KAPITEL 54

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Kian reitet voraus, dicht gefolgt von Fynn und mir. Die offizielle Zeremonie liegt hinter uns. Während Aiden, Lady Arwen und der gesamte Hofstaat sich im Schloss am reichhaltigen Buffet vergnügen und sanften Harfenklängen lauschen, beginnt laut Kian erst jetzt das eigentliche Fest.

„Das Volk feiert auf seine eigene Art", sagt er.

Und genau das will ich sehen.

In jeder Stadt, jedem Dorf wird der Tag genutzt, um das Leben zu zelebrieren. Große Tafeln, prall gefüllt mit Speisen, standen auf den Plätzen. Jeder trägt etwas bei, jeder konnte sich bedienen. Niemand muss hungern.

Ich freue mich darauf. Endlich wieder hinaus aus dem Schloss, hinein ins pulsierende Leben des Landes. Fynn hat Bedenken geäußert, mich allein mitzunehmen – zu gefährlich, zu unberechenbar –, doch Kian und ich haben ihn überzeugen können. Sollte es brenzlig werden, wären beide an meiner Seite, bereit, mich um jeden Preis zu beschützen.

Schon von Weitem d ringt die Musik zu uns herüber. Fröhliche Lauten, Flöten und Trommeln spielen in perfekter Harmonie. Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Die Klänge sind ansteckend. Ich sporne mein Pferd an, schneller zu galoppieren.

„So aufgeregt?", fragt Kian, der nun neben mir ritt.

„Man kann die Freude der Menschen durch die Musik hören."

Er lacht. „So ging es mir damals auch."

Fynn brummt. „Es ist zu laut."

Kian und ich sehen uns an – und lachen.

„Sei kein Miesepeter", meint Kian und tätschelte ihm spöttisch die Schulter. „Versuch, wenigstens ein bisschen Spaß zu haben."

„Wenn es sein muss."

Je näher wir der Stadt kommen, desto beeindruckender wird der Anblick. Große Fahnen und bunte Banner flattern im Wind. An den Fenstern hängen Blumenkränze, über den Straßen waren Girlanden gespannt. Sie haben keine Mühen gescheut.

Kian verlangsamt sein Pferd, als wir durch das Stadttor reiten. Der Platz ist belebt, doch viel hat sich seit meiner Ankunft nicht verändert – abgesehen von den zusätzlichen Verzierungen. Die Bewohner wandten sich uns zu, einige winkten Kian erfreut zu. Als ihre Blicke auf mich fielen, weiteten sich ihre Augen.

Diesmal verstecke ich mich nicht hinter Aiden.

Ich erwidere ihre Blicke, zaghaft, aber bewusst.

„Sie alle kennen dich", sagt Kian leise. „Oder sie glauben es zumindest. Du bist eine Legende. Für sie ist es kaum zu begreifen, dass du wirklich hier bist. Ein Mädchen aus einer anderen Welt – das erlebt man nicht jeden Tag."

Ich seufze. „Ich weiß doch selbst nicht, wer ich hier bin."

„Dann sei einfach du selbst. Das ist der beste Weg, um ihre Sympathie zu gewinnen."

„Zeig mir wie, dann versuche ich es."

Fynn reitet näher heran. „Bleib trotzdem wachsam. Du weißt nicht, wer hier ein Spitzel sein könnte."

Ich verdrehe die Augen. „Dafür habe ich doch dich."

„Genau."

Kian schüttelt den Kopf und lenkt sein Pferd weiter, bis wir den Marktplatz erreichen. Mit einer geschmeidigen Bewegung springt er ab und bietet mir sofort seine Hand.

„Ich wäre kein Gentleman, würde ich dir nicht helfen."

Ich grinse. „Ein Gentleman hält auch einen respektvollen Abstand zu einer Lady. Das solltest du als Prinz doch am besten wissen."

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