Ich weiß nicht, wie ich hierhergekommen bin. Alles um mich herum verschwimmt, während mein Atem stockt. Doch eines ist sicher – ich stehe genau zwischen den beiden Männern, die bereit sind, bis aufs Blut zu kämpfen.
Aiden zu meiner Rechten, Carden zu meiner Linken. Die Spannung zwischen ihnen knistert wie ein drohendes Gewitter. Und ich? Ich bin der Sturm, der alles umwirft.
Plötzlich breche ich das drückende Schweigen.
„Stopp!"
Meine Stimme hallt über den Platz. Sie klingt lauter, als ich es erwartet hätte, voller Angst und Entschlossenheit zugleich.
Alle Augen richten sich auf mich. Urteilsfähig, wachsam. Ich spüre den Blick des Königs auf mir, schwer wie eine eiserne Kette um meinen Hals. Die Menschenmenge hält den Atem an, als würde die Zeit selbst stillstehen.
„Ich bin es nicht wert, dass man um mich kämpft."
Mein Herz hämmert, während ich zwischen den Männern hin- und herschaue.
„Thalia, geh zur Seite!" Kians Stimme dringt durch die Starre. Ich sehe ihn an der steinernen Brüstung stehen. Seine Miene ist angespannt, die Finger um das Geländer verkrampft.
Ich schüttle den Kopf. Nicht diesmal.
„Lady Thalia, ich befehle es!"
Die donnernde Stimme des Königs lässt mich zusammenzucken.
„Wenn ich jetzt gehe, werden sie sich bis zum Tod bekämpfen!", schreie ich, meine Hände zu Fäusten geballt. „Das bringt doch niemandem etwas!"
„Er soll dir nicht zu nahe kommen!", brüllt Aiden.
Ich gehe langsam auf ihn zu, hoffe, ihn mit meinen Worten zu erreichen. „Er spielt ein Spiel mit dir, Aiden. Er will dich provozieren, dich manipulieren."
Doch Aiden schüttelt den Kopf, die Kiefermuskeln hart angespannt. „Nein, ich habe seine Blicke gesehen."
Ich nicke. „Lass dich nicht aus der Fassung bringen. Denk an deinen Ruf. An dein Volk. Was sollen deine Untertanen denken, wenn sie ihren zukünftigen König sehen, wie er seine Beherrschung verliert?"
Aiden atmet schwer aus. Der Griff um sein Schwert lockert sich.
Ein Sieg.
Doch als ich mich Carden zuwende, steigt ein neuer Sturm in mir auf.
„Ich kenne dich nicht, doch den zukünftigen König zu provozieren, zeugt nicht gerade von Klugheit."
Carden lacht leise, beinahe belustigt. „Warum nicht? Es hat doch funktioniert."
Er kommt näher. Ich sehe jede Bewegung seines Körpers, das gefährliche Funkeln in seinen eisblauen Augen.
„Du schüchterst mich nicht ein", sage ich, meine Stimme fest.
Sein Lächeln vertieft sich. Er ist mir nun so nah, dass ich seine Sommersprossen zählen könnte.
„Das ist auch nicht meine Absicht, my Lady", murmelt er, während seine Finger eine Strähne meines Haares fassen. „Ich möchte, dass du mich begehrst."
Eine dunkle Hitze steigt in mir auf – eine Mischung aus Wut, Angst und etwas Undefinierbarem. Ich hebe mein Bein und trete ihm dorthin, wo es am meisten wehtun sollte. Doch seine schwarze Rüstung dämpft den Aufprall. Trotzdem – ich habe ein Zeichen gesetzt.
„Fass mich noch einmal an, und du wirst es bereuen", knurre ich, winde mich aus seinem Griff.
Carden mustert mich mit unergründlichem Blick. Dann neigt er sich vor und flüstert so leise, dass nur ich es höre: „Oh, glaub mir, meine Liebe. Du wirst deinen Platz an meiner Seite noch verstehen... und schätzen."
Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Seine Worte sind kein leeres Gerede. Sie sind ein Versprechen. Eine Drohung. Und ich habe keine Ahnung, was er als Nächstes tun wird.
Plötzlich spüre ich eine Bewegung hinter mir. Ein Schatten schiebt sich zwischen uns.
„Du rührst sie nicht mehr an, Carden", sagt eine vertraute Stimme.
Fynn.
Seine breiten Schultern versperren mir die Sicht auf Carden, sein ganzer Körper strahlt eine finstere Entschlossenheit aus.
„Am besten gehst du einfach", fügt er mit rauer Stimme hinzu.
Carden lacht herzhaft. „Ich bin hier als Gast, mein Lieber. Ich trete für mein Haus an – völlig legitim."
Fynns Hände ballen sich. Doch bevor er antworten kann, gesellt sich Aiden dazu.
Carden legt den Kopf schief. „Wie schön, dass die hochrangigen Teilnehmer im Schloss residieren..."
Dann wendet er sich mir zu, zwinkert.
„Wir sehen uns wieder."
Dann dreht er sich um und verschwindet.
Mein Körper entspannt sich kaum, als Fynn sich mir zuwendet. „Hat er dir etwas getan?"
Ich schüttle den Kopf. „Nein." Meine Stimme ist schwach. „Aber... wo warst du? Seit dem Ball habe ich dich nicht gesehen."
Fynn mustert mich eindringlich. „Ich war unterwegs, um das Land zu sichern."
Ich nicke langsam. Doch dann fällt mir etwas auf. „Warum hast du mich beobachtet?"
Fynn schaut zu Aiden. „Weil er mich darum gebeten hat."
Ich wende mich dem Mann zu, den ich liebe. Mein Herz schmerzt, als ich in seine dunklen Augen sehe.
„Ich wollte nicht, dass dir etwas passiert", sagt Aiden leise. In seinem Blick liegt Angst. Angst, mich zu verlieren.
Doch ehe ich etwas erwidern kann, ertönt die Stimme des Königs: „Ich bitte um Räumung des Platzes! Das Turnier wird fortgesetzt. Das Duell endet unentschieden."
Sein Blick ruht auf mir – kalt, berechnend. Und ich weiß: Er wird sich diese Demütigung nicht entgehen lassen.
Ich liege auf meinem riesigen Himmelbett und starre an die Decke. Ich versuche, mich anzupassen. Den Regeln des Hofes zu folgen. Doch immer wieder mache ich alles falsch. Immer wieder stehe ich im Mittelpunkt. Ich weiß, dass der König mich als Bedrohung sieht. Er wird nicht ruhen, bis ich entweder gefügig bin oder verschwinde.
Doch ich werde mich nicht brechen lassen. Ich werde mich nicht von Aiden, Kian oder Alenja fernhalten. Sie sind die einzigen, die mich hier noch halten. Doch eine Sache bereitet mir mehr Sorgen als alles andere.
Carden.
Sein Blick. Seine Worte. Seine Präsenz.
Er macht mir Angst. Ich weiß nicht, was er als Nächstes tun wird. Aber ich weiß, dass er nicht aufgeben wird. Mein Herz pocht unruhig. Ich schiebe die schwere Decke zur Seite und stehe auf. Mit schnellen Schritten gehe ich zur Tür, schließe sie ab.
Dann trete ich ans Fenster, blicke in die dunkle Nacht. Der Mond wirft silbernes Licht auf die Mauern des Schlosses. Alles scheint ruhig. Doch tief in meinem Inneren weiß ich – dies ist nur die Ruhe vor dem Sturm.
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Enchanted by you
FantasyFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
