Ich bringe mein Pferd dazu schneller zu reiten. Ich weiß zwar nicht wohin, doch das ist mir egal. Der Wind pfeift mir um die Ohren und der Schneefall hat sich verdoppelt. Irgendwann sehe ich nichts mehr. Ich reite blind. Ohne jegliche Orientierung.
Ein lautes Geräusch lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Es klingt wie ein tiefes und dunkles Raunen. So etwas habe ich noch nie gehört. Erschrocken reiße ich die Zügel an mich und versuche mein Pferd zu beruhigen, welches durch das Geräusch Panik bekommt. Eine Hand kommt mir zur Hilfe. Seine Finder schließen sich um meine Zügel und drängen mich und das Pferd näher zu sich heran.
Es ist Carden. Er hat mich gerettet.
„Danke", hauche ich außer Atem.
„Ich bin immer für dich da."
„Was war das?", frage ich und schaue mich nach dem Unbekannten um.
„Der Grund, warum wir hier sind."
Er hält immer noch die Zügel meines Pferdes. Womöglich traut er mir nicht mehr und will, dass sich das nicht noch einmal wiederholt.
Langsam reiten wir durch den Schnee. Aus der Ferne erkenne ich Berge, die immer näher auf uns zu kommen.
„Ist es gefährlich?" Ich schaue ihn besorgt an.
„Tödlich."
Wir kommen an einer Höhle an. Carden hilft mir vom Pferd und gehen weiter hinein. Es wird dunkel. Ich kann nichts sehen, so dunkel ist es. Nur kurz sehe ich den Weg vor mir, als eine Flamme immer wieder auftaucht. Das ist seltsam. Wie kann eine Flamme nur kurz auftauchen und dann verschwinden?
Das laute Raunen ertönt erneut und ich habe die Antwort auf meine Frage gefunden. Vor uns liegt ein Drache. Ein großer, weißer Drache.
Erschrocken schreie ich laut auf. Carden drückt mich an sich und legt seine Hand auf meinen Mund, um den Schrei zu unterdrücken.
„Bleib ganz ruhig", flüstert er mir zu. „Er kann deine Angst riechen und dann wirst du zur Beute."
Meine Augen werden groß und ich fange an zu weinen. So will ich nicht sterben. Das ist kein schöner Tod, wie ein Hähnchen geröstet zu werden.
„Diesen Drache haben wir gezähmt. Mein Vater hat es geschafft. Mir hat er es beigebracht. Er gehorcht nur unsere Familie. Durch jahreslanges Training weiß er, wer der Feind ist. Er ist unserer Waffe im Kampf."
„Das ist Tierquälerei", sage ich mit gedämpfter Stimme.
„Er ist frei. Keine Ketten halten ihn gefangen. Er kann fliegen, wohin er will."
„Man kann auch ohne Ketten gefangen sein."
„Er weiß, wer gut zu ihm war. Du kannst noch etwas von ihm lernen."
„Soll das etwa eine Lektion sein, die du mir beibringen willst?"
„So in der Art, doch lass uns jetzt zurückkehren."
Mit zittrigen Händen kommen wir zurück am Schloss an. Mir ist kalt. Der Umschwung des Wetters hat es auch nicht besser gemacht. Ich friere. Es ist Zeit, dass ich in die heiße Badewanne steige. Doch Carden hat andere Pläne.
Wir gehen wieder in sein Schlafgemahl. Dort holt er zwei Kelche heraus und füllt sie mit einer roten Flüssigkeit. Wein. Will er mich betrunken machen und dann über mich herfallen?
Er reicht mir ein eines der Getränke. Das andere nimmt er. Gemeinsam stoßen wir an. „Auf unsere Zukunft."
„Ich mag keinen Wein", sage ich und schwenke das Glas hin und her.
„So einen kleinen Schluck kannst du durchaus trinken."
Zaghaft trinke ich einen Schluck und zwinge mich dazu das gesamte Glas zu leeren. Ich beginne mich nicht wohlzufühlen. Mein Kopf fühlt sich leer an. Was hat er in das Getränk getan?
„Carden? Was passiert mit mir?", frage ich und merke, dass er mir gefährlich nah gekommen ist.
„Nur ein kleines Mittel, um dich gefügiger zu machen", sagt er und nimmt mir das Glas aus der Hand.
„Zwingst du dich mir auf?", frage ich ängstlich.
„Nein", er fährt mit seinem Finger über meine Wange. „Ich werde dich zu nichts zwingen. Auch nicht mit einem Zaubertrank. Ich brauche nur etwas von dir."
„Das wäre?"
„Eine wichtige Information. Ich weiß, dass sie sich in deinem wunderschönen Kopf befindet."
„Ich weiß nicht, wovon du redest", hauche ich und halte mir meinen Kopf.
„Wie komme ich in deine Welt." Er umschließt seine Finger um mein Kinn und zwingt mich ihn anzusehen.
„Was?"
„Wie hat es Aiden geschafft, in deine Welt zu kommen? Wie ist es dir gelungen, hier her zu gelangen?"
Die Worte sind meinen Lippen so schnell entweicht, dass ich sie nicht aufhalten kann. „Ich habe es mir gewünscht."
Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen. „Gewünscht?"
„Ich habe es mir gewünscht. Tief im inneren. Unbewusst habe ich es mir im Traum gewünscht. Aiden, ihm ging es ähnlich."
„Das ist das Geheimnis?"
Ich nicke.
„Dann hindert mich nichts mehr daran meinen Plan in die Tat umzusetzen."
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
