Ich stöhne auf. „Das kann doch nicht wahr sein!"
Carden lacht leise. „Ich bin wirklich begeistert."
Wütend marschiere ich auf ihn zu. „Du stehst mir im Weg." Ich murre ihn an und will an ihm vorbei, doch er schlingt seine Finger mit meinen und dreht mich sanft zu sich um.
„Ich stehe niemandem im Weg."
„Doch! Meiner Freiheit!", schreie ich.
Er rollt mit den Augen, als wäre ich ein ungeduldiges Kind. „Du hast es versucht und bist gescheitert." Seine Hand gleitet an meine Wange. „Aber ich muss zugeben, dass es beeindruckend war, dass du es überhaupt aus dem Schloss geschafft hast."
„Das war erst der erste Versuch, mein Lieber." Ich zwinge mich zu einem zuckersüßen Lächeln. „Irgendwann werde ich es schaffen."
Er zuckt mit den Schultern. „Wenn du meinst, dass du dadurch besser schläfst, lasse ich dir die Illusion."
Ich hebe das Kinn. „Die Illusion wird Realität."
Er ignoriert meinen Kommentar und zieht seinen Mantel aus. „Es ist kalt und du frierst. Ich will nicht, dass du krank wirst." Sanft legt er mir den schweren Stoff über die Schultern. „Außerdem hast du viel zu wenig an. Was hast du dir dabei gedacht, einfach loszulaufen? Du hast nicht mal Schuhe angezogen."
„Du musst mich nicht belehren. Ich bin kein Kleinkind." Ich verschränke die Arme.
„Warum benimmst du dich dann wie eins?" Sein Blick ist scharf, aber nicht wütend. „Lass uns zurückkehren."
Ich schnaube. „Seit wann stehst du hier schon rum?"
„Seit einer Weile. Ich wusste, dass du hierher zurückkehren würdest. Es ist der einzige Ort, den du kennst." Er grinst schief. „Ich habe einen Geheimgang genommen, bin zu den Ställen gegangen und hierher geritten."
Ich kneife die Augen zusammen. „Und ich dachte, ich hätte dich abgehängt."
„Liebling, merk dir eines." Er streicht mir mit den Fingerspitzen über das Haar. „Ich bin dir immer einen Schritt voraus."
Seine Worte treiben mich noch weiter in den Wahnsinn. Ich trete zurück, will so viel Abstand wie möglich zwischen uns bringen. Doch der Mantel ist warm, und obwohl ich es nicht will, hülle ich mich fester darin ein.
Sicher. Geborgen. Ein Gefühl, das ich in seiner Nähe niemals haben sollte. Er ist mein Feind. Der Mann, der mich entführt hat.
Carden holt mich wieder ein, legt eine Hand auf meinen Rücken und lenkt mich in Richtung seines Pferdes.
„Ich habe ein Geschenk für dich", sagt er leichthin und holt eine kleine Schatulle aus seiner Tasche.
Mein Magen zieht sich zusammen. Ich ahne, was sich darin befindet.
„Das kannst du nicht ernst meinen." Ich verschränke die Arme. „Haben meine Taten nicht deutlich genug gezeigt, dass ich nicht hier sein will?"
Er ignoriert meinen Protest und öffnet die Schatulle. „Nur so wird jeder wissen, dass du mir gehörst."
Meine Finger werden eiskalt, als er mir einen Ring über den linken Ringfinger schiebt. Ein goldenes Band mit einem schwarzen, rechteckigen Stein.
Mein Herz rast. Dieser Moment sollte doch etwas Besonderes sein. Das ist der Moment, auf den jedes Mädchen wartet. Doch ich fühle nichts als Beklemmung. Es ist keine Geste der Liebe. Es ist ein Zeichen des Besitzanspruchs. Handschellen in Form eines Ringes.
Ich schlucke schwer.
„Gefällt er dir nicht?" Carden mustert mich aufmerksam. Ich kann die Anspannung in seiner Stimme hören.
Mein Blick wandert zu dem funkelnden Stein. „Er ist wunderschön", sage ich ehrlich. Ich habe noch nie einen schwarzen Edelstein gesehen.
Carden lächelt leicht. „Mein Vater hat ihn damals meiner Mutter geschenkt." Sein Blick wird weicher. „Sie waren glücklich. Ich hoffe, dass wir das auch erreichen können."
Jetzt fühle ich mich schuldig.
Warum? Er öffnet sich mir. Und ich... ich kann ihm nur die kalte Schulter zeigen.
Ich zwinge mich, meine Stimme ruhig zu halten. „Was ist mit ihr passiert?"
Er atmet schwer. „Sie wurde ermordet."
Ein Stich fährt mir durch die Brust. „Das... das tut mir leid."
Er schüttelt den Kopf. „Muss es nicht. Du hast nichts falsch gemacht."
Er hilft mir auf das Pferd. Dann nimmt er die Zügel und führt es durch den Wald.
„Willst du nicht reiten?" frage ich verwirrt.
„Nein", erwidert er trocken. „Ich bin nicht diejenige, die ohne Schuhe durch die Landschaft rennt."
Ich zögere. Dann flüstere ich: „Danke."
Er wirft mir ein schiefes Lächeln zu. „Ein Gentleman sorgt für seine Lady."
Ich beiße mir auf die Lippe. „Wie wurde deine Mutter ermordet?"
Seine Finger umklammern die Zügel fester. „Mein Vater und der König waren einst Verbündete. Sie fanden diese Insel, bauten gemeinsam ein Königreich. Aber die Macht... sie hat alles zerstört."
Ich runzle die Stirn. „Wie kam es zu eurem Konflikt?"
„Macht, Thalia." Seine Stimme ist bitter. „Jeder strebt danach. Egal ob Mann oder Frau, adlig oder bürgerlich. Aber nur wenige können sie kontrollieren."
Ich schnaube. „Das ist so typisch."
Er lacht kurz auf. „Leider. Jeder verfällt ihr irgendwann."
„Auch du bist ihr verfallen."
„So offensichtlich?" Er hebt eine Braue.
Ich kichere. „Ein bisschen."
Er grinst. „Möchtest du den Rest der Geschichte hören?"
Ich werde wieder ernst. „Nur wenn es dir nichts ausmacht."
Sein Blick sucht meinen. „Mir war nicht bewusst, dass du so mitfühlend sein kannst."
„Nur ab und an."
Er räuspert sich und fährt fort: „Mein Vater dachte, er könnte das Königspaar überzeugen, ihn als Berater an ihrer Seite zu haben. Schließlich war er ein Großherzog. Aber der König... er ließ ihn fallen. Er hatte Angst, dass mein Vater ihn stürzen würde."
„Hatte er das vor?"
Carden schüttelt den Kopf. „Nein. Aber Angst macht blind. Der König hat meine Eltern verbannt. Sie gründeten hier ihr eigenes Reich. Doch das machte den König nur noch paranoider."
Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. „Er hat euch angegriffen, nicht wahr?"
Cardens Miene verdüstert sich. „Er schickte Soldaten. Mein Vater verteidigte uns. Aber dabei... wurde meine Mutter getötet."
Mein Atem stockt.
„Mein Vater hat sich verändert", fährt er fort. „Er wurde hart. Streng. Er verschloss sich. Erst als ich älter wurde, verstand ich... Er kam nie über ihren Tod hinweg."
Ich nicke langsam. „Und dann... hat er Rache geschworen?"
Carden sieht mich an. Lange.
Dann spricht er das Wort aus, das ich bereits geahnt habe.
„Ja."
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Enchanted by you
FantasiaFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
