KAPITEL 59

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Erschüttert tauchen Kian und ich an der Wasseroberfläche wieder auf. Mein Herz schlägt noch immer wild von dem, was wir gerade erfahren haben. Ich atme tief durch und reibe mir mit einer zitternden Hand über das Gesicht.

„Was machen wir jetzt?", frage ich mit brüchiger Stimme und suche in Kians Augen nach einer Antwort, nach Halt.

„Einen Plan schmieden", sagt er bestimmt und greift nach der Leiter des Schiffes.

Ich schlucke und folge ihm. Als ich das Deck betrete, reicht er mir ein Handtuch. Dankend nehme ich es an und betrachte ihn, während er sich durch seine nassen Haare fährt. Sie stehen in alle Richtungen ab, was ihm ein ungewohnt lässiges Aussehen verleiht.

„Wie stellen wir das an?", frage ich weiter.

„Das besprechen wir, wenn wir allein sind", murmelt er und wirft einen kurzen Blick zur Crew.

„Und wann sind wir das schon?" Ich lasse den Blick ebenfalls über das Deck schweifen.

Ein schelmisches Lächeln umspielt seine Lippen, als er auf einen kleinen, einsamen Fleck am Horizont deutet. „Dort."

Ich folge seiner Geste und schüttle grinsend den Kopf. „Ich sehe, was du vorhast."

„Wir beide, allein auf einer Insel. Ist das nicht romantisch?" Er tritt näher, seine dunklen Augen funkeln im Licht der untergehenden Sonne. „Ein prasselndes Lagerfeuer, ein klarer Nachthimmel, tausende Sterne ..."

Seine Stimme ist tief und sanft, und ich spüre, wie meine Wangen sich erwärmen. Ich spiele sein Spiel mit. „Und was würdest du dann mit mir machen?"

Er lehnt sich leicht zu mir, sein Atem streift meine Haut. „Dann schmieden wir einen Plan, um meinen Bruder zu retten."

Ich kichere, als hätte er mir ein Geheimnis anvertraut, das nicht für fremde Ohren bestimmt ist. Ich spüre, dass wir beobachtet werden – genau das wollte Kian erreichen. Ein paar Crewmitglieder mustern uns verstohlen, lauschen unseren Worten.

„Klingt verlockend", sage ich betont kokett und schlage die Wimpern nieder.

„Dann lass uns gemeinsam die Insel erobern."

Kurz darauf sitzen wir im Ruderboot. Kian paddelt mit kräftigen Zügen, während ich über die Schulter zurück zum Schiff blicke. Die Crew beobachtet uns noch immer, ehe sie sich schließlich wieder ihrer Arbeit widmet.

„Soll ich dir nicht doch helfen?", frage ich.

„Lass mich den Gentleman sein."

Ich lache. „Ein Gentleman? Du hast mich von Anfang an nur geneckt!"

„Ich wollte Aiden ein wenig ärgern. Dich kennenzulernen war ... ein unerwarteter Bonus."

Seine Worte lassen mein Herz schneller schlagen. Ich wende den Blick ab. Ich darf das nicht. Ich liebe Aiden, oder?

„Du liebst ihn wirklich", sagt Kian plötzlich leise.

Ich spüre einen Stich in der Brust. „Ich-- ich weiß es selbst nicht mehr, was ich für ihn empfinde."

Er schüttelt kaum merklich den Kopf. „Ich habe die Art gesehen, wie du ihn angesehen hast. Schon lange her, dass mich mal ein hübsches Mädchen so angesehen hat."

Ich beiße mir auf die Lippe. „Aber unsere Liebe hat keine Zukunft."

„Wir werden eine Lösung finden", verspricht er. "Und bis dahin, höre auf dein Bauchgefühl. Es ist auch normal, wenn man zuerst dachte, dass man sich in jemanden verliebt hat, jedoch stellt man später fest, dass es nur ein Verlangen danach war. Wenn man jemanden anderen kennen lernt und merkt, das die Gefühle stärker sind, dann ist dies auch nicht schlimm. Menschen verlieben und entlieben sich ständig."

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