Stumm reiten Kian und ich nebeneinander her. Ich bin nicht in der Stimmung nach reden. Von der Seite aus, sehe ich wie Kians Blick mich durchbohrt.
"Mir geht es gut", sage ich und schaue ihn an.
"Ich weiß, dass du lügst." Er schaut mich mitfühlend an. "Dir geht es nicht gut. Ganz im Gegenteil. Du bist traurig, aufgebracht."
"Ich bin enttäuscht", murmle ich.
"Von Aiden?", hackt er nach.
"Von mir."
"Ich verstehe nicht ganz."
Ein Seufzen entfährt mir. "Ich war zu naiv. Ich habe wirklich geglaubt, dass ein Prinz ein normales Mädchen liebt."
"Er liebt dich, Thalia." Sein Pferd wiehert. "Oder tat es."
"Ich liebe ihn auch", hauche ich und schlucke schwer. "Jedoch bin ich mir über meine Gefühle nicht mehr sicher. Zudem bin ich machtlos gegen einen Liebestrank."
"Ist er wirklich unter dem Einfluss des Trankes? Hast du es gesehen?"
Ich schüttele den Kopf. "Nicht direkt. Doch seine Pupillen waren geweitet und ein kleiner blauer Schimmer war zu sehen. ich habe zu viele Bücher gelesen und weiß, was die Anzeichen sind."
"Dann müssen wir schnell handeln." Er sprintet los.
"Wohin reiten wir?", frage ich nach und versuche mit ihm mitzuhalten.
"Wenn wir wieder kommen, stelle ich dir jemanden besonderen vor", sagt er und schaut hinter sich. "Doch du musst mir versprechen mit niemanden darüber zu reden."
"Ich schwöre es dir", sage ich. "Zudem wen soll ich es auch erzählen?"
"Meine Schwester, welche es wiederum Kendra erzählen wird. Diese wird es an das Personal ausplaudern."
"Wenn es etwas Geheimes ist, das werde ich es auch nicht weitererzählen."
"Alenja würde es nicht verstehen. Sie würde sich nur Sorgen machen. Dafür ist sie zu jung."
"Ich kann dich verstehen. Doch wohin geht unsere Reise nun?", hacke ich erneut nach.
"Ich möchte dir meine Welt zeigen. Ein Ort an dem ich mein eigentliches Leben lebe."
"Führst du ein Doppelleben?"
Er lacht laut auf. "Nein! Nur ein Ort, wo mein Vater mich in Ruhe lässt. Du wirst es lieben."
Meine Neugier steigt je weiter wir reiten. Die Landschaft ändert sich. Aus den weiten Wiesen werden dichte Wälder. Dichter, als ich sie bisher kenne. Die Sonne kämpft sich ab und an durch das Dickicht der Bäume. Es wird ruhiger. Nur die Hufe unserer Pferde sind zu hören. Ab und an sehe ich einen Vogel in der Ferne. Sie kommunizieren leise. Je weiter wir in die Unmengen der Bäume reiten, desto mehr kommt es mir vor wie eine andere Welt.
Kein Mensch ist zu sehen. Es ist, als ob nur die Pflanzen und die Tiere den Wald ihr zu Hause nennen. Ein unantastbarer Ort voller Geheimnisse.
"Leben hier Menschen?", flüstre ich, um keine Tiere zu erschrecken.
"Ein kleines Volk zieht hier von Monat zu Monat durch die Lichtungen. Sie haben keinen festen Wohnsitz und sind sehr scheu. Ich habe auch nur von ihnen gehört. Sie sind sehr mit der Natur verbunden und schätzen diese. Wenn du sie achtest, dann wirst du respektiert und sie zeigen ihr Geheimnis."
Kian befielt seinem Pferd stehen zu bleiben und deutet an, mich ruhig zu verhalten. Er springt von seinem Pferd ab und läuft zu einem der Bäume.
