KAPITEL 27

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Nervös sitze ich auf dem Beifahrersitz und beobachte Aiden, der mit ernster Miene am Steuer sitzt. Ich habe ihm eine Viertelstunde lang die Grundlagen des Autofahrens erklärt, und jetzt ist es so weit: Er hält das Lenkrad fest in den Händen, bereit für sein erstes Fahrerlebnis.

Wir haben einen abgelegenen Parkplatz gefunden – weit weg von Straßenverkehr und neugierigen Blicken. Hier kann er keinen Schaden anrichten. Hoffentlich.

„Bist du soweit?" frage ich, bemüht, meine Anspannung zu verbergen. Doch das Zittern in meiner Stimme verrät mich.

Aiden sieht mich mit funkelnden Augen an, seine Zuversicht beinahe ansteckend. „Es kann nichts schiefgehen. Ich bin optimistisch."

Ich atme tief durch und nicke. „Dann fahr los."

Vorsichtig tritt er aufs Gaspedal. Der Wagen setzt sich ruckartig in Bewegung, und ich klammere mich instinktiv am Türgriff fest. Seine Finger umklammern das Lenkrad so fest, dass die Knöchel weiß hervortreten. Mit extremer Konzentration lenkt er ein und fährt in langsamen Kreisen über das Gelände.

„Ich fahre!", ruft er begeistert und sieht mich mit leuchtenden Augen an.

Ich versuche ein aufmunterndes Lächeln. „Ich sehe es!"

„Es ist großartig! Diese Technik ist so fortschrittlich!" Doch statt weiterhin nach vorn zu schauen, dreht er den Kopf zu mir.

Ich weite erschrocken die Augen. „Aiden, geradeaus!"

Zu spät bemerkt er den Bordstein, auf den wir direkt zusteuern. Mit einem hektischen Ruck reißt er das Lenkrad herum, und der Wagen schlingert leicht. Ich kralle mich fester am Türgriff fest, als wäre mein Leben davon abhängig.

„Ich glaube, du hast das Grundprinzip verstanden." Ich versuche, meine Stimme ruhig zu halten. „Wie wäre es, wenn ich jetzt wieder ans Steuer gehe?"

Er lacht leise und parkt vorsichtig ein. „Guter Vorschlag. Aber wir dürfen den Einkauf nicht vergessen."

Nachdem wir im Supermarkt alles Nötige besorgt haben, fahren wir zurück. Mit vollgepackten Einkaufstüten balancieren wir zur Haustür. Ich schließe auf und steuere direkt die Küche an, während Aiden mir wie ein treuer Schatten folgt.

Er stellt die Tüten auf den Tresen, schaut sich dann unsicher um. „Und jetzt?"

„Du kannst die Sachen auspacken. Ich sortiere sie dann ein."

Mit einem Nicken beginnt er, die Einkäufe herauszunehmen, inspiziert dabei jedes Produkt mit neugierigen Augen.

„Es ist faszinierend, wie das Essen verpackt ist. Dadurch hält es länger, nicht wahr?"

Ich kichere. „Genau. So müssen wir uns keine Sorgen über verdorbene Lebensmittel machen."

Er überreicht mir einen Milchkarton. „Und was machen wir jetzt?"

Ich zucke mit den Schultern. „Hast du Lust zu backen?"

Sein Gesicht strahlt auf. „Sehr gern! Ich durfte in der Schlossküche nie helfen. Manchmal durften meine Geschwister und ich den Teig probieren, aber dann wurden wir rausgescheucht."

Ich lache. „Muss bestimmt toll sein, wenn eine ganze Ansammlung an Köchen für einen kocht und backt. Keine Arbeit, nur Essen genießen."

