Einige Wochen sind vergangen, seit meiner letzten College-Party. Und doch geistern meine Gedanken immer noch um Jonah. Wenn er nicht diese oberflächliche Einstellung gegenüber Frauen hätte, wäre er vielleicht jemand, den ich gern besser kennenlernen würde. Aber leider ist er wie die meisten Kerle hier – kein Interesse an echten Beziehungen, nur an schnellen Abenteuern.
Warum kann er nicht wie Aiden sein? Ein Gentleman. Jemand, dem Charakter wichtiger ist als Aussehen. Einer, der seine eigenen Bedürfnisse hintanstellt, um für die Menschen da zu sein, die ihm etwas bedeuten. Einer, der bleibt, selbst wenn die ganze Welt gegen einen ist.
Seufzend hole ich meine Schulunterlagen aus dem Rucksack und lehne mich gegen den massiven Stamm eines alten Baumes. Der Spätsommer hüllt den Campus in ein warmes, goldenes Licht, während ein sanfter Wind durch die Blätter fährt und eine beruhigende Melodie erzeugt. Wenn ich jetzt die Augen schließen würde, könnte ich mir vorstellen, auf einer Lichtung zu sitzen, umgeben von endlosen Wäldern, in denen die Natur in vollkommener Harmonie existiert.
Ich habe mich langsam an das Leben hier gewöhnt. Mein Stundenplan unterscheidet sich deutlich von dem in der High School – mal habe ich am Vormittag frei, mal erst am Nachmittag, oder ich muss abends noch in eine Vorlesung. In den freien Stunden sitze ich oft in der Bibliothek, vertiefe mich in Bücher oder recherchiere für Hausarbeiten. Manchmal streife ich mit meinen neuen Freunden durch Boston, entdecke kleine Cafés, Buchläden oder Parks. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich immer noch die Einzelgängerin, die sich in ihren Büchern versteckt. Aber sie nehmen mich, wie ich bin – mit all meinen Ecken und Kanten. Durch sie habe ich gelernt, mich mehr zu öffnen, selbstbewusster zu sein und gleichzeitig zu akzeptieren, dass Schwächen kein Makel sind.
Trotzdem... meine Gedanken kehren immer wieder zu Aiden zurück. Ich versuche mich zurückzuhalten, aber dieses Buch lässt mich nicht los. Seit Tagen kämpfe ich dagegen an, meine gesamte Freizeit damit zu verbringen, und doch weiß ich, dass ich heute wieder schwach werde. Mit einem sehnsüchtigen Seufzen ziehe ich das Buch aus meinem Rucksack, schlage es auf und lasse mich von den Worten verschlingen.
So sehr, dass ich nicht merke, wie sich ein Schatten über mich legt.
„Und sie liest schon wieder."
Verdutzt blicke ich auf. Cody, Alice, Ella und Austin stehen über mir und grinsen, während sie Pizza-Kartons balancieren.
„Und wenn schon", kontere ich und greife nach einem der Kartons. Doch Cody zieht ihn höher, außerhalb meiner Reichweite.
„Du hast das Ding ständig in der Hand", sagt Alice und macht Anstalten, mir das Buch zu entwenden.
„Stimmt doch gar nicht!" Ich weiche mit einem schnellen Schritt zurück.
„Wann bist du endlich durch damit?" Cody beißt in seinen Schokoriegel. Ich frage mich, wie viele er heute schon verdrückt hat. Er hat immer einen dabei – unser persönlicher Lebensretter, wenn wir Hunger haben.
Ich blättere durch die Seiten. Mein Blick bleibt am Ende des Buches hängen. Doch je weiter ich komme, desto seltsamer wird es. Die letzten Kapitel – sie sind leer. Die Seiten sind einfach... weiß.
„Seltsam", murmle ich.
„Was ist?"
Ich sehe in eine Runde neugieriger Gesichter. „Das Buch hört einfach auf. Keine Auflösung, kein Epilog – es endet mitten im Satz, und dann... nichts."
„Was? Das kann doch nicht sein", meldet sich Ella ungläubig zu Wort.
„Lass mal sehen." Austin nimmt mir das Buch ab und blättert es durch. Auch seine Miene verzieht sich vor Verwirrung.
„Vielleicht ist es ein Fehlexemplar", schlägt Ella vor, während sie selbst durch die Seiten fährt.
„Gib es zurück und kauf dir ein neues", wirft Cody lässig ein.
Doch ich schüttle den Kopf. „Nein, irgendwas an diesem Buch... es zieht mich magisch an. Ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken. Ich muss wissen, wie es endet."
Cody schnaubt amüsiert. „Hast du dich etwa in deinen Märchenprinzen verliebt? Du weißt schon, dass er nicht echt ist, oder?"
„Das ist Quatsch!" Ich spüre, wie meine Wangen heiß werden. „Warum sollte ich mich in einen Buchcharakter verlieben?"
„Such dir lieber jemanden, der real ist." Austin lehnt sich zurück. „Was ist eigentlich mit Jonah? Habt ihr noch Kontakt?"
Bei der Erwähnung seines Namens verkrampft sich mein Magen. Ich ziehe scharf die Luft ein. „Es hat einfach nicht gefunkt. Jedenfalls nicht von meiner Seite aus."
„Gib die Hoffnung nicht auf." Ella klopft mir aufmunternd auf die Schulter. „Der Richtige kommt noch – und wenn es soweit ist, wirst du an niemand anderen mehr denken können."
„Ja, aber nagel den Typen nicht auf die Standards deines Buchprinzen fest." Austin deutet auf das Buch in Ellas Händen. „Solche Männer existieren nicht. Niemand ist perfekt."
„Schön wär's..." Ich lächle schief. „Aber ich weiß, was du meinst."
Die anderen schütteln verständnislos den Kopf und setzen sich zu mir ins Gras. Endlich landen die Pizzakartons vor mir. Ich will mir ein Stück schnappen – doch erneut zieht Cody es weg.
„Was ist jetzt wieder?" frage ich genervt.
„Du bekommst erst Pizza, wenn du uns versprichst, reale Typen nicht sofort abzuweisen, nur weil sie keine Märchenprinzen sind."
Ich verdrehe die Augen, aber das Lächeln auf meinen Lippen verrät mich.
„Deal."
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
