KAPITEL 76

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Wir liegen eng umschlungen in seinem Bett. Kian hält mich fest, seine Arme sind wie ein Schutzschild um mich gelegt. Seine Finger spielen sanft mit meinen Haaren, während mein Kopf auf seiner Brust ruht. Sein gleichmäßiger Herzschlag beruhigt mich, und langsam sinke ich in einen tiefen, friedlichen Schlaf.

Am nächsten Morgen spüre ich einen intensiven Blick auf mir. Blinzelnd öffne ich die Augen – und sehe direkt in Kians dunkle, warme Augen. Er beobachtet mich mit einem verträumten Lächeln.

„Weißt du eigentlich, wie wunderschön du bist?" Seine Stimme ist leise, fast ein Flüstern.

Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, doch er schüttelt sanft den Kopf. „Nein, lass mich das einfach sagen. Du bist wunderschön, Thalia."

Mein Herz setzt einen Schlag aus. Kian war nie jemand für leere Komplimente – wenn er etwas sagte, dann meinte er es so.

Er schließt für einen Moment die Augen und lehnt sich in meine Berührung. „Was wollen wir heute unternehmen?" fragt er schließlich.

Ich seufze genüsslich und kuschle mich näher an ihn. „Können wir nicht einfach den ganzen Tag hierbleiben? Nur du und ich?"

Er lacht leise. „So sehr mich das reizt – wir müssen mit meinem Vater sprechen. Er muss erfahren, was passiert ist."

Ich stöhne gespielt frustriert. „Klingt nicht gerade nach einem romantischen Morgen."

„Vielleicht nicht, aber danach bringe ich dir ein paar Kampftechniken bei. Deine könnten ein paar privaten Einzelstunden benötigen." Er hebt fragend eine Augenbraue.

Ich kichere. „Private Einzelstunden?"

Kian verzieht gespielt empört das Gesicht. „Ganz richtig. Nur du und ich. Im Trainingsraum."

„Wie kann ich bei einem Prinzen dieses Angebot ablehnen."

„Gut", sagt er schmunzelnd. „Ich werde dir alles weitere dann beibringen, was du noch nicht kannst."

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in den Thronsaal. Der König sitzt bereits auf seinem Thron, umgeben von Alenja, Kendra, Aiden und Fynn. Sie unterhalten sich leise, doch als sie mich sehen, verstummen sie abrupt.

Alenjas Augen weiten sich, und dann – noch bevor ich reagieren kann – stürzt sie auf mich zu, ihre Arme um mich geschlungen. „Du bist wieder da!" Sie beginnt zu schluchzen und drückt mich fest an sich.

Ich streiche ihr sanft über die Haare. „Ja, ich bin wieder hier. Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen."

„Wo warst du?" fragt sie schließlich und löst sich von mir.

„Carden hat mich entführt und in sein Schloss gebracht", sage ich laut genug, dass der König es hören kann.

Aiden tritt vor. „Lady Arwen ist seine Schwester. Sie hat mich mit einem Liebestrank gefügig gemacht."

Der König erhebt sich mit weit aufgerissenen Augen. „Wie konnte das geschehen? Und wie wurde der Bann gelöst?"

Kian ergreift meine Hand und sieht seinen Vater entschlossen an. „Thalia hat es geschafft. Fynn und ich haben sie befreit, bevor Carden sie zur Heirat zwingen konnte. Zusammen haben wir eine Lösung gefunden."

Der König sieht mich einen Moment lang nachdenklich an. Dann nickt er langsam. „Thalia, ich habe dich unterschätzt. Du hast nicht nur meinen Sohn gerettet, sondern uns alle vor einer Katastrophe bewahrt."

Ich erwidere seinen Blick ernst. „Ich fürchte, dass der Frieden nicht von Dauer sein wird."

„Was hat Carden vor?"

Ich schlucke. „Er will Rache. So wie sein Vater."

Der König ballt die Fäuste. „Dann müssen wir uns vorbereiten!" Er gibt seinen Beratern ein Zeichen, und sie treten eilig in den Raum. „Alenja, Kendra – ich will nicht, dass euch etwas geschieht. Ihr bleibt in euren Gemächern und verschließt die Türen."

Alenja setzt zu einem Protest an, doch ein strenger Blick des Königs lässt sie verstummen.

Kian tritt einen Schritt nach vorne. „Vater, ich möchte, dass Thalia in der Kunst des Kampfes ausgebildet wird. Sie soll das gleiche Wissen erhalten wie ich und Aiden." 

Er muss nicht wissen, dass Kian mir schon einige Tricks beigebracht hatte.

Der König mustert mich lange, dann nickt er. „Unter diesen Umständen ist es notwendig. Ihr werdet sie ausbilden."

Kian verneigt sich. „Danke, Vater."

Wenig später stehen wir im Trainingsraum. Kian steht mir mit einem hölzernen Übungsschwert gegenüber. Seine Haltung ist entspannt, doch in seinen Augen funkelt spielerischer Ehrgeiz.

„Mal sehen, ob du die Übungen noch drauf hast, sagt er schmunzelnd.

Ich gehe einen Schritt zurück und halte das Schwert fester. Meine Augen folgen jeder seiner Bewegungen – ich will vorbereitet sein.

Dann greift er an. Ich ducke mich schnell und weiche aus, doch kaum richte ich mich auf, tippt er mir mit der Schwertspitze spielerisch gegen die Schulter.

„Nicht schlecht", meint er, während er mich grinsend mustert. „Aber nicht gut genug."

Ich kneife die Augen zusammen. „Das war nur Glück."

Diesmal bin ich diejenige, die angreift. Er ist überrascht und kann nicht schnell genug reagieren. Mit mehreren gezielten Schlägen bringe ich ihn aus dem Gleichgewicht, entwaffne ihn und halte ihm das Schwert an die Kehle.

„Gewonnen", sage ich grinsend.

Kian hebt eine Augenbraue. „Nicht ganz."

Bevor ich reagieren kann, fegt er mir mit einem gezielten Beinzug die Füße weg. Ich lande mit einem überraschten Keuchen auf dem Boden – und ehe ich mich versehe, ist er über mir, seine Hände links und rechts neben meinem Kopf abgestützt.

Unsere Gesichter sind nur Zentimeter voneinander entfernt. Ich spüre seinen warmen Atem auf meiner Haut.

Er lächelt. „Jetzt habe ich gewonnen."

Mein Herz schlägt schneller, und ich erwidere seinen Blick herausfordernd. „Vielleicht lasse ich dich ja nur gewinnen."

Sein Lächeln wird breiter. „Dann hoffe ich, dass du mich noch oft gewinnen lässt."

Und dann beugt er sich vor und küsst mich.







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