Ohrenbetäubender Jubel begrüßt mich, als ich den geschmückten Thronsaal betrete.
Meine Haare sind mit Diamanten besetzt. Mein Haupt ziert eine Tiara. Das Kleid, welches mindestens eine Tonne wiegt, lässt mich wie eine göttliche Erscheinung aussehen. Bei jeder Bewegung, die ich mache, streifen meine Ärmel über den Boden.
Ich habe es geschafft.
Zusammen mit der Königsfamilie.
Wir haben den Frieden gesichert. Die Gefahr ist vorüber und wird nicht mehr wiederkehren. Hel fiel auf dem Schlachtfeld und Arwen wurde in der Eiswüste geschickt. Die gerechte Strafe für ihre Taten.
Im gesamten Königreich herrscht Frieden und Freude.
Jeder ist glücklich und kann erleichtert aufatmen. Ab jetzt wird ihnen keiner mehr Schwierigkeiten mehr bereiten. Tief im Inneren spüre ich, dass es Zeit wird, zurückzukehren. Zurück in meine Welt. Dort wo ich hingehöre. Auch wenn mein Herz hierher gehört.
Ich knie mich vor dem Thron, wo nun Aiden mit einer Krone auf dem Thron sitzt. Er ist nun König und wird das Land gerecht führen.
„Mein König", sage ich und senke meinen Kopf.
„Erhebe dich, Thalia."
Ich nehme seine Hand und stehe auf.
„Du hast uns alle gerettet. Wir stehen tief in deiner Schuld. Du wirst als Retterin von Andastra in unsere Geschichtsbücher eingehen."
Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. „Ich danke dir."
Er zeigt auf ein Gemälde, welches über den Thron hängt. Darauf bin ich in der Rüstung zu sehen. Auf meinem Kopf trage ich eine Krone aus Lorbeeren. Ein Heiligerschein umgibt mich. „Als Dank für deine Tat wirst du als Gemälde in Erinnerung an die künftigen Generationen verewigt werden."
„Wir alle danken dir!", meldet sich mein bester Freund zu Wort. „Geh nun zurück in deine Welt. Wir werden dich nie vergessen!"
Ich verbeuge mich vor ihm. Er zieht mich in eine enge Umarmung. "Vielen Dank, dass du mir deine Welt gezeigt hast. Das werde ich niemals vergessen. Auch wenn unsere Liebe nur kurz war, bin ich froh, dass wir die Zeit gemeinsam hatten. Mein Bruder--, hat es verdient eine Frau wie dich zu haben."
"Danke, für die Chance, dieses wundervolle Abenteuer erlebt zu haben. Es tut mir leid, dass meine Gefühle so sind. Dennoch danke ich dir, dass ich hier sein durfte."
"Geh mit meinem Bruder zur Lichtung. Zeig ihm deine Welt. Auch wenn es nur für ein paar Augenblicke ist. Er soll die Schönheit deiner Welt kennen lernen und der letzte sein, den du auf dieser Reise sehen wirst."
Ich verbeuge mich erneut. "Ich hoffe, dass du eine gütige und sanfte Königin finden wirst."
Dann gehe ich zu Kian. „Ich werde dich vermissen."
„Mit wem soll ich jetzt Abenteuer erleben?", fragt er und zieht mich in eine enge Umarmung. Ich spüre, wie sich Tränen in meinen Augen bilden. Diesen Moment habe ich schon immer kommen gesehen, doch dass es sich anfühlt, als würde ein Teil von mir sterben.
Ich schlucke schwer. „Wie wäre es mit deiner Schwester? Zeige ihr die Welt. Die Orte, die du mir gezeigt hast." Meine Stimme ist brüchig.
Er sieht mich mit Tränen an. Er versucht zu lächeln, was vergeblich scheitert.
„Das ist ein Wort!", ruft Alenja und kommt auf mich zu um, mir einen Kuss auf die Wange zu drücken. „Lebe wohl."
„Ich begleite euch ein Stück", sagt Fynn zu mir und Kian.
Zusammen reiten wir über die blühenden Weiden und Bäume. Jede einzelne Pflanze strahlt vor Glück. Alle spüren die Veränderung. Auch ich habe mich verändert. Ich habe gelernt, was es bedeutet für seine Liebe zu kämpfen und über sich selbst hinauszuwachsen.
Wir kommen an der Lichtung an. Hier bin ich damals mit Aiden gelandet. Es ist merkwürdig. Er war zu erst in meiner Welt. Dann hatte er mich hergeführt. Nun ist es sein Bruder, der mich heim führt.
