CHAPTER 17

132 9 2
                                        

Das gleichmäßige Rauschen der Dusche umhüllt mich, während ich mich den warmen Wasserstrahlen hingebe. Für einen Moment verblasst die Realität, und ich verliere mich in Gedanken an Andastra – das Königreich der Fröhlichkeit.

Ich weiß, dass Aiden nicht real ist. Er ist nichts weiter als eine Figur aus einem Buch, eine Erfindung eines Autors. Logisch, dass er perfekt erscheint. Seine charmante Art, sein edler Charakter, sein Aussehen – jeder würde schwach werden. In der Realität könnte kein Mensch diesen Maßstäben gerecht werden. Und doch ertappe ich mich immer wieder dabei, an ihn zu denken. Wie es wohl wäre, mit ihm zu sprechen, ihn wirklich kennenzulernen – nicht nur als Namen auf vergilbten Seiten, sondern als echte Person. Ich verliere mich in dieser Fantasie, tiefer und tiefer.

Erst als der heiße Dampf die gesamte Duschkabine ausfüllt, kehre ich zurück ins Hier und Jetzt. Ich blinzele und merke, dass ich noch immer unter dem laufenden Wasser stehe. Schnell drehe ich den Hahn zu und greife nach meinem Handtuch. Wieso träume ich immer in den unpassendsten Momenten? Reicht es nicht, nachts durch fremde Welten zu wandern? Muss ich mich wirklich tagsüber so sehr darin verlieren?

Mit geröteter Haut, die an die eines gekochten Hummers erinnert, eile ich zurück in mein Zimmer – nur um festzustellen, dass ich meinen Schlafanzug vergessen habe. Großartig. Ich lasse mich frustriert aufs Bett fallen. Warum kann ich nicht einfach normal sein? Warum muss ich ständig zwischen den Welten schweben? Es wirkt unprofessionell, kindisch. Und doch... die Realität ist nicht immer schön. Vielleicht flüchte ich deshalb in Fantasy-Welten, verliebe mich in Charaktere, die es niemals geben wird.

Am nächsten Morgen wache ich ungewöhnlich spät auf. Erst am Mittag beginnt meine erste Vorlesung, also drehe ich mich noch einmal auf die Seite. Mit halb geschlossenen Augen genieße ich die Wärme der Decke, bis ich ein merkwürdiges Gefühl bekomme.

Irgendetwas ist... falsch.

Verschwommen nehme ich eine Gestalt in meinem Zimmer wahr. Mein Herz setzt für einen Schlag aus. Ich blinzele, versuche, die Konturen zu erkennen. Doch das kann nicht sein. Ich muss noch träumen. Ich habe die Tür abgeschlossen – niemand kann hier sein.

Aber das Bild wird klarer. Die Gestalt ist keine Illusion. Hastig richte ich mich auf und ziehe die Bettdecke schützend um mich. „Wer sind Sie und was wollen Sie von mir?!" Mein Ton ist schärfer, als beabsichtigt. Ich mustere ihn, während mein Verstand fieberhaft nach einer Erklärung sucht.

Er kommt mir bekannt vor. Unmöglich.

„Aiden", sagt der Unbekannte mit einem Lächeln, das selbst der Sonne Konkurrenz macht.

Ich blinzle. Der Name ist mir nicht fremd – aber ich habe ihn noch nie gehört. Nur gelesen. Automatisch wandert mein Blick zum Buch auf meinem Nachttisch, dann wieder zu ihm.

„Das... ist nicht möglich."

„Doch", sagt er ruhig. „Sonst wäre ich nicht hier."

„Beweisen Sie es mir!"

Aiden schaut sich um, als suche er nach einer Möglichkeit, meine Zweifel zu zerstreuen. Dann greift er nach meinem Buch und reicht es mir. Zögernd nehme ich es entgegen und blättere zu den Seiten, auf denen die Portraits der Königsfamilie abgebildet waren.

Aber das Bild ist verschwunden.

Nur noch ein leerer Rahmen und sein Name stehen dort.

Mein Atem stockt. „Wie...?" Mehr bekomme ich nicht heraus.

Er betrachtet mich mit einer Mischung aus Amüsement und Ernst. „Sie haben es sich gewünscht."

„Was?" Ich sehe ihn mit großen Augen an.

Enchanted by youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt