haaren, und er trägt einige Flecken auf seiner Wange.

„Hoffentlich sieht uns keiner", kichere ich, während ich versuche, den Teig aus meinen Strähnen zu bekommen.

„Wir würden definitiv Ärger bekommen", stimmt Aiden zu, ein schelmisches Funkeln in seinen Augen.

Ich spähe vorsichtig um die Ecke, um sicherzugehen, dass keine Wachen in der Nähe sind. Dann huschen wir lachend weiter.

Plötzlich zieht Aiden mich eine weitere Etage nach oben.

„Wohin bringst du mich?" Ich lache noch immer.

„Vertrau mir."

Er bleibt vor einer Tür stehen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, und öffnet sie.

Kaum sind wir drinnen, lehnt er sich an die Wand, stützt sich mit einer Hand ab und hält sich mit der anderen den Bauch. Seine Schultern beben vor unterdrücktem Lachen.

„So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr", sagt er schließlich, während er sich beruhigt.

Ich wische mir eine Lachträne aus dem Augenwinkel. „Ich bin erstaunt, dass wir nicht erwischt wurden."

„Dann lass uns schnell das Chaos in unserem Gesicht beseitigen."

Er verschwindet kurz und kehrt mit zwei feuchten Tüchern zurück. Dankbar nehme ich eines und wische mir die Stirn ab. Dann tupfe ich meine Haare trocken.

„Ist der Teig weg?", frage ich unsicher und drehe den Kopf.

Aiden tritt näher. Seine Finger fahren sanft durch meine Strähnen.

„Alles sauber", murmelt er.

Ich hebe mein Tuch, um ihm ebenfalls die Teigreste abzuwischen. Gerade in diesem Moment öffnet sich die Tür.  Der König tritt ein.

Aiden erstarrt. Ich halte immer noch das Tuch an seiner Wange. Die Luft zwischen uns wird schwer. Der König mustert uns, seine Miene ausdruckslos.








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