Eifersucht kocht allmählich in mir auf. Bis jetzt war ich noch nie eifersüchtig. Ich hatte nie einen Grund dafür. Vielleicht hätte ich bei Jack eifersüchtig werden müssen, doch ich war naiv und er hatte seine Wege.
Jetzt ist es anders.
Ich will nicht, dass sie eine Chance bei ihm haben. Wenn sie wüssten, dass er nur ein Charakter aus einem Buch ist, sähe das Ganze anders aus.
"Könntest du bitte damit aufhören den anderen schöne Augen zu machen und sie vom Unterricht abzulenken?", zische ich.
"Ich kann nichts dafür, wenn die Damen mir ihre Aufmerksamkeit schenken. Doch du brauchst nicht eifersüchtig zu sein. Ich habe kein Interesse daran, ihnen den Hof zu machen." Er sagt es, als sei es das selbstverständliche der Welt.
Mein Mund steht weit offen, doch kein Ton kommt heraus. Die Wangen glühen vor Scham. Am liebsten würde ich mich verstecken. Bin ich so leicht zu lesen? Wenn ja, muss ich das schleunigst ändern.
"Falls du dich jetzt fragst woher ich das weiß, dann nur weil du deine Gefühle offen zeigst. Das gefällt mir und ich finde es bewundernswert. Es gibt nicht viele, die ihre Emotionen zeigen."
Ich halte inne inne und überlege. Bis jetzt fand ich diese Eigenschaft grauenvoll. Es ist auch einer der Hauptgründe, warum ich keine gute Lügnerin bin.
"Zudem habe ich deine feindselige Blicke zu den anderen gesehen."
Die Röte in meinen Wangen verdunkelt sich, falls das überhaupt noch möglich ist. Wie viel Scham kann eine Person fühlen bis sie stirbt?
"Du könntest der Vorlesung folgen. So würdest du die Klassiker unserer Zeit kennen lernen", flüstere ich ihm zu und gebe ihm einen Stift und ein Blatt Papier.
Er nimmt den Kugelschreiber in die Hand und inspiziert ihn akribisch. "Das ist also eurer Schreibwerkzeug. Interessant. Aus dem Stift kommt die Tinte allein und muss nicht ständig nachgefühlt werden. Wie faszinierend."
"Ja, die moderne Welt bringt viele Überraschungen mit sich."
Aiden schaut auch faszinierend das Blatt an. Es ist schon ein Upgrade gegenüber der Schriftrollen aus seiner Zeit. Sein Blick geht über zu der Diashow des Professors. Seine Augen werden so groß wie Teller und sein Mund steht offen. Abrupt lässt er den Stift fallen.
"Was ist das für ein magisches Gerät?"
Das hätte ich mir denken können. Er hat die Technik noch nie gesehen. Wie er wohl bei einem Laptop oder einem Fernseher reagieren wird? Seine Augen schweifen durch den Saal und die Begeisterung wächst.
"All die Menschen haben diese Gerätschaften nur viel kleiner!"
"Das sind Laptops. Auf diesen Geräten kannst du schreiben, ohne Papier zu benutzen, Im Internet surfen und noch vieles mehr", erkläre ich ihm.
Sein Kopf dreht sich zu mir und er sieht mich mich durch seine langen Wimpern an. Wir sind uns so nah, dass sich unsere Lippen fast begegnen.
"Was ist Internet?", haucht er so leise, dass ich es kaum verstehe.
"Das erkläre ich dir, wenn wir zurück auf dem Zimmer sind.", flüstere ich und verliere mich dabei in seinen Augen.
Nur mit viel Willenskraft schaffe ich es Aiden von dem Andrang an Mädchen, welche seine Kleidung offenbar nicht stören, wegzuführen.
"Was mache ich damit?", fragt er und hält einen Haufen an Zetteln in den Händen.
"Was ist das?"
"Das haben die Damen mir gegeben", sagt er unschuldig.
Ich nehme einen Zettel aus seinen Händen und entfalte ihn. In feiner Handschrift steht eine Telefonnummer und ein Name. Betty. Schnell knülle ich den Zettel zusammen und werfe ihn in den Mülleimer. "Die kannst du wegwerfen."
Er macht es mir nach und wirft sie alle in den Mülleimer. Schmunzelnd laufe ich weiter. Er ist so unwissend und leichtsinnig über diese Welt.
Wir kommen an der Bibliothek an. Staunend sieht er sich um.
"So ein wunderschöner und faszinierender Ort!" Aiden kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
"Ich hatte einen ähnlichen Blick auf meinem Gesicht, als ich das erste Mal diese heiligen Hallen betreten habe", sage ich und laufe die Treppen hinauf.
Er geht weiter. Mit jedem Schritt den er geht, werden seine Augen größer. "Es ähnelt den Gebäuden in meinem Königreich", ruft er begeisternd.
Ich stelle mich neben ihn. "Meinst du die Schlossbibliothek?"
Aiden sieht auf mich herab. "Sie würde dir gefallen. Du musst sie unbedingt sehen."
Bei seinen Worten stiehlt sich ein Lächeln auf meine Lippen. "Das wäre schön."
Auch wenn ich nicht glaube, dass ich sie je zu Gesicht bekomme, da er wie gesagt ein fiktiver Charakter ist. Doch er steht lebendig vor mir. Von daher besteht die Chance, dass ich sein Königreich sehen werde.
Ich gehe auf einen der Tische zu und setzte mich zu den anderen. Ich packe meine Bücher aus und hole meinen Laptop aus der anderen Tasche. Als Aiden ihn sieht wirkt er begeistert.
"Ich muss noch ein paar Sachen erledigen, ehe ich Zeit habe dir alles zu erklären. Wie wäre es, wenn du dich ein wenig umsiehst? Geh aber bitte nicht so weit, okay?"
Er nickt verständlich. "Ich wünsche dir viel Erfolg und Gelingen bei deinen Studien." Damit dreht er sich um und wandert faszinierend durch die Gänge.
Ich schlage mein Begleitwerk auf und schreibe an meiner Facharbeit. Ab und an schaue ich auf, um Aiden zu sehen. Sein blondes Haar sieht man selbst in der entferntesten Ecke des Saals. Mit jedem Wort das ich schreibe und mit jeder Zeile die ich lese, werde ich müder und unkonzentrierter.
Normalerweise macht mir selbst eine Analyse oder ein Aufsatz Spaß. Doch das hier gleicht Folter. In ein paar Monaten stehen die ersten Prüfungen an. Darunter zählt eine Facharbeit von vielen. Ich wusste, dass es nicht leicht wird. In der letzten Zeit habe ich jeden Tag gelernt.
Doch seit heute Morgen, seit Aiden da ist, scheinen mir die Vorlesungen nicht mehr so interessant zu sein. Ich kann jetzt mein Ziel, einen guten Abschluss zu machen, wegen einem Jungen nicht aufs Spiel setzten.
Die Worte von Alice fallen mir wieder ein.
Es ist nicht von Bedeutung wie gut ich die ersten Prüfungen bestehe. Hauptsache ich bestehe sie. Die Abschlussprüfungen in meinem letzten Semester sind die worauf es ankommt. Nach ein paar Stunden klappe ich meinen Laptop zu und suche Aiden.
Jetzt kümmere ich mich erst einmal um seine Kleidung. So wie er jetzt auftritt wird er am Ende noch zum Gespött des Campus. Von Ausnahmen einiger Mädchen.
"Aiden? Willst du auf ein Abenteuer gehen?"
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
