Der geheimnisvolle Ritter lässt seinen Blick über die jubelnde Menge schweifen, grüßt seine Anhänger mit einem selbstbewussten Nicken und steigt von seinem Rappen. Jeder seiner Schritte hallt über den sandigen Turnierplatz, während die Augen des Königs, Kians und Aidens ihn scharf beobachteten.
Was hat er vor?
Ohne ein Wort tritt der Fremde vor den König und verneigt sich in respektvoller, aber dennoch lässiger Manier. Dann schreitet er langsam den Podest entlang, seine durchdringenden Augen wandert von einer Person zur nächsten – bis sie an mir hängen bleiben.
Mein Herz setzt einen Schlag aus.
Mit ruhiger Hand löst er seinen Helm, und rabenschwarzes Haar fallen in perfekten Wellen zurück. Hohe Wangenknochen, eine schmale, elegante Nase, und dann ... diese Augen. Funkelnd wie blaue Diamanten, fesselnd, herausfordernd.
Ich schlucke schwer. Ein Mann wie er – mit einer schwarzen Rüstung, einem geheimnisvollen Lächeln – sollte Gefahr ausstrahlen, nicht ... Faszination. Und doch spüre ich ein nie dagewesenes Ziehen in meiner Brust, eine dunkle Neugier.
Er hat es bemerkt.
Sein Lächeln vertieft sich, kaum merklich, doch in seinen Augen blitzt der Triumph eines Jägers auf, der genau weiß, welche Wirkung er erzielt.
Plötzlich hält er eine weiße Rose in den Händen. Woher hat er sie? Er streckt sie mir entgegen, wartend, herausfordernd, geduldig.
Ich stehe langsam auf, meine Finger schweben über der Blume – doch bevor ich sie nehmen kann, greift er nach meiner Hand. Seine Lippen berühren sanft meinen Handrücken, und meine Haut brennt unter der flüchtigen Berührung.
„Wünsch mir Glück", flüstert er, seine Stimme kaum mehr als ein dunkles Versprechen.
Dann lässt er mich los und legt die Rose in meine Hand.
Mein Kopf dröhnt von den gemischten Gefühlen, während ich zurück auf meinen Platz sinke. Ich wage nicht, jemanden anzusehen, und doch spürte ich den brennenden Blick Aidens. Ich weiß, was er denkt.
Sein Griff um die Lanze versteift sich, seine Haltung verändert sich – Besitzanspruch, Wut, Herausforderung.
Das Duell beginnt.
Beide Ritter stürmen aufeinander zu, der dumpfe Aufprall von Schild auf Schild hallt über den Platz. Doch keiner fällt zu Boden.
Ich ziehe scharf die Luft ein und wage einen Blick auf die weiße Rose in meiner Hand. Rein, unberührt – ein Kontrast zu dem Chaos, das mich umgibt.
Neben mir legt Kian beruhigend eine Hand auf meinen Arm. „Es ist noch nicht vorbei. Sie werden es weiter versuchen."
„Aber Aiden ..." Meine Stimme bricht ab. „Sein Blick. Er wird sich provozieren lassen."
Kian seufzt. „Er darf nicht. Nicht vor den Augen unseres Vaters."
„Aber wenn der unbekannte Ritter ..."
„Carden. Er heißt Carden.", wiederholt Kian leise.
Ich reiße meine Augen von den Kämpfenden los. „Du kennst ihn?"
Kian nickt. „Er ist der Sohn von Hal."
Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. „Der Hal?"
„Der Feind unserer Monarchie."
Meine Finger krampfen sich um die Rose. „Was will er hier?"
„Vielleicht Ehre für seinen Vater erlangen. Oder ... einen Krieg provozieren."
Mein Atem stockt. „Krieg?" Er darf keinen Krieg provozieren. Ich möchte nicht zwischen zwei Stühlen stehen und in eine Schlacht auf Leben und Tod verwickelt werden.
Kian nickt. „Falls er gewinnt, könnte er den Sieg als Vorwand nehmen. Ein Zeichen, dass unser Königshaus schwach ist."
Ich kann nicht mehr stillsitzen. Mein Blick wandert zwischen Carden und dem König hin und her. Hatte der König erkannt, wer er ist?
Beim dritten Versuch sind beide Ritter noch immer im Sattel. Doch diesmal steigt Carden plötzlich ab, setzt seinen Helm ab und tritt mit einem selbstbewussten Schritt vor den König.
„Eure Majestät", seine Stimme klingt ruhig, berechnend. „Wie steht Ihr zu Eurem Gast?"
Mein Herz setzt für einen Moment aus.
„Besteht die Möglichkeit, dass ich, wenn ich siege, die Hand Euren Gasts erhalte?"
Aiden erstarrt.
„Oder hat sie womöglich bereits einen Freier?"
Mein Atem ist flach. Ich suche den Blick des Königs, dann Aidens. Das kann er nicht ernst meinen. Er will mich doch nicht heiraten, warum sollte er?
Der König schweigt einen Moment. „Ich kann euch versichern, dass keiner meiner Söhne den Gedanken hegt, meinem Gast den Hof zu machen."
Ein Dolchstoß. Direkt in Aidens Stolz und in mein Herz.
Er reißt den Helm vom Kopf und springt vom Pferd. „Du wirst Thalia nicht erneut berühren!" Sein Schwert blitzt im Sonnenlicht.
Carden hebt die Hände, um zu zeigen, dass er unbewaffnet ist. „Ganz ruhig, Königssohn. Ich wusste nicht, dass Ihr Euch bereits eine Braut erwählt habt."
Aidens Kiefer spannt sich an. „Ich verbiete es dir, sie anzusehen!"
„Sonst was?" Carden tritt näher zu ihm. „Weiß dein Vater von deinem Vorhaben? Glaubst du, er wird dich unterstützen?" Seine Stimme wird weicher, gefährlicher. „Ein zukünftiger König ... und eine Frau ohne Titel. Ohne Heimat in diesem Land."
Mein Blut gefriert in meinen Adern. Woher wusste er das?
Niemand außerhalb des Palastes kennt die Wahrheit. Es gibt nur eine Erklärung.
„Es gibt einen Verräter", flüstere ich, kaum hörbar.
Carden hat uns von Anfang an in der Hand.
I
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Enchanted by you
FantasíaFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
