Meine Augen weiten sich. „Das kann nicht wahr sein." Reflexartig presse ich eine Hand auf meinen Mund, als könnte ich so die Wahrheit zurückdrängen. Ich springe auf und stolpere einige Schritte rückwärts, um so viel Abstand zwischen mir und Carden zu bekommen, wie es dieser Raum zulässt.
Er setzt sich langsam in Bewegung, kommt auf mich zu.
„Nein!" Meine Stimme überschlägt sich. „Bleib weg von mir!"
Meine Brust schnürt sich zu. Panik ergreift mich, als würde mir jemand die Luft aus den Lungen reißen. Ich greife mir an den Hals, ringe verzweifelt nach Atem. Jeder Atemzug wird flacher, unregelmäßiger. Mein Blick verschwimmt.
„Thalia, du musst dich beruhigen", sagt Carden mit ruhiger Stimme.
„Hör auf ihn", mischt sich Hal ein, seine Stimme kalt und unnachgiebig. „Es wäre klüger für dich."
Doch ich weigere mich. Tränen brennen in meinen Augen, laufen über meine Wangen. „Ich glaube dir nicht!" Ich schluchze. „Sag mir, dass das nicht wahr ist!"
Ich versuche weiter zu atmen, doch es ist, als würde mein eigener Körper mich verraten. Meine Beine geben nach. Die Welt verschwimmt in dunklen Schatten, bis ich nichts mehr sehe.
Als ich wieder zu mir komme, liegt mir bleierne Müdigkeit in den Gliedern. Blinzelnd blicke ich umher. Mein Zimmer. Das Bett. Die vertrauten Mauern. Aber wie bin ich hierhergekommen?
Ein sanfter Druck an meiner Hand. Ich folge dem Gefühl und sehe Carden neben mir sitzen. Sein Kopf ist zur Seite geneigt, die Augen geschlossen. Seine Haare fallen ihm ins Gesicht. Im Schlaf sieht er weniger bedrohlich aus. Fast friedlich. Fast.
Die Erinnerung kommt mit einem Schlag zurück. Seine Worte. Sein Plan.
Wut flutet meine Adern. Ich reiße meine Hand aus seinem Griff. Die plötzliche Bewegung weckt ihn. Er blinzelt, sieht mich an – Erleichterung huscht über sein Gesicht.
„Gott sei Dank", murmelt er. „Ich habe zur Göttin gebetet, dass du erwachst."
„Geh weg", flüstere ich und wende den Blick ab. Meine Stimme ist rau, gebrochen. „Hast du nicht schon genug angerichtet?"
„Ich weiß, dass es schwer ist, sich seinem Schicksal zu fügen."
„Hör mir mit diesem Mist auf." Ich presse die Lippen aufeinander, doch meine Zähne graben sich in die Unterlippe, bis ich Blut schmecke.
„Kannst du mich wenigstens ansehen?"
„Warum? Damit du mir weiter Lügen auftischen kannst?"
„Ich will dir alles erklären, wenn du mir die Chance gibst."
„Lass mich allein."
Er atmet schwer aus, bleibt einen Moment sitzen, bevor er aufsteht und den Raum verlässt.
Den Rest des Tages bewege ich mich nicht. Liege einfach nur da, eingehüllt in eine dumpfe, lähmende Leere. Meine Gedanken kreisen unaufhörlich. Alles wird lauter, chaotischer. Ich kann es nicht mehr ertragen. Ein einziger Schrei entweicht meiner Kehle, roh und voller Schmerz.
Ich schleudere die Decke von mir, springe auf. Mein Blick fällt auf eine Vase – ohne nachzudenken, greife ich danach und schleudere sie gegen die Wand. Das Geräusch berstenden Porzellans erfüllt den Raum. Splitter fliegen in alle Richtungen, schneiden meine Haut. Blut tritt hervor, doch ich spüre keinen Schmerz.
Ein Stuhl kippt krachend um. Ich reiße die Kleider aus dem Schrank, zerfetze den feinen Stoff in Fetzen. Dann die Kissen. Federn tanzen durch die Luft, wirbeln um mich herum wie Schnee.
Meine Kräfte verlassen mich. Ich sinke zu Boden, kauer mich in eine Ecke. Schluchze, bis keine Tränen mehr übrig sind. Dann sitze ich einfach nur da und starre in die Ferne.
Die Tür öffnet sich. Ich reagiere nicht. Schritte, dann kniet sich jemand neben mich. Ich kenne diesen Blick, diese blauen Augen.
Vorsichtig berührt er mein Gesicht. „Liebling, was hast du getan?" Seine Stimme ist leise, fast sanft. „Hast du dir wehgetan?"
„Ich kann das nicht." Meine Stimme ist kaum mehr als ein Hauch. „Ich will nach Hause."
„Das hier ist dein Zuhause", sagt er mit Nachdruck. „Du wirst dich daran gewöhnen. Und wenn wir erst deine Welt erobert haben, kannst du sie besuchen, wann immer du willst."
„Das ist nicht dasselbe!" Meine Stimme bricht. „Meine Mutter, meine Freunde – sie wären Gefangene. Wie alle anderen auch."
„Sie werden in Sicherheit sein. Das verspreche ich dir."
Ich sehe ihn flehend an. „Bitte. Tu es nicht."
Er streicht mir über das Haar, sein Blick voller Emotionen, die ich nicht entschlüsseln kann. „Ich habe keine Wahl. Ich muss es tun."
„Warum?"
„Damit mein Vater stolz auf mich ist."
Ich reiße mich aus seinem Griff. „Das ist dein Grund? Das ist Wahnsinn."
Er schweigt. Seine Finger gleiten über meinen Arm – ich zucke zusammen, als er eine meiner Wunden berührt.
„Wir müssen das versorgen", murmelt er. „Ich will nicht, dass sich etwas entzündet."
Ich bin zu erschöpft, um mich zu wehren. Zu schwach, um mich aufzurichten. Ohne zu zögern hebt er mich in seine Arme.
Er trägt mich hinaus, durch dunkle Gänge, bis in einen angrenzenden Raum. Erst als ich auf einem kühlen Wannenrand abgesetzt werde, wird mir klar, wo wir sind.
„Wo sind wir?"
„In meinem Gemach." Er zupft an einem Leinentuch, taucht es ins Wasser. „Ab heute schläfst du bei mir. Damit ich auf dich aufpassen kann."
„Ich bin kein Kind."
Er ignoriert meine Worte, wischt vorsichtig das Blut von meiner Haut. Ich beiße mir auf die Lippe, um den Schmerz zu unterdrücken.
„Wie ist das passiert?"
„Ich habe eine Vase geworfen."
„Warum?"
„Weil ich wütend war." Ich blicke stur zur Seite. „Weil ich meine Wut nicht mehr halten konnte."
Er sagt nichts, holt stattdessen eine kleine Dose und streicht eine grüne Paste auf meine Wunden. Sofort setzt eine kühle Linderung ein.
„Was ist das?"
„Eine Kräutersalbe. Sie hilft bei Wunden aller Art."
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Enchanted by you
FantasíaFictional Boyfriends can be real ... Ein Bücherwurm in Harvard entdeckt eine Welt voller Magie, als der Protagonist eines Fantasy-Romans plötzlich vor ihr steht und sie gemeinsam zwischen der modernen Welt und einem faszinierenden Königreich Gefahre...
