„Alenja! Was verheimlichst du?", frage ich drängend und trete einen Schritt näher.
Sie presst die Lippen aufeinander, als wollte sie die Worte darin gefangen halten. Doch ihre Augen verraten sie – ein Funke Unsicherheit flackert darin auf. „Nach dem kleinen Zwischenfall ist... etwas passiert."
Ein ungutes Gefühl kriecht in mir hoch. „Was ist passiert? Hat der König noch etwas gesagt?"
„Nein." Sie schüttelt hastig den Kopf. „Vater hat nichts gesagt. Aber ich konnte sehen, dass er kocht vor Wut."
Mir wird kalt. „Dann sag mir endlich, was geschehen ist."
Sie atmet tief durch. „Jemand ist aufgetaucht. Eine Frau."
Ich runzle die Stirn. „Eine Frau?"
„Ja. Eine Fremde. Sie war wunderschön, elegant. Ihre Schritte so anmutig wie die einer Tänzerin. Jeder Mann im Saal hat ihr nachgesehen, aber sie... sie hat sich nicht für sie interessiert. Ihre Augen waren nur nach vorn gerichtet, als hätte sie ein einziges Ziel."
Mein Magen zieht sich zusammen. „Wer ist sie?"
„Ich weiß es nicht. Vielleicht eine Tochter eines Adeligen. Sie hat sich einfach hingesetzt und das Turnier angesehen. Doch das Seltsame war, wie mein Vater sie beobachtet hat. Er wirkte... nachdenklich."
Ein bitterer Geschmack breitet sich in meinem Mund aus. „Vielleicht hat er eine Braut für Aiden gefunden", sage ich mit einem gezwungenen Lächeln, doch mein Herz schlägt schneller.
„Aiden war nicht da", erwidert sie leise. „Kian hat ihn gesucht und gefunden. Er war auf seinem Gemach. Allein. Wollte mit niemandem sprechen."
Ich spüre, wie sich meine Hände zu Fäusten ballen. „Wird diese Frau heute Abend beim Ball sein?"
Alenja zuckt mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber mach dir keine Sorgen. Sie hat keine Chance gegen dich."
Leicht schiebt sie mich zur Tür. „Komm. Wir sollten gehen, bevor sich alle Fragen stellen, wo du bleibst."
Die Gänge des Schlosses sind von warmem Kerzenlicht durchzogen, doch die Blicke, die mich treffen, fühlen sich eiskalt an. Zofen und Wachen versuchen, nicht allzu offensichtlich zu starren, doch ich spüre es dennoch.
Mit jedem Schritt, den wir dem Ballsaal näherkommen, steigt der Geräuschpegel. Gedämpftes Lachen, leise Gespräche, das Klirren von Gläsern.
Dann erreichen wir die großen Türen. Eine Wache kündigt unsere Ankunft an, und das Stimmengewirr verstummt. Köpfe drehen sich. Ich sehe die Blicke. Einige mit Neugier, andere voller Neid. Alenja wird akzeptiert – sie ist eine Prinzessin. Aber ich? Ich bin eine Außenseiterin. Trotzdem hebe ich das Kinn, zwinge mich zu einem selbstbewussten Lächeln.
Am Rande des Saals stehen Aiden, Kian und Fynn. Sie unterhalten sich, bis Fynn beide anstupst und auf mich zeigt. Aiden verstummt abrupt.
Kian jedoch fängt sich zuerst. Er tritt vor, greift nach Alenjas Hand und küsst ihre Wange. Dann nimmt er meine Hand und haucht einen Kuss darauf. „Thalia, dein Anblick raubt mir den Atem", sagt er mit seinem typischen, verschmitzten Lächeln.
„Kian, hör auf. Ich werde noch ganz rot", erwidere ich und kann das leichte Kribbeln auf meinen Wangen nicht verhindern.
Aiden sieht mich immer noch an. „Thalia..." Seine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern. „Du siehst aus wie eine Königin."
Sein Bruder stößt ihn an. „Sei vorsichtig, sag das nicht zu laut. Nicht, dass Vater es hört", zischt er warnend.
Aiden ignoriert ihn und dreht sich zu mir. „Schenkst du mir einen Tanz?"
Ich erwidere sein Lächeln. „Ich kann dem Prinzen doch keinen Korb geben."
Seine Finger umschließen meine, als er mich auf die Tanzfläche führt. Die Musik setzt ein, und wir beginnen uns im Rhythmus zu bewegen. Für einen Moment gibt es nur uns. Doch dann erwische ich mich dabei, wie ich mich umsehe. Suche. Und als ich merke, wonach – oder eher nach wem – ich Ausschau halte, wird mir übel.
„Thalia?" Aiden mustert mich aufmerksam. „Was bedrückt dich?"
„Nichts", flüstere ich.
„Du lügst." Seine Stimme ist sanft, aber bestimmt.
Ich seufze. „Alenja hat mir von einer Frau erzählt, die beim Turnier aufgetaucht ist."
Aiden erstarrt kurz. „Du hast Angst, nicht wahr?"
Ich sage nichts.
„Angst, dass mein Vater sie für mich ausgesucht hat? Dass ich mich in sie verliebe und dich vergesse?"
Ich nicke, kaum merklich.
Er bleibt stehen, zieht mich näher an sich. „Ich liebe nur dich, Thalia."
Ich will ihm glauben. Will es so sehr. Aber dann fühlt es sich an, als würde sich die Welt verlangsamen.
Eine Hand legt sich auf Aidens Schulter. Ein Schatten fällt auf mich.
Ich weiß, wer es ist, noch bevor ich mich umdrehe. Carden.
Seine rabenschwarzen Haare fallen ihm locker ins Gesicht. Seine eisblauen Augen funkeln gefährlich. Die Rüstung, die er sonst trägt, hat er gegen eine schwarze Robe getauscht, verziert mit silbernen Stickereien.
„Darf ich abklatschen?", fragt er.
Aiden spannt sich an, seine Hand verstärkt den Griff um meine.
„Ich glaube nicht, dass sie das will", sagt er scharf.
Carden lacht leise. „Sicher? Vielleicht sollte sie selbst entscheiden."
Aidens Blick huscht zum König. Sein Vater beobachtet uns genau.
Sein Kiefer spannt sich an. Dann lässt er meine Hand los. „Ich will kein Aufsehen erregen."
Carden schenkt ihm ein triumphierendes Lächeln, bevor er sich mir zuwendet. Seine Hand findet meine Taille, zieht mich näher. Sein Griff ist fest, fast besitzergreifend.
„Was willst du?", frage ich kühl.
Sein Lächeln wird breiter. „Ich will meine zukünftige Braut kennenlernen."
Ich schnaube. „Schon mal daran gedacht, dass deine Braut kein Interesse hat?"
Er lacht, dreht uns im Takt der Musik. „Oh, du kannst es leugnen, aber ich sehe es in deinen Augen."
Ich reiße mich zusammen. „Du deutest falsch. Ich dachte gerade an Aiden."
Er lacht noch lauter. „Nette Lüge. Aber dein geliebter Prinz denkt gerade nicht an dich."
Ich folge seinem Blick. Und mein Herz bleibt stehen. Aiden sieht mich nicht an. Seine Aufmerksamkeit liegt auf der Fremden, die soeben den Ballsaal betreten hat. Sie bewegt sich mit müheloser Eleganz durch den Raum, als würde sie genau hierher gehören.
Und Aiden... kann seinen Blick nicht von ihr lösen.
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
