KAPITEL 41

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Wir gehen den Gang entlang und hören schon von weiten die Menge reden und lachen. Kendra geht voran. Ich folge ihr einige Schritte dahinter und versuche mich unauffällig zu benehmen. Ich sehe wie viele Menschen in Richtung des Thronsaals laufen. Jede eingeladene Frau trägt die schönsten Kleider, die sie besitzen. Die Herren tragen festliche Gewänder.

In der Menge werde ich nicht auffallen. Ich sehe so aus, als wäre ich selbst eine eingeladene Adlige.

Kendra sieht unauffällig zu mir und mischt sich mit einem letzten Lächeln unter die Gäste. Ab und an sehe ich, dass sie mir Blicke zuwirft.  Unauffällig stelle ich mich an den Rand der Treppe und versuche mich in eine der Schlangen zu mischen. Manche Frauen sehen mich mit einem hochnäsigen Blick an, andere starren mich regelrecht an. Ich lächle ihnen zu und versuche die Gesprächsfetzten zu verstehen.

Eine Hand umschlingt meinen Arm. Erschrocken fahre ich umher und sehe Fynn neben mir. Auch er ist in einem passenden Anzug gekleidet. 

Ich sehe ihn verwundert an. 

Er beugt sich zu mir. „Bleib ruhig und lächle", flüstert er. "Ich begleite dich rein und werde auf dich aufpassen."

Jetzt habe ich mehr Fragen als vorher. Der Grummel höchstpersönlich ist jetzt mein Bodyguard. An seinem Blick erkenne ich, dass es sich nicht lohnt nachzufragen. Also lächle ich und lasse mich von ihm in den Thronsaal führen.

Die Angestellten haben sich übertroffen. Die Kronleuchter wurden auf Hochglanz poliert. Ein riesiges Buffet wurde errichtet. In Mitten der Tafel steht eine Eiskulptur, der Göttin Andastra, die nicht schmilzt. Zudem stehen Tische und Stühle am Rand des Saals. Die Mitte wurde freigehalten. Höchstwahrscheinlich wird dort der Ball als Tanz stattfinden. 

Der Saal füllt sich und Fynn führt mich in eine ruhige Ecke. Von unserem Punkt aus, haben wir einen guten Blick auf die Gäste, das Buffet sowie den Thron.

„Warum musst du mich beschützen?", frage ich so leise, dass nur er es versteht.

„Wir wissen nicht, ob Spione unter uns sind", antwortet er knapp.

Deswegen soll ich mich unter das Volk mischen. Für den Fall, dass jemand spioniert, bin ich nicht so auffällig wie ein bunter Hund. Doch wer würde spionieren? Sie alle leben doch ein friedliches Leben unter der Herrschaft von König Ulik. Doch wenn Geld im Spiel ist, fällt die Hemmschwelle bei vielen. Ich schaue mich um. So wie die Gäste aussehen, würde ich keinen verdächtigen. Schließlich sind die meisten von royalem Blut.

Ich kann mich nicht weiter umschauen, da die Fanfaren ertönen. Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf den Eingang. Der König tritt als erster über die Schwelle. Gefolgt von Aiden und Alenja. Sie gehen anmutig durch den Saal. Meine Augen verfolgen Aiden. Mal wieder sieht er fantastisch aus. Die Haare zurückgekämmt. Ein enganliegender, schwarzer Anzug, sowie die blaue Scherbe, welche die königliche Familie trägt. Seine Augen sind auf seinen Vater gerichtet.

Am Thron angekommen, drehen sie sich zu uns um. „Herzlich Willkommen." Schallt es durch den Saal. „Ich begrüße sie im Namen meiner Familie und erfreue mich euren zahlreiche Kommen. Auf einen erfolgreichen Abend!", verkündet der König.

Die Menge klatscht begeistert. Aiden und ich machen es ihnen nach, Dann wird es wieder still. „Mein Sohn Aiden hat sich dazu entschieden, als mein Nachfolger den Thron zu besteigen. Dazu wird es in naher Zukunft die Krönungszeremonie gefeiert. Jeder König braucht eine Königin. Mein Sohn wird sich eine eurer schönen Töchter aussuchen."

