KAPITEL 60

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„Wie soll ich mich beruhigen, wenn du mir sagst, dass ich in Gefahr bin?!" Meine Stimme bebt vor Aufregung.

Kian sieht mich ernst an. „Ich glaube, Carden will dich entführen."

Mein Atem geht stoßweise. Panik kriecht in mir hoch. „Das hilft mir nicht!" Ich presse eine Hand auf meine Brust, versuche, mein rasendes Herz zu beruhigen. „Ich glaube, ich habe eine Panikattacke."

„Wie kann ich dir helfen?" Seine Stimme ist sanft, fast flehend.

„Gar nicht!" fauche ich. „Bleib einfach auf Abstand. Ich muss das erst verarbeiten."

Kian senkt den Blick, als hätte ich ihn geschlagen. „Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht aufregen. Ich will dich nur beschützen."

„Indem du mir sagst, dass ich entführt werde?" Meine Stimme überschlägt sich beinahe.

„Es ist eine Möglichkeit... aber es muss nicht so kommen."

Ich lege den Kopf schief, mustere ihn. „Eine grausame Möglichkeit."

Er atmet tief durch. „Lass uns schlafen gehen. Morgen, wenn wir im Schloss sind und mit den Magiern gesprochen haben, wird alles klarer werden."

Meine Hände ballen sich zu Fäusten. „Du weißt, dass Arwen im Schloss ist? Sie ist das Gift, von dem die Königin gesprochen hat."

Kian nickt. „Ja, aber sie muss nicht wissen, dass wir Bescheid wissen. Wir tun einfach so, als wäre nichts."

Ich spüre, wie sich ein Kloß in meiner Kehle bildet. „Wenn sie uns durchschaut, sind wir geliefert."

Sein Blick wird düster. „Dann tötet sie uns."

Ich starre ihn fassungslos an. „Wirklich hilfreich, Kian."

Er hebt beschwichtigend die Hände. „Ich sage nur, dass es passieren kann. Kein Grund, mich anzufahren."

Ich fahre mir durch die Haare. „Was machen wir denn jetzt? Sie wird es früher oder später herausfinden."

„Nicht, wenn wir zusammenhalten." Er legt seine Hände auf meine Schultern, sein Griff fest und entschlossen. „Wir werden überleben. Und wir werden Aiden retten."

Ein Schauder läuft mir über den Rücken. „Dann müssen wir uns beeilen."

Wir rennen durch die langen Flure des Schlosses, hastig, ohne nach links oder rechts zu schauen. Das Personal wirft uns verwirrte Blicke zu, doch ich ignoriere sie. Sie sind nicht wichtig. Nicht jetzt.

Wir müssen die Karte finden. Ohne sie wären wir stundenlang auf der Suche nach dem richtigen Weg zu den Magiern. Kian kennt ihn nur grob – er hat sie als Kind einmal besucht, doch das ist lange her.

Schwer atmend erreichen wir die Bibliothek. Als wir die Tür aufstoßen, umfängt uns der Geruch von altem Pergament und Tinte. „Wie sieht das Buch aus?" frage ich und lasse meinen Blick über die unzähligen Regale schweifen.

Kian tritt neben mich. „Goldene Schrift. Eine fremde Sprache. Es ist dick und schwer."

Ich presse die Lippen zusammen. „Das sind viel zu viele Kriterien. Wir werden es nie finden."

Er legt mir eine Hand auf die Schulter. „Nicht aufgeben, Thalia. Denk an Aiden."

Ich seufze und laufe die Reihen entlang. Wenn wir doch nur jemanden hätten, der uns helfen könnte... Außer Fynn fällt mir niemand ein. Alenja und Kendra müssen wir heraushalten. Sonst wird es noch mehr Tote geben, wenn Arwen unseren Plan durchschaut.

Ein Frösteln läuft mir über den Rücken. Ich habe das Gefühl, beobachtet zu werden.

„Schon fündig geworden?"

Enchanted by youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt