„Wohin bringst du mich?" Ich zische die Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und kämpfe gegen seinen festen Griff an.
„Nach Hause." Carden klingt völlig unbeeindruckt, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Während wir durch die dunklen Gänge schleichen, wirft er einen prüfenden Blick um die nächste Ecke.
Mein Herz hämmert gegen meine Brust. „Das beantwortet nicht meine Frage! Ich will nicht mit dir gehen!"
Seine Finger graben sich fester in meine Hüfte. „Du hast keine Wahl, meine Schöne. Sieh es positiv – ich rette dich."
Ein bitteres Lachen entfährt mir. „Du ENTFÜHRST mich! Das ist etwas völlig anderes!"
„Ich befreie dich aus einer misslichen Lage", erwidert er in zuckersüßem Tonfall.
„Träum weiter!" fauche ich.
Er neigt den Kopf und grinst. „Wenn du nur wüsstest, wovon ich jede Nacht träume. Endlich werden sie wahr."
Ein kalter Schauder läuft mir über den Rücken. „Kian wird es bemerken und deinen Plan durchkreuzen. Und Aiden... er wird mich retten."
Carden lacht leise. „Aiden? Der baldige König wird mit Wichtigerem beschäftigt sein – seiner Hochzeit."
Seine Worte treffen mich wie ein Dolchstoß. Mein Atem stockt. „Was meinst du damit?" flüstere ich.
„Weißt du es etwa noch nicht?" Er schnalzt gespielt mit der Zunge. „Aiden ist vor meiner Schwester auf die Knie gefallen und hat ihr die Frage aller Fragen gestellt."
Mein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen. „Du lügst."
„Mein Liebling, ich würde dich niemals anlügen."
Ich schüttle heftig den Kopf. „Er würde das nicht tun. Er hat gesagt, dass er mich liebt!"
Carden hebt spöttisch eine Braue. „Tja, jetzt liebt er eine andere. Und das Volk freut sich schon auf das neue Königspaar."
„Hör auf!" Ich kann den Schmerz nicht mehr unterdrücken, Tränen schießen mir in die Augen. Auch wenn ich merke, dass ich zwischen den beiden Prinzen stehe und für beide Gefühle hege, ist diese Nachricht wie ein Stich ins Herz.
„Nicht ich bin es, der dein Herz bricht, Thalia. Das hat Aiden längst getan." Seine Stimme ist sanft, beinahe tröstend. „Er ist der Bösewicht in deiner Geschichte, nicht ich."
Ein Teil von mir will ihm glauben. Ein anderer schreit danach, dass es eine Lüge ist. Aiden würde mich nicht verraten. Oder?
Meine Lippen zittern. „Ich dachte, egal was passiert, er würde zu mir stehen."
Cardens Daumen fährt sanft über meinen Handrücken. „Ich wollte dich von dem Moment an, als ich dich das erste Mal sah."
Ich winde mich in seinem Griff. „Was hast du jetzt mit mir vor?"
„Ich werde dich heiraten."
Mir wird eiskalt. „Niemals."
Er hievt mich auf den Boden und dreht mich zu sich. Sein Blick ist ruhig, aber bestimmt. „Du wirst es einsehen. Irgendwann wirst du mich lieben."
Ich presse die Lippen aufeinander. „Das werde ich nie. Nicht in tausend Jahren."
Er mustert mich amüsiert. „Wir werden sehen."
Meine Wut flackert auf. „Was hast du davon? Ich bin nur ein einfaches Mädchen – ohne Titel, ohne Reichtum. Warum bist du so versessen auf mich?"
Carden streicht mit den Fingern über meine Wange. „Du hast keine Ahnung, wie wertvoll du bist."
Ich schlage seine Hand weg. „Dann sag es mir! Kian hat es geahnt. Er wusste, dass du mich entführen würdest. Warum bin ich dir so wichtig?"
Seine Augen verengen sich. „Nicht in diesem Ton, meine Schöne."
„Ich bin es leid, dass jeder ein Geheimnis daraus macht!" schreie ich.
„Ich erzähle dir alles – wenn wir in meinem Schloss sind."
Mein Magen zieht sich zusammen. „Und wo liegt das?"
„Efror."
Ich habe noch nie davon gehört, aber allein der Name klingt düster und kalt.
Er zieht mich mit sich durch das Schloss. Wo sind die Wachen? Normalerweise wimmelt es hier von ihnen. Ich sehe Carden fragend an.
„Keine Sorge. Ich habe sie nicht getötet. Sie schlafen nur tief und fest."
„Ich hätte dich für einen Mörder gehalten", sage ich trocken.
Sein Lächeln ist schief. „Denk nicht zu düster von mir."
„Wie soll ich sonst von dir denken?"
„Ich töte nicht wahllos, nur wenn es nötig ist."
„Also bist du Richter und Henker zugleich."
Er zuckt mit den Schultern. „Sieh es, wie du willst."
Am Schlosstor angekommen, steht ein schwarzes Pferd bereit. Cardens Pferd vom Turnier. Mein Magen verkrampft sich. Dann höre ich Kians Stimme.
„THALIA!"
Mein Herz macht einen Sprung.
Carden hebt mich auf das Pferd und schwingt sich hinter mich. „Wir müssen los. Sonst gibt es einen Toten."
Ich blicke über die Schulter. Kian rennt mit Wachen im Schlepptau zu den Ställen. Sie können uns einholen.
„Kian!" rufe ich, doch der Wind reißt meine Stimme mit sich.
„THALIAAAA! HALTE DURCH!"
In der Ferne sehe ich Fackeln. Kian gibt nicht auf.
Carden spürt es und knurrt: „Er wird dich nicht bekommen. Dafür habe ich zu lange gewartet."
Ich sehe ihn wütend an. „Wir werden sehen."
Er lacht dunkel. „Oh, das wird lustig. Ich werde dein loses Mundwerk schon zügeln."
Das Rauschen des Meeres dringt an meine Ohren. Die salzige Luft schneidet durch die Nacht. Plötzlich hält Carden an. Wir sind an einem Steg angekommen. Ein Boot wartet auf uns. Natürlich. Er hat alles geplant. Er führt sein Pferd auf das Boot. Jetzt oder nie. Ich nutze den Moment, springe herunter und renne zum Wald. Doch Carden ist schneller. Seine Arme schlingen sich um meine Taille.
„Nicht so eilig, Liebling."
Ich trete nach ihm, doch er hält mich fest. „Du zwingst mich dazu."
Er zieht ein Seil hervor und bindet meine Hände zusammen – fest genug, um mich zu fesseln, aber nicht um mir wehzutun.
„So kannst du nicht mehr fliehen."
Dann zieht er ein schwarzes Seidentuch hervor.
„Was hast du vor? Willst du mir die Augen verbinden, damit ich dein Gesicht nicht mehr sehen muss?" höhne ich.
Carden sagt nichts. Stattdessen legt er mir das Tuch über den Mund. Seine Finger streifen mein Kinn.
„Ich finde es anziehend, dich so hilflos zu sehen." Seine Lippen streifen mein Ohr. „So habe ich dich mir immer vorgestellt. In meinem Bett."
Mein Körper versteift sich.
Carden dreht mich zu sich, presst einen Kuss auf meine Stirn. „Das können wir alles nachholen."
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Enchanted by you
FantasiFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