Er lehnt sich an die Küchentheke und sieht mich nachdenklich an. „Ja ... aber manchmal fühlte ich mich dabei nutzlos. Die Köche lieben ihre Arbeit, doch ich würde es gern selbst lernen. Mein Vater sagt immer, ein König muss nicht wissen, wie man kocht – er muss wissen, wie man führt. Aber ich finde, ein guter König sollte auch die einfachen Dinge im Leben schätzen können."

Ich halte in meiner Bewegung inne und sehe ihn an. „Das verstehe ich. Aber ihr tragt eine viel größere Verantwortung. Das ist etwas, was wir Normalsterblichen nicht haben."

Er fährt sich mit den Fingern durchs Haar. „Ich kann gut mit dem Schwert umgehen ... aber ich weiß nicht mal, wie man einen Kuchen backt."

Ich lache. „Dann wird es höchste Zeit, das zu ändern."

„Wie stehst du zu Schokoladenkuchen?"

Aiden blinzelt. „Ich habe noch nie einen gegessen. Aber es klingt verlockend."

Ich reiße die Augen auf. „Das müssen wir sofort ändern!"

Ich krame eine alte Rezeptkarte heraus – ein Erbstück meiner Mutter. Behutsam fahre ich mit den Fingern über die vergilbten Ränder, bevor ich laut vorlese: „Mehl, Schokolade, Butter, zwei Eier, Milch, Natron und Kakaopulver."

Aiden sieht mich gespannt an. „Und wie kann ich helfen?"

Ich grinse. „Du kannst die Backform einfetten. Sonst bekommen wir den Kuchen nie aus der Form."

Während er sich an die Arbeit macht, bereite ich den Teig vor. Ab und zu sehe ich aus dem Augenwinkel, wie er mich beobachtet.

„Du kannst das gut", sagt er schließlich.

„Ich habe früher oft für die Schule gebacken." Ich fülle den Teig in die Form und schiebe ihn in den Ofen.

„Und was machen wir, während wir warten?"

Ich halte mein Handy hoch. „Wie wäre es mit Musik?"

Er lächelt. „Klingt gut."

Ich starte einen Song – Rewrite the Stars von Zendaya und Zac Efron. Die sanfte Melodie erfüllt die Küche.

Ich beginne im Takt zu tanzen, lasse mich von der Musik mitreißen, schließe für einen Moment die Augen. Als ich sie öffne, steht Aiden direkt vor mir. Seine Hände legen sich sanft auf meine Taille, ziehen mich behutsam näher. Meine Arme wandern wie von selbst um seinen Nacken. Wir wiegen uns langsam im Rhythmus der Musik, unsere Bewegungen wie ein perfektes Zusammenspiel.

Ich schließe die Augen und lehne mich an seine Brust. Sein Herzschlag pocht gleichmäßig gegen mein Ohr, beruhigend und vertraut. Ich spüre, dass er mich sicher hält, dass ich mich in seinen Armen verlieren könnte, ohne Angst, jemals zu fallen.

Leise beginne ich, die Liedzeilen mitzusummen.

Aiden wird mutiger, dreht mich mit einem geschmeidigen Schwung, und plötzlich tanzen wir mit Leichtigkeit durch den Raum. Ich lache, er lacht – und dann, in einer einzigen fließenden Bewegung, neigt er mich nach hinten, hält mich sicher in seiner Umarmung.

Unsere Gesichter sind nur noch einen Hauch voneinander entfernt.

Mein Atem stockt, als seine Augen von meinen Lippen wieder zu meinen Augen wandern – als würde er um Erlaubnis bitten.

Mein Herz hämmert. Unfähig zu sprechen, nicke ich nur.

Er zögert keinen Moment. Seine Lippen berühren meine, sanft, vorsichtig – als ob er fürchtet, dass dieser Moment jeden Augenblick zerbrechen könnte. Doch dann vertieft sich der Kuss, und Wärme breitet sich in meinem Körper aus.

Ich ziehe ihn näher, versinke in diesem Gefühl.

Wir merken nicht, dass wir nicht mehr allein sind.
















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