Ich ziehe Fynn in eine Umarmung. „Pass mir gut auf den neuen König auf und versuch nicht jede einzelne Regel zu befolgen."
„Ich werde es versuchen", sagt er und ich sehe, wie er die Tränen zurückhält.
„Nicht weinen. Das lohnt sich nicht", sage ich.
Er schnieft auf und nickt. „Das ist nicht meine Art. Du hast mein Herz erweicht", antwortet er. "Dafür danke ich dir."
Kian nimmt meine Hand und sieht mich an. „Bist du bereit?"
„Wenn du es bist?"
Ich schließe meine Augen und wünsche mir das ich wieder zurück in meiner Welt bin. In Boston. In meinem kleinen Zimmer.
Jeder Zentimeter meiner Haut beginnt zu kribbeln und ich spüre, wie ich immer leichter werde, bis ich wieder festen Grund unter den Füßen habe. Langsam öffne ich wieder die Augen und sehe mich um. Ich bin zurück. Das ist mein Zimmer. Es fühlt sich an, als wäre ich eine Ewigkeit fort gewesen.
Ich schaue an mir herunter und sehe, dass ich immer noch das Kleid anhabe. Das hat sich nicht aufgelöst.
Kian steht vor mir und lächelt mich an. „Du weißt, dass auch mir die Zeit abläuft."
Ich nicke. „Du musst zurück, um deinem Bruder auf die Nerven zu gehen."
Er schaut sich um. „Ich habe noch Zeit für einen letzten Tanz."
„Lass uns etwas spazieren gehen", sage ich. "So kann ich dir für einen kleinen Augenblick meine Welt zeigen, die nur dein Bruder kennt."
"Das wäre schön", flüstert er. "Ich wünschte, ich wäre es gewesen, der dich seitdem du das Buch aufgeschlagen hast, verführt hätte. Nicht mein Bruder."
"Ohne deinen Bruder hätten wir beide uns nicht kennen gelernt. Schon auf den Seiten, wusste ich, dass du Abenteuer liebst. Wie sehr, dass konnte ich erst mit dir herausfinden. Diese Momente haben nur wir beide erlebt, ohne deinen Bruder. Lass sie uns nicht vergessen."
Hand in Hand laufen wir über den Campus. Es sind kaum noch Studenten zu sehen. Entweder schlafen sie schon oder sind auf den üblichen Partys. Von daher bekommen wir auch keine merkwürdigen Blicke zugeworfen.
Wir kommen an einem kleinen Pavillon vorbei. Dort tanzen ein paar Menschen Walzer zu einem Orchester. Sie scheinen uns nicht zu bemerken. Kian zieht mich ein paar Meter von ihnen, um unsere Privatsphäre zu wahren. Von ein paar Bäumen hängen Laternen, welche den Ort in ein warmes Licht tauchen.
„Die Musik klingt verlockend. Schenkst du mir einen letzten Tanz?", fragt er.
„Immer", hauche ich.
Langsam nimmt er meine Hand in seine und legt die andere um meine Hüfte. Er schiebt mich zu sich heran. Ich lege meine andere Hand auf seine Schulter.
Kian beginnt zu tanzen und zieht mich sanft mit sich. Wir drehen uns immer wieder im Kreis. Unsere Augen sind nur auf den jeweiligen anderen gerichtet. In diesem Moment zählt nichts anderes. Nur wir beide. Tanzend im Park. Es ist, als seien wir beide wieder auf dem Dorffest.
Ich die Blumenprinzessin. Er, mein Blumenprinz.
Nach einer Weile hält er inne und drückt mich fest an sich heran. Ich spüre seinen beruhigenden Herzschlag.
„Meine Zeit ist gekommen", flüstert er. „Ich muss nun gehen."
„Du darfst mich nicht verlassen." Ich beginne zu schluchzen. „Was soll ich nur ohne dich anstellen?" Die Tränen sind jetzt nicht mehr aufzuhalten.
„Leb dein Leben", haucht er. "Sei mutig und trau dich mehr. Das Leben hat so viel zu bieten. Nutze jede Chance, die dir geboten wird. Ergreife sie. Mach die verrücktesten Dinge, die dir einfallen. Denk daran. Ich bin bei dir. Tief in deinem Herzen." Er legt mir seinen Ring in meine Hand und drück sie fest. „Ich werde dich niemals vergessen, Thalia."
Seine Lippen treffen auf meine.
Ein letzter Kuss.
Voller Trauer.
Voller Abschied.
Dann ist er fort.
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Enchanted by you
FantasiaFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
