Die Tränen laufen immer weiter.
Bis ich keine mehr habe.
Ich kann mich nur schwer aus meiner Starre lösen. Ich muss weiter gehen.
Jeder Schritt schmerzt in dem Wissen, dass er nicht mehr da ist. Er wird nicht mehr wiederkommen. Ich werde ihn nie mehr in meinem Leben sehen. Die Liebe meines Lebens ist erloschen.
Ich liege die ganze Nacht lang wach. In den Händen halte ich das Buch, was mir in den letzten Monaten so viel mehr gezeigt hat, was ich bisher kannte. Ich halte es so fest an mich, aus Angst es würde sich ebenfalls in Luft auflösen. Bei den ersten Sonnenstrahlen kann ich etwas Schlaf finden. Es ist kein guter Schlaf.
Mit schmerzenden Herzen stehe ich in den späten Mittagsstunden auf und ziehe das schöne Kleid aus und setzte die Krone beiseite. Beides werde ich in Ehren halten. Das Kleid und die Krone verstaue ich behutsam in meinem Schrank.
Es ist das Beste, wenn ich das Buch zurück an den Ort schaffe, wo er hingehört. In die Bibliothek. Dort können dann andere sich verzaubern lassen und sich in den Ort verlieben, der mir mein Herz gestohlen hat.
Den ganzen Weg über denke ich an nichts anderes. Nur an Kian. Wie sehr ich ihn vermisse. Es ist, als sei ein kleiner Teil von mir gestorben. Zumindest fühlt es sich so an. Liebeskummer ist nie einfach zu überwinden.
Ich öffne das Buch und merke, dass jede einzelne Seite der leeren Seiten gefüllt ist. Wörter stehen aneinander. Faszinierend blättere ich bis zur letzten Seite, wo mich mein Spiegelbild anstarrt.
Es ist das Bild aus dem Thronsaal.
Ich bin in diesem Buch verewigt.
Es wird keiner bemerken. Ich, hingegen schon. Ich habe das Buch zu Ende geschrieben. Mit meinem Teil der Geschichte wurde diese zur einer ganzen. Sie ist nun vollkommen.
Ich stelle es an den Ort, an dem ich es gefunden habe. In der Hoffnung, dass eines Tages es jemand findet und es liest.
Mit gesunkenem Kopf laufe ich zurück zu meinem Zimmer. Es beginnt zu regnen. Das Wetter passt wunderbar zu meiner Stimmung. Meine Haare und Klamotten werden nass, doch das stört mich nicht. Ich bekomme es kaum mit. Ich bin wie in einem tiefen Tunnel aus Trauer gefangen.
Erst als ich spüre, dass keine Tropfen mehr auf mich herabfallen, schaue ich auf. Ich stehe unter einem Regenschirm. Wie kann das sein? Ich habe doch keinen dabei.
„Geht es dir gut?"
Julian Quinn, der Junge der mein Sitzpartner im Flugzeug war, sieht mich mit besorgtem Blick an.
„Ja", stottere ich.
„Warum läufst du allein im Regen? Du wirst dich noch erkälten." Mit einer Hand zieht er seine Jacke aus und legt sie mir über die Schultern.
„Danke. Ich habe einen sehr guten Freund Lebwohl gesagt", flüstre ich und versuche die Tränen zu stoppen.
„Das tut mir leid. Willst du darüber reden? Mir hilft es immer, wenn ich es jemanden erzähle."
Ich nicke, denn zu einer Antwort fehlt mir die Kraft.
„Wie wäre es bei einer Tasse heißer Schokolade? Außerhalb des Campus gibt es eine tolle Bäckerei. Ich bin mir sicher, dass du ihre heiße Schokolade lieben wirst."
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