"Pass auf." Er legt seine Handinnenfläche an die Rinde und schließt die Augen. Er atmet tief ein und aus. Bis jetzt sehe ich keine Veränderung. Doch dann passiert etwas. Von der Stelle an dem seine Hand den Stamm berührt, geht ein Leuchten aus. Es schlängelt sich um den Baum herum bis hoch in die Krone. Jedes der Blätter beginnt zu leuchten.
Staunend schaue ich hinauf und kann es nicht glauben, was ich sehe. Passiert das wirklich? Oder habe ich mir den Kopf gestoßen?
Kleine Leuchtpunkte fallen herab. Sie sehen aus wie Glühwürmchen, doch sobald sie den Boden berühren, verschwinden sie. Ich breite meine Hand aus und fange sie auf. Faszinierend betrachte ich sie. Ich spüre sie auf meinem Haar. Auf meiner Haut.
"Es ist wunderschön", hauche ich und lächle. Mir fehlen die Worte. Dieses Gefühl kann ich nicht beschreiben. Man muss es erleben, um zu wissen, wie es sich anfühlt.
"Das ist das Geheimnis des Waldes", sagt Kian und lässt seine Hand sinken.
"Wie funktioniert das?"
Er zuckt mit den Schultern. "Das weiß keiner genau. Das Volk, welches hier lebt, behauptet, dass wir alle im Einklang mit der Natur leben. Wer Liebe in sich trägt, wird diese weitergeben. Die Bäume merken es und zeigen dir dafür, was sie in sich tragen."
Wir reiten weiter durch die tiefen der Wälder. Ich schaue mich um und merke, dass wir die Weisen weit hinter uns gelassen haben. Langsam erkenne ich den kleinen Ausgang. Gleisendes Licht blendet uns und ich muss für einen Moment meine Augen schließen, ehe ich klarsehen kann.
Vor uns liegt ein kleiner Hafen. Kein Dorf oder Stadt ist in Sicht. Nur ein Steg führt zu dem Schiff, welches vor uns im Wasser schwimmt.
Es sieht nach nichts Besonderem aus. Zwei große Segel mit dem Wappen der Königsfamilie schmücken das Schiff. Dazu eine recht große Kajüte. Mehr erkenne ich auf den ersten Blick nicht. Für ein Schiff der königlichen Flotte hätte ich mehr erwartet.
"Gehört das Schiff dir?", frage ich ungläubig.
"Ja, mein ganzer Stolz." Kian nickt und zeigt stolz auf sein Schiff. "Meine Belana. Das ist der Name deiner Mutter." Er lächelt mich an. "Ich wollte sie ehren und da ich meine meiste Zeit darauf verbringe, habe ich das Gefühl, als sei sie bei mir. So als ob sie mich beschützt und über mich und meine Crew wacht."
Ich schlucke schwer. "Sie wäre sicherlich stolz auf dich."
"Ich weiß, dass sie das ist."
Er reitet hinab und steigt von seinem Pferd ab. Kian befreit sein Pferd von dem Geschirr und dem Sattel, ehe er sich zu mir wendet.
"Lässt du dir jetzt von mir helfen?"
"Nur weil du gefragt hast," sage ich und kichere.
Ein Crewmitglied läuft vom Schiff und nimmt ihm den Sattel und das Geschirr ab. Dann wendet Kian sich mir zu und hilft mir von meinem Pferd abzusteigen. Sobald ich den Boden berühre, kommt derselbe Mann zu uns und erlöst mein Pferd von dem Sattel und das Geschirr.
"Was passiert mit ihnen?", frage ich ihn und merke, dass er mich immer noch nicht losgelassen hat.
"Sie bleiben hier. Sie sind es gewöhnt in der freien Natur zu leben. Wenn wir wieder kommen, werden sie hier auf uns warten", antwortet er mir und streicht mir eine Strähne vom Gesicht.
Ich lehne mich leicht in seine Arme. "Dann brauchen wir uns keine Sorgen zu machen."
"Nun hast du Zeit das Land zu sehen. Wer weiß wie viel Zeit dir bleibt, bist du zurückmusst." Erst jetzt lässt er langsam von mir ab und geht auf das Schiff zu. Er schaut mich über die Schulter an. "Wagst du ein kleines Abenteuer mit mir?"
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
