„Geh dich erst einmal waschen. Ich lege dir ein paar Kleider vor die Tür."
Kians Stimme ist ruhig, fast sanft, doch ich spüre die Sorge dahinter. Einen Moment lang halte ich seinem Blick stand, ehe ich mich abwende und ins Badezimmer verschwinde.
Dort lasse ich heißes Wasser in die Wanne einlaufen und streife meine Krone ab. Sie fällt mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Mit zittrigen Fingern öffne ich das schwere Brautkleid, das sich wie ein Käfig um meinen Körper gelegt hat. Endlich bin ich es los.
Ein erleichtertes Seufzen entfährt mir, als ich in die dampfende Badewanne steige. Die Wärme hüllt mich ein, beruhigt meine Muskeln, doch meine Gedanken bleiben rastlos. Ich bin in Sicherheit. Kian und Fynn sind bei mir. Und trotzdem kann ich mich nicht vollständig entspannen.
Ich fahre mit einem Tuch über mein Gesicht, um die Schminke abzuwaschen. Schwarz und Rot vermischen sich im Wasser. Ich löse meine Haare aus dem strengen Zopf und lasse sie in das warme Wasser gleiten.
Wie oft hatte Kian mich so gesehen? Zerzaust, verletzlich – und trotzdem ohne Verachtung in den Augen? Er war immer da gewesen, an meiner Seite, ohne große Worte, ohne Versprechen, die er nicht halten konnte.
Doch er hatte mir auch nie gesagt, was er wirklich fühlte.
Als das Wasser langsam kalt wird, beschließe ich, mich abzutrocknen. Ich öffne die Tür einen Spalt und nehme die Kleidung, die Kian mir hingelegt hat. Der Stoff ist schlicht, aber weich. Praktisch. Genau das, was ich jetzt brauche.
Zurück im Zimmer finde ich die beiden Männer auf meinem Bett sitzend, jeweils einen Teller mit Gänsebraten und Kartoffeln in der Hand. Als sie mich sehen, winken sie mich zu sich.
Kian reicht mir einen Teller. „Wie fühlst du dich?" fragt er.
„Besser", sage ich und nehme eine Gabel voll.
Fynn grinst. „Ohne das schwarze Kleid und die Schminke siehst du wieder aus wie du selbst."
„Danke, dass ihr mich gerettet habt."
Kian schüttelt den Kopf. „Das musst du nicht immer sagen. Du warst unsere höchste Priorität."
Unsere. Nicht meine.
Ich senke den Blick auf meinen Teller.
„Wo werdet ihr schlafen?" frage ich, um das Thema zu wechseln.
„Auf dem Boden. Vorher schließen wir die Tür ab", antwortet Fynn.
„Ist das nicht unbequem?"
Kian zuckt mit den Schultern. „Ich bin Schlimmeres gewohnt."
Er nimmt mir meinen leeren Teller ab, und einen Moment lang berühren sich unsere Finger. Es ist nur ein kurzer Augenblick, doch er reicht aus, um mein Herz stolpern zu lassen.
„Ruh dich aus", sagt er leise. „Morgen wird ein langer Tag."
Ich nicke, doch Schlaf finde ich nicht. Die ganze Nacht liege ich wach. Das leise Atmen der beiden Männer erfüllt den Raum. Wenigstens können sie schlafen. Ich aber nicht. Ich setzte mich auf und versuche eine bessere Schlafposition zu finden. Ich raschle hin und her und finde keine Ruhe.
"Kannst du nicht schlafen?" Kians Stimme ist kaum hörbar.
"Leider ja", flüstere ich. Ich beiße mir auf die Lippe. Zum Glück ist es dunkel und er sieht es nicht. "Könntest du neben mir schlafen? Ich würde mich sicherer fühlen."
"Ich dachte, du fragst nie."
Kurz darauf höre ich, wie Kian aufsteht und zu mir ins Bett steigt. Ich zögere kurz, ehe ich mich an seine Brust schmiege und er seine starken Arme um mich schließt. So eine Nähe habe ich zuletzt mit Aiden gespürt, als er neben mir geschlafen hatte. Gott, ich höre mich schon an wie ein Flittchen. Doch so ist es nicht. Doch gegen die Liebe ist man machtlos.
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Enchanted by you
FantasiaFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