Jetzt tobt die Menge. Jubelrufe werden lauter. Ich höre, wie einige Mädchen einen sehnsüchtigen Seufzer ausstoßen. Anscheinend hat er die Qual der Wahl. Ich sollte mich freuen. Es ist besser so. Er wird sicher eine geeignete Partnerin finden. Ich darf nicht so selbstsüchtig sein. Aiden hat es verdient glücklich zu werden. Auch ohne mich. Doch ich spüre wie Eifersucht in mir aufkommt. Jedoch will ich, dass er keine andere erwählt.

Aiden steht auf und geht durch die Reihen der Mädchen. Von weiten sehe ich schon, dass sie alle nur so mit Gold behangen sind. Ein blondes Mädchen tritt mutig hervor und begrüßt ihn. Er, der Gentleman in Person, verbeugt sich vor ihr und drückt ihr einen Kuss auf den Handrücken. Dann führt er sie an der Hand auf die Tanzfläche. Sie verbeugen such und beginnen zu tanzen. Eine schöne Melodie fängt an zu spielen und ich sehe dabei zu, wie sie über die Tanzfläche gleiten. Sie allein. Alle Welt schaut ihnen dabei zu. Langsam füllt sich die Tanzfläche und mehrere Paare beginnen zu tanzen.

„Möchtest du tanzen?", fragt Fynn neben mir.

Ich erstarre und sehe ihn mit großen Augen an. „Meinst du das ernst?"

Ich kann den Hauch eines Lächelns auf seinen Lippen sehen. „Natürlich. Es ist immerhin ein Ball. Es würde eher auffallen, wenn wir nicht tanzen würden."

„Ich muss dich warnen. Ich habe zwei linke Beine."

Er zieht seine Augenbrauen zusammen. „Ich weiß nicht was du damit meinst, doch du kannst dich auf mich verlassen. Ich werde dich nicht fallen lassen." Er hält mir seine Hand hin.

Zaghaft ergreife ich seine, welche in einem weißen Handschuh verdeckt wird. Wir mischen uns unter die tanzende Menge. Behutsam legt er eine Hand auf meine Hüfte und zieht mich näher zu sich heran. Die andere ergreift er. 

„Lass dich einfach von mir führen", flüstert er mir zu. Fynn schiebt mich in eine Richtung und automatisch passe ich meine Schritte an seine an. Wir drehen uns im Kreis und ich versuche nicht allzu oft nach unten zu sehen. „Vertrau mir. Ich werde dich nicht blamieren."

Schnell schaue ich wieder auf. Ich sollte ihm vertrauen. Ich kann ihn vertrauen. Schließlich vertraut Aiden ihn ebenfalls.

Ich versuche mich zu entspannen. Locker zu lassen und diesen Moment genießen. Wir gleiten dahin und tanzen an den Leuten vorbei. Auch an Aiden und seiner Tanzpartnerin. Im Moment des Tanzens treffen sich unsere Blicke. Ich sehe, wie er seine Augen aufreißt und der Mund leicht geöffnet ist. Anscheinend hat er mit meinem Anblick nicht gerechnet. Seine Begleiterin dagegen sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an. Wenn Blicke töten könnten, hätte sie mich soeben ermordet.

Wir tanzen noch ein paar Tänze, dabei sehe ich auch Alenja und Kendra mit anderen Jungen tanzen. Ständig im Blick des Königs. Er sitzt auf seinem Thron und schaut über die Menge. Bedacht, dass alles nach Plan läuft. Langsam tun mir meine Füße weh, doch ich möchte mich nicht beklagen. Ich bin dankbar, dass Fynn mit mir tanzt. Er ist ein begnadeter Tänzer und schafft es, dass ich langsam aus mir herauskomme und den Abend genieße. Das Lied endet und wir verbeugen uns.

„Darf ich einspringen?"


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