Ich ziehe Aiden hinter mir her, während er sich fasziniert umsieht. Seine Augen huschen von einem Gebäude zum nächsten, von den vorbeifahrenden Autos bis zu den blinkenden Ampeln. Immer wieder bleibt er kurz stehen, als müsste er jedes Detail in sich aufnehmen.
Bei jedem Hupen eines Autos oder Busses zuckt er zusammen und mustert die Fahrzeuge mit einer Mischung aus Staunen und Skepsis. „Was sind das für Wesen, die die Straßen beherrschen?", fragt er schließlich und deutet auf die vielen Autos.
Ich lache leise. „Das sind Autos und Busse. Sie bringen uns von einem Ort zum anderen, oft über weite Strecken."
„Wie ein Pferd?", fragt er und hebt fragend eine Augenbraue.
„Nicht ganz. Sie sind viel schneller, wettergeschützt und können sogar Dutzende von Menschen gleichzeitig transportieren. Stell sie dir wie Kutschen vor – aber ohne Pferde."
Er scheint es zu verstehen und nickt langsam. „Es ist alles so fortschrittlich!", ruft er begeistert aus, bevor er unvermittelt auf die Straße zusteuert – genau in den fließenden Verkehr.
Schnell packe ich ihn am Arm und ziehe ihn zurück. „Bist du wahnsinnig?! Du wärst fast überfahren worden!"
Verwirrt sieht er mich an. „Warum sind wir stehen geblieben?"
Ich deute auf die rote Ampel über uns. „Siehst du das rote Männchen da drüben? Solange es rot ist, müssen wir warten. Erst wenn es grün wird, können wir gehen."
Aiden betrachtet das Ampelmännchen mit ernster Miene. „Eine mechanische Wache, die über das Volk wacht... faszinierend."
Ich verdrehe die Augen, doch als die Ampel schließlich umspringt, läuft er mit einer kindlichen Freude über die Straße, als hätte er gerade ein großes Geheimnis der modernen Welt entschlüsselt.
Während wir durch die Stadt schlendern, bemerkt er die vielen Menschen, die mit gesenktem Kopf auf ihre Handys starren. Einige tragen Kopfhörer, andere tippen ununterbrochen Nachrichten, ohne ein einziges Mal aufzusehen.
„Warum ignorieren sie ihre Umgebung?", fragt Aiden irritiert. „Es gibt so viel Schönes zu sehen!"
Ich seufze. „Für sie ist das hier Alltag. Sie sind hier aufgewachsen, also erscheint es ihnen nicht mehr besonders. Außerdem... manchmal braucht man eine Ablenkung von der Realität."
Aiden runzelt die Stirn. „Eine andere Welt also?"
Ich nicke. „Ja, die digitale Welt. Aber die erkläre ich dir später. Erstmal brauchen wir eine neue Garderobe für dich."
Auf dem Weg zum Einkaufszentrum bleibt mein Blick an einem Blumenstand hängen. Die Pfingstrosen in zartem Blau heben sich wunderschön vom satten Grün ihrer Blätter ab. Ich bleibe stehen und betrachte sie einen Moment. Ihre Blüten sind noch geschlossen, doch man kann schon jetzt erahnen, wie prächtig sie bald blühen werden.
Plötzlich höre ich eine laute Diskussion hinter mir. Ich drehe mich um und entdecke Aiden, der sich mit der Verkäuferin des Blumenladens streitet.
„Was ist hier los?", frage ich und sehe abwechselnd zwischen den beiden hin und her.
Die Frau verschränkt die Arme vor der Brust und funkelt Aiden an. „Der Herr wollte mit einer Spielzeugmünze bezahlen!" Sie hält eine goldene, schimmernde Münze hoch.
Aiden schnaubt empört. „Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass diese Münze aus reinem Gold geschmiedet wurde. Sie ist ein Vermögen wert!"
Ich unterdrücke ein Lachen. Natürlich glaubt die Verkäuferin ihm nicht. Wer zahlt heutzutage noch mit Gold?
DU LIEST GERADE
Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